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Aufregung um Internet-Bericht Aufregung um Internet-Bericht: Keine Beweise für Messerstecherei in Oberbreite

26.09.2018, 09:58
Der Eingang zur Gartensparte „Oberbreite“.
Der Eingang zur Gartensparte „Oberbreite“. Lutz Sebastian

Dessau - Für eine von der rechtsextreme Vereinigung „III. Weg“ im Internet verbreitete Meldung zu einem Messerangriff in Alten gibt es keinerlei Hinweise oder Beweise.

Angeblich soll am Abend des 12. September vor der Gartensparte Oberbreite ein Deutscher von „einer ausländischen Gruppe“ angegriffen und verletzt worden sein. Doch auf Nachfrage hat von einem solchen Angriff vor der Gartensparte weder die Polizei noch der Vorstand der Gartensparte Kenntnis.

Bei der Polizei liege keine Anzeige vor, verlautete aus der Pressestelle der Polizeidirektion. In der Sparte selbst, so beteuerte ein Vorstandsmitglied gegenüber der MZ, habe man von einem solchen Vorfall nichts gehört. „Wenn das vor unseren Toren gewesen sein sollte, dann hätte sich das doch herumgesprochen.“

So gibt es bislang lediglich eine Quelle für den angeblichen Vorfall - die Website der Partei „Der III. Weg“. Demnach soll ein 42-jähriger Deutscher attackiert worden sein. Der Angriff sei „wohl mit einer Art Teppichmesser“ geführt worden. Die drei Männer seien geflüchtet, weil „Gäste aus dem nahe gelegenen Gartenlokal zu Hilfe eilten“.

Ein auf der Website veröffentlichtes Foto zeigt den linken Arm eines auf einer Bierkiste sitzenden Mannes. Seine Verletzungen wirken eher oberflächlich, beim Bild handelt es sich möglicherweise um ein „Selfie“. Der hallesche Rechtsmediziner Prof. Rüdiger Lessig kommt anhand des unscharfen Fotos zur Einschätzung, dass die Verletzung „aufgrund scharfer Gewalt entstanden sein können, aber nicht müssen“.

Ein Hinweis, dass das Bild aus dem Netz gefischt sein könnte, findet sich nicht. Andererseits liefern - was nicht ungewöhnlich ist - weder das Foto selbst noch dessen Metadaten Anhaltspunkte zum Aufnahmedatum. Eine Quelle für die Information und das Foto werden auf der Website nicht angegeben.

Auf alle MZ-Anfragen wurde nicht reagiert

Unter der angegebenen Telefonnummer war niemand zu erreichen, auch auf eine E-Mail-Anfrage der MZ - beispielsweise nach der Tagebuchnummer der Anzeige oder ob der Verletzte einem Arzt vorgestellt wurde  - wurde nicht reagiert.

„Der III. Weg“ ist laut Verfassungsschutzbericht Sachsen-Anhalt „klar neonazistisch ausgerichtet“. (mz/tst)