Anhalt-Hospiz

Anhalt-Hospiz in Dessau-Roßlau: Einrichtung feiert ihr zehnjähriges Jubiläum

Dessau - Gisela Arnold liebt ihre kleine Terrasse vor dem Zimmer. So oft es das Wetter erlaubt, sitzt sie dort draußen, genießt die Natur - und schaut den Kindern im gegenüberliegenden Kindergarten der Anhaltischen Diakonissenanstalt beim Spielen ...

Von Sylke Kaufhold 14.06.2017, 09:06

Gisela Arnold liebt ihre kleine Terrasse vor dem Zimmer. So oft es das Wetter erlaubt, sitzt sie dort draußen, genießt die Natur - und schaut den Kindern im gegenüberliegenden Kindergarten der Anhaltischen Diakonissenanstalt beim Spielen zu.

Die 72-Jährige ist Gast im Anhalt-Hospiz. Seit März ist das markante blaue Gebäude mit den charmanten Fensterläden ihr Zuhause. „Ich fühle mich sehr wohl hier“, sagt sie, „etwas Besseres konnte mir gar nicht passieren.“

Gisela Arnold ist unheilbar krank. In der Obhut der Hospizes fühlt sie sich sicher und geborgen. „Und ich bin schmerzfrei, das ist so schön.“

Zehnjähriges Jubiläum

Das Anhalt-Hospiz in Trägerschaft der Anhaltischen Hospiz- und Palliativgesellschaft in der Kühnauer Straße feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Längst ist es im Bewusstsein der Dessau-Roßlauer angekommen.

Das Verhältnis der Menschen zu diesem Haus, das für die Patienten die letzte Lebensstation ist, hat sich in den zehn Jahren gewandelt, freut sich Geschäftsführerin Anja Schneider.

Beratungsstelle hilft bei Kontaktaufnahme

„Das Hospiz ist heute deutlich bekannter, Angehörige, Hausärzte und Betroffene selbst melden sich heute selber bei uns und bitten um Aufnahme.“ Anfangs seien das vorwiegend die Sozialdienste und Krankenhäuser gewesen.

Eine Beratungsstelle für Palliativ- und Hospizleistungen im Haus erleichtert die Kontaktaufnahme zum Hospiz. „Wir kümmern uns um alles Weitere.“ 160 Gäste werden im Jahr hier betreut, 140 im ambulanten Hospizdienst.

Menschen, die im stationären Hospiz aufgenommen werden, haben eine Lebenserwartung von einigen Wochen bis einigen Monaten.

40 Ehrenamtliche arbeiten im Hospiz

Doch nicht nur um das Sterben geht es in der Arbeit des 17-köpfigen Pflegeteams. Auch die Angehörigen werden betreut, damit ihr Leben weitergehen kann.

Dabei steht eine Psychologin hilfreich zur Seite, die unter anderem auch verschiedene Trauergruppen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene betreut.

Dennoch hat das Hospiz für viele Menschen etwas Bedrohliches, weiß Dr. Anja Schneider. „Hier komme ich nicht wieder raus“ sei der beherrschende Gedanke.

Familien begleiten ihre Angehörigen

„Aber hier werden die Gäste nicht zum Sterben abgegeben, sondern erleben hier das letzte Stück Lebenszeit“, machen wir den Angehörigen deutlich.

„Wir sorgen dafür, dass die Krankheit erträglich bleibt. Die Familie begleitet ihren Angehörigen, das ist ganz wichtig.“

Auch wenn der Tod hier regelmäßiger Begleiter des Alltags ist, strahlt das Haus Lebensfreude und Herzlichkeit aus. Man fühlt sich schon beim Betreten des gemütlichen Foyers „aufgenommen“. Von düsterer Stimmung keine Spur.

Normaler Alltag und Unternehmungen

Im Gegenteil. Wenn Hauswirtschafterin Doreen Schulze dreimal in der Woche ihren Kuchen bäckt, wird das immer ein fröhliches Kaffeetrinken. „Wir wollen unseren Gästen so viel Normalität wie möglich bieten, da gehören gemeinsame Mahlzeiten dazu“, erzählt Anja Schneider.

Oder Unternehmungen. 40 Ehrenamtliche helfen dabei, die Patienten am Alltag zu beteiligen, sowohl im Hospiz als auch bei der Betreuung zu Hause.

Würdevolles Sterben im Hospiz

Die Hospizidee - Menschen ein würdevolles Sterben zu ermöglichen - wird in Dessau bereits seit mehr als 20 Jahren gelebt.

Die Diakonie begründete damals den ambulanten Hospizdienst, der 2012 von der Anhaltischen Hospiz- und Palliativgesellschaft übernommen wurde. Das stationäre Hospiz öffnete am 14. Dezember 2007 mit acht Plätzen.

Wartelisten werden immer länger

Als die Wartelisten länger wurden, entschloss sich der Träger zum Neubau. Dort gibt es weitere sechs Plätze sowie eine Palliativstation, eine Beatmungsintensivpflege und eine Physiotherapie.

„Diese Komplexität der Einrichtung ist einmalig in Deutschland“, hebt Anja Schneider hervor. Und ist zurecht stolz darauf. (mz)