Ein Stück Sonne weniger

Am 10. Juni ist über Anhalt eine partielle Sonnenfinsternis zu erleben

Aufgrund von Corona muss Astronomische Station in Dessau diesmal mit ihrem Angebot passen.

Nur mit entsprechenden Brillen sollte die Sonnenfinsternis beobachtet werden.
Nur mit entsprechenden Brillen sollte die Sonnenfinsternis beobachtet werden. (Foto: J. Lukaschek)

Dessau - Die Sonnenfinsternis-Brille liegt Zuhause noch griffbereit in der Schublade? Dann kann sie getrost am Donnerstag, 10. Juni, herausgeholt werden. Warum, sagt Michael Teichert, Leiter des Walter-Gropius-Gymnasiums und der dortigen Astronomischen Station, im Gespräch mit Heidi Thiemann.

Was passiert am Donnerstag?

Michael Teichert: Um die Mittagszeit am Donnerstag wird es zu einer teilweisen Bedeckung der Sonne durch unseren Erdmond kommen. Während dieses Phänomen in der nördlichen Polarregion sogar als beeindruckende ringförmige Sonnenfinsternis faszinieren kann, wird es, je weiter südlich man kommt, ein immer geringerer Teil der Sonne sein, welcher bedeckt wird.

Wie groß ist der Teil, den der vorbeiziehende Mond von der Sonne bei uns verdeckt?

Michael Teichert: Dieser ist relativ gering. In unserem Teil Deutschlands wird es durch den Schattenwurf des Mondes auf die Erde im Maximum zu einer etwa 12- bis 13-prozentigen Verfinsterung im oberen Bereich der Sonne kommen.

Auch wenn der Teil nicht sehr groß ist, kann man die partielle Sonnenfinsternis dennoch gut sehen?

Michael Teichert: Die partielle Sonnenfinsternis ist nur mit entsprechenden Hilfsmitteln erkennbar. Zwischen 11.35 Uhr und 13.38 Uhr kann, entsprechendes Wetter vorausgesetzt, die Finsternis beobachtet werden, wobei das Maximum der Bedeckung bei uns gegen 12.35 Uhr zu erwarten ist.

 Der Mond hat sich vor die Sonne geschoben. Erstmals seit sechs Jahren ist am 10. Juni über Dessau-Roßlau wieder eine Sonnenfinsternis zu sehen.
Der Mond hat sich vor die Sonne geschoben. Erstmals seit sechs Jahren ist am 10. Juni über Dessau-Roßlau wieder eine Sonnenfinsternis zu sehen.
(Foto: DPA)

Was bedeutet, dass man die Sonnenfinsternis nur mit entsprechenden Hilfsmitteln beobachten sollte?

Michael Teichert: Auf keinen Fall darf mit dem ungeschützten Auge in die Sonne geschaut werden, auch nicht durch berußte Gläser, herkömmliche Sonnenbrillen, Ferngläser oder Fernrohre ohne entsprechende Filter. Interessierte Beobachter dürfen zur eigenen Sicherheit nur über extra beschichtete Sonnenfinsternisbrillen in die Sonne schauen, welche oft in Optik-Geschäften erhältlich sind. Denn ohne Schutz können die Augen schwer und irreparabel geschädigt werden.

Bei vorherigen astronomischen Ereignissen hatte die Astronomische Station am Walter-Gropius-Gymnasium immer öffentliche Beobachtungsangebote unterbreitet. Wie sieht es am Donnerstag damit aus?

Michael Teichert: Es gab zwar schon mehrere Anfragen. Doch bedingt durch die aktuell geltenden Hygieneregeln kann es in der Astronomischen Station des Walter-Gropius-Gymnasiums dieses Mal leider kein öffentliches Beobachtungsangebot geben.

Zuletzt war vor sechs Jahren in Deutschland eine partielle Finsternis der Sonne zu erleben. Wann können wir hier nach Donnerstag die nächste Sonnenfinsternis erleben?

Michael Teichert: Schon im kommenden Jahr wird das der Fall sein. Die nächste Finsternis wird dann ebenfalls eine partielle sein. Wobei die Sonne dann am 25. Oktober 2022 über Mitteldeutschland bis zu 23 Prozent bedeckt sein wird. (mz)