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200 Tonnen illegaler Müll

200 Tonnen illegaler Müll jährlich in Dessau-Roßlau: Immer mehr Abfall in den Wäldern

Dessau-Rosslau - Betonteile, Schutt und Holzlatten mit herausstehenden rostigen Nägeln: Was eine Dessauerin in einem Waldstück bei Mosigkau vorgefunden hat, macht sie wütend. „Das ist nicht nur eine Gefahr für Waldbewohner, sondern auch für Hunde und Pilzsammler“, schrieb die Frau Anfang September bei Facebook. „Das muss doch wirklich nicht ...

Von Daniel Salpius 20.09.2020, 07:00

Betonteile, Schutt und Holzlatten mit herausstehenden rostigen Nägeln: Was eine Dessauerin in einem Waldstück bei Mosigkau vorgefunden hat, macht sie wütend. „Das ist nicht nur eine Gefahr für Waldbewohner, sondern auch für Hunde und Pilzsammler“, schrieb die Frau Anfang September bei Facebook. „Das muss doch wirklich nicht sein.“

Illegale Müllablagerungen im Stadtgebiet sind allerdings nach wie vor keine Ausnahme. Die Mengen sind im Gegenteil erheblich: 207 Tonnen musste die Stadt allein im Jahr 2019 entsorgen. Das geht aus einer Antwort der Verwaltung auf eine MZ-Anfrage zum Thema hervor.

Illegaler Müll: Für die Entsorgung zahlt die Stadt hohe Summen

Allein 100 Tonnen fielen demnach an öffentlichen Wertstoffsammelplätzen mit Sammelbehältern für Glas, Altpapier und Leichtverpackungen an. Hier seien vorwiegend gemischte Siedlungsabfälle (Restmüll) verbotswidrig abgestellt worden, sagte Stadtsprecher Carsten Sauer. Bei den restlichen 107 Tonnen habe es sich um sonstige im Stadtgebiet hinterlassene Abfälle gehandelt - darunter Schutt, Schrott, Unrat, Gartenabfall.

Die Rechnung für die Beseitigung der zahlreichen Hinterlassenschaften zahlt zumeist die Stadt - und damit der Steuerzahler. Auch sie ist alles andere als klein: „Die Kosten für die Einsammlung, den Transport und die Entsorgung der wilden Müllablagerungen betrugen im Jahr 2019 rund 123.400 Euro“, unterstreicht Sauer. Geld, das an anderer Stelle entsprechend fehlt.

Um den Ablagerungen Herr zu werden, geht die Stadt Hinweisen auf die Verursacher nach. Hierfür zuständig sind je nach Fundort Umweltamt oder Ordnungsamt. Etwa über Schriftfunde versuchen sie, die Müllsünder zu ermitteln.

Bußgeld kann bis zu 100.000 Euro betragen

Gelingt dies, wird ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Verursacher tragen neben dem Bußgeld, das bis zu 100.000 Euro betragen kann, zudem die Kosten für die Entsorgung und das Verwaltungsverfahren. Im Falle gefährlicher Abfälle, etwa Asbest, diverse Dämmmaterialien, Farben oder Elektroaltgeräte, wird grundsätzlich Strafanzeige, auch gegen Unbekannt, gestellt.

Die Täter zur Verantwortung zu ziehen, gelingt - die Zahlen zeigen es - jedoch oft nicht. Und wie sowohl Jägerschaft als auch Stadt beobachten nimmt das Problem immer größere Dimensionen an. Inzwischen würden ganze Wagenladungen einfach abgekippt, sagte Kreisjägermeister Michael Mitsching im Juni. Gerade auf gering frequentierten Wegen mit guter Erreichbarkeit sei dies zu beobachten, so die Stadt. Die Folgen: Vermüllung der Natur und je nach Gefahrgut auch Bodenkontaminationen oder Gewässer- und Grundwasserverunreinigungen.

Die Entsorgung des illegalen Mülls ist Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgers und damit der Stadt. Wahrgenommen wird sie durch den Eigenbetrieb Stadtpflege. (mz)