Wolfener Radioclub wird 30

Wolfener Radioclub wird 30: Günter Böhms Auto funkt in die ganze Welt

Wolfen - Warum Günter Böhm in seinem Auto mit Gleichgesinnten auf der ganzen Welt sprechen kann. Aufs Rufzeichen kommt es an.

Von Sylvia Czajka 10.01.2021, 11:00

„Günters Auto kennt hier jeder.“ Sein Wiedererkennungsmerkmal misst schlappe 3,20 Meter. Von wegen: Es kommt nicht immer auf die Größe an - bei Günter Böhm schon. Seine Antenne ist immer auf Empfang und er bereit zum Plaudern mit Gleichgesinnten auf allen Kontinenten.

DM3WoWolfen - dann geht Böhm ran. Mittlerweile ist er 71 Jahre alt, aber bei ihm funkt es immer noch. Und nicht nur bei ihm. Deshalb weiß die ganze Welt bereits: Der Amateurfunk in Wolfen feiert insgesamt seinen 60. Geburtstag. Den Radioclub gibt es nun seit 30 Jahren - genau wie den Patenschaftsvertrag mit der Amateurfunk-Clubstation R01 in Düsseldorf, erzählen Herbert Findling und Dietmar Eilhardt mit Stolz.

Das Reich der Funker befindet sich auf dem Gelände der Stadtwerke in Wolfen. Der 120 Meter große Industrieschornstein dient als Antennenträger. Seit nunmehr 30 Jahren betreibt der Radio Club Wolfen einen Sende- und Empfangsumsetzer (Relais) im UHF Amateurfunkband, informiert Herbert Findling.

Zu DDR-Zeiten waren die Bastler unter den Funkern gefragt

Er erinnert sich noch an die erste Bewährungsprobe nach der Wende. Beim Jahrhunderthochwasser 2002 kam das Relais zum Beispiel für die Zentrale des DRK Bernburg als Not- und Katastrophenfunknetz zum Einsatz.

Zu DDR-Zeiten waren die Bastler unter den Funkern gefragt. Dietmar Eilhardt ist es bis heute geblieben. Aus technischer Sicht ergaben sich erst mit der Vereinigung vollkommen neue Möglichkeiten. Es gab sämtliche elektronische Bauteile zu kaufen, von denen DDR-Bastler - wie Eilhardt - früher nur träumten. Seine Funkanlagen dienten sogar zur Kontaktaufnahme mit der Neumayer-Station III - der deutschen Polarforschungsstation des Alfred-Wegener-Instituts in der Antarktis.

„Das Morsen ist zum Weltkulturerbe erhoben worden“

Traditionen zu bewahren, das haben sich die Amateurfunker auf die Fahne geschrieben. Herbert Findling kann zum Beispiel das Morsen nicht lassen. Was wohl die wenigsten wissen: „Das Morsen ist zum Weltkulturerbe erhoben worden.“ Zu recht, finden die Amateurfunker. Die würden sich auch über Nachwuchs in ihren Reihen freuen. Nach Corona, versteht sich.

Ach übrigens: Funkwellen sind nicht infektiös. Das ist Fakt, wissen die Männer vom Fach. Die haben ihren Humor nicht verloren. (mz)