Typischer Kehlbiss

Typischer Kehlbiss: Haben Wölfe ein weibliches Rehwild bei Rösa gerissen?

Rösa - Genetische Proben sind entnommen.

Von michael Maul
Michael Unger (vorn) nimmt von dem Wildtier eine Probe.

Auf freiem Feld bei Rösa hat ein Landwirt am Donnerstagmorgen ein totes Tier entdeckt. Es handelt sich um ein Reh, welches nach ersten Erkenntnissen von einem oder zwei Wölfen gerissen worden sein könnte. Zur genaueren Untersuchung wurde ein Mitarbeiter des sachsen-anhaltischen Wolfskompetenzentrums in Iden zurate gezogen.

Maßgeblich für die Ersteinschätzung sei der typische Kehlbiss

„Wenn ich mir das Tier und die Umgebung ansehe, gehe ich von einem Wolfsangriff aus“, sagt Michael Unger, der für das Wolfskompetenzzentrum arbeitet. Maßgeblich für die Ersteinschätzung sei neben dem typischen Kehlbiss auch das Fressverhalten an dem erlegten Wild.

Wölfe würden fast alles fressen, der Pansen stehe aber nicht auf der Speisekarte, meint er und zeigt auf das Teil des Wildes, welches ein Stück entfernt liegt. Auch die Menge, die gefressen wurde, ließe auf zwei Wölfe schließen. Wo der oder die Wölfe herkommen, könne man erst nach Auswertung des abgenommenen Genmaterials in etwa vier Wochen sagen. Bei dem angreifenden Tier könne es sich um einen Wolf aus dem Bad Dübener Rudel handeln, aber auch ein herumziehender Wolf komme in Frage.

Wildkamera wurde in nächster Nähe installiert

Um zu dokumentieren, ob die Wölfe noch einmal zu der Stelle auf dem Feld zwischen Pouch und Rösa zurückkehren, haben Carsten und Andreas Guthe eine Wildkamera in nächster Nähe installiert. „Bei der Auswertung der Bilder und des Videomaterials werden wir sehen, ob und wann die Wölfe da sind“, sagt Jagdpächter Carsten Guthe. Danach werde der Kadaver ordnungsgemäß entsorgt.

Dass an dieser Stelle schon mehrfach Wölfe gesichtet wurde, kann auch Andreas Guthe bestätigen. Er ist der Leiter des Hochwildhegeringes der Jägerschaft Bitterfeld. „Ob morgens oder abends, an der B183 habe ich schon viele Tiere gesehen“, sagt er. Für ein scharfes Foto habe es aber nicht gereicht. „Die Wölfe sind einfach zu scheu und lassen keinen an sich herankommen.“ Das kann auch Unger bestätigen. „Bei den gesichteten Wölfen handelt es sich sicherlich um Jungtiere“, sagt er. „Die Alten sind zu clever und bleiben zu dieser Uhrzeit noch im Wald.“ (mz)