Taufe im Zirkuszelt

Taufe im Zirkuszelt: Die nächste Barlay-Generation bekommt den Segen in Jeßnitz

Jeßnitz - Die nächste Barlay-Generation heißt Dijane und bekommt den Segen in Jeßnitz. Für Ex-Kirchenclown Steffen Schulz ist es der erste Ritus in der Manege.

Von Sylvia Czajka

Was für ein Zirkus! Gestatten Barlay! Bunt, hektisch, tierisch ... Diesmal feierlich. Die Manege wird besonders - durch ein Taufbecken. Clown Charlie hat heute Pause. Ein ehemaliger Kollege übernimmt. Leo. Steffen Schulz war 20 Jahre unter diesem Namen als Kirchenclown unterwegs. Jetzt ist er pastoraler Mitarbeiter der evangelischen Kirchen an Mulde und Fuhne. Und erlebt eine besondere Premiere. „Es ist meine erste Taufe in einem Zirkuszelt.“

Dijane heißt die Glückliche, die nun in die christliche Gemeinde aufgenommen wird. Die 7. Generation hat eine kräftige Stimme. Die wird sie brauchen im Leben, ist sich Mutter Sabrina Renz ganz sicher. Vor drei Monaten erblickte Dijane im Bitterfelder Klinikum das Licht der Welt. Es sei wohl Gottes Wille gewesen, dass nun auch im Landkreis Anhalt-Bitterfeld die Taufe stattfindet. Auf der Festwiese in Jeßnitz macht das fahrende Volk noch bis Sonntag Station. Es werden heiße Tage für die Truppe, weiß der stolze Vater Marlon Renz.

Der schaukelt gern sein Wunschkind. Der Mädchenname stammt von der Großmutter erklärt er. So ist es Tradition. Genau wie die Taufe im Zirkuszelt.

„Wäre der Glaube nicht, hätten wir wohl schon längst aufgegeben“

Steffen Schulz fand passende Worte für eine kleine Zirkus-Lady: „ ... Berge und Hügel sollten vor euch her frohlocken, mit jauchzen und alle Bäume auf dem Felde in die Hände klatschen.“ Die Taufgesellschaft ist bunt gemischt. Ob Artist, ob Dompteur, ob Alpaka, ob Hund - verpassen wollte diesen Augenblick niemand aus der Barlay-Truppe.

„Auch Gott nicht, der ist unser ständiger Begleiter“, ist sich Armando Köllner, der frischgebackene Großcousin des Taufbabys sicher. „Wäre der Glaube nicht, hätten wir wohl schon längst aufgegeben“, sind sich die Zirkusleute einig. In ihrem Metier sei es nicht leichter geworden. Es gebe viele Vorurteile bei den Menschen und „sonderbare Vorstellungen darüber, wie wir leben“, erzählt Armando Köllner.

Doch, dass sei heute nicht das Thema. Es darf gefeiert werden. Die Taufe ist ein besonderer Tag in der Zirkusfamilie. Ob Dijane eines Tages die Tradition fortsetzen wird, ist nicht gewiss. „Sie soll selbst entscheiden“, betont Mutter Sabrina. Ein selbstbestimmtes Leben wünscht sie sich für ihren Nachwuchs. Dazu noch Glück und Gesundheit. Genau wie Taufpatin Susanne Kiel.

Das Taufkind soll behütet aufwachsen und eine frohe Kindheit erleben

Dijane ist ihr erstes Patenkind. Die Gemeindepädagogin trägt die Verantwortung gern. Sie wird das Mädchen im Auge behalten, den Kontakt pflegen, wenn die Eltern es wünschen. Zirkus war auch für die junge Susanne Kiel eine besondere Welt - voller Phantasie, voller Geheimnisse, plaudert sie. Ein Kreuz aus Eichenholz, das ein Bernstein aus dem Goitzschetagebau schmückt, soll das Zirkuskind an diese Taufe erinnern. Es ist Susanne Kiels Patengeschenk mit dem sie Wünsche verbindet: Ihr Taufkind soll behütet aufwachsen und eine frohe Kindheit erleben.

Das Taufbecken ist eingepackt. Clown Charlie und seine Freunde haben die Manege wieder übernommen. Der Zirkus geht weiter. Auch bei den Barlays. (mz)