Putzen in luftiger Höhe

Putzen in luftiger Höhe: So reinigen Fassaden-Profis den Werbeturm im Outlet Brehna

Brehna - Die weiße Flüssigkeit schießt in breitem Strahl aus der Spritzpistole. Karsten Weber verteilt sie sorgfältig auf der Oberfläche. Die Alkalilösung wird direkt hier oben in der Düse gemischt. Ein langer Schlauch pumpt das nötige Wasser zu der Hebebühne ...

Von Tim Fuhse 25.01.2021, 09:12

Die weiße Flüssigkeit schießt in breitem Strahl aus der Spritzpistole. Karsten Weber verteilt sie sorgfältig auf der Oberfläche. Die Alkalilösung wird direkt hier oben in der Düse gemischt. Ein langer Schlauch pumpt das nötige Wasser zu der Hebebühne empor.

Viele Meter weit - und mehr als sonst. Auch für die Fachmänner von der halleschen Firma FassadenFix ist das hier kein gewöhnlicher Auftrag. Am Donnerstag hat das Unternehmen den Werbeturm des The Styles Outlet in Brehna gereinigt. Und dieser ragt rund 34 Meter in den Himmel.

Werbeturm ist für die Firma aus Halle nicht gerade Alltagsgeschäft

Nicht gerade Alltagsgeschäft. „Das ist für uns eher Fremdgehen, normalerweise reinigen wir Fassaden“, sagt Marketingleiter Thomas Rinke. Nun aber gilt es, den erst im April 2019 nahe der Autobahn 9 errichteten Turm von Vogeldreck zu befreien, der sich in höchster Höhe festgesetzt hat.

Ein Laster mit Hebebühne hievt die Mitarbeiter an der Seite des Werberiesen hinauf. In einem ersten Schritt wird das Reinigungsmittel aufgetragen. Danach wird es mit 80 Grad Celsius heißem Wasser abgesprüht. Am Boden fangen Planen die Chemikalienlösung wieder auf, damit sie gereinigt werden kann - laut dem Unternehmen ein besonders nachhaltiges Verfahren.

Relativ starker Wind hat die Arbeiten in luftiger Höhe erschwert

An diesem Vormittag müssen Weber und sein Kollege Fabian Geiger mit gesteigerter Vorsicht zu Werke gehen - und die Arbeit wird zunächst unterbrochen. Wie der Kran sich in dieser ungewohnten Höhe verhält, muss erst austariert werden. Auch der relativ starke Wind erschwert das Vorhaben. Schwindelfrei müssen die beiden Männer, die abwechselnd auf der Hebebühne stehen, definitiv sein. „34 Meter, das ist schon selten“, sagt Weber.

Für sie ist der Werbeturm zwar nicht der erste ungewöhnliche Auftrag - zuvor wurde etwa schon die Pyramide im Freizeitpark Belantis bei Zwenkau (Sachsen) gereinigt. Normalerweise säubert die Firma aber vor allem Häuserfassaden von Großkunden wie Wohnungsgenossenschaften. Am Fünfgeschosser gehe es da höchstens mal 18 Meter nach oben, berichtet Weber.

Unternehmen wurde vor vier Jahren gegründet und ist meist in Mittedeutschland unterwegs

Meist ist das vor rund vier Jahren gegründete Unternehmen in Mitteldeutschland unterwegs. Aber auch in Hamburg, Bayern und dem Ruhrgebiet hat die Firma bereits Aufträge angenommen - mit rund 150.000 gereinigten Quadratmetern im Jahr 2020 gehört man nach eigener Aussage zu den Marktführern in Deutschland. Der Turm des Outlets in Brehna ist nun wieder ein Heimspiel. Wegen der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Schutzmaßnahmen ist das Einkaufszentrum gerade geschlossen, zunächst bis Ende Januar. Auch der Parkplatz ist abgesperrt - freie Bahn also für die Reinigungsprofis.

Das Unternehmen selbst sieht sein Geschäft durch die Pandemie kaum getrübt. „Dadurch, dass wir keinen Kontakt haben, können wir relativ frei arbeiten“, sagt Rinke. Zwar laufe die Kommunikation mit den Auftraggebern derzeit teils etwas schleppender. Dafür sind Reinigungsarbeiten vielerorts gerade das Gebot der Stunde - um die Corona-Zwangspause produktiv zu nutzen. „Das ist etwas, was Wohnungsgenossenschaften momentan in Auftrag geben können“, weiß der Marketingleiter.

Nach Kurzarbeit im Dezember deutet sich für 2021 ein Rekordquartal an

Nachdem im Dezember noch Kurzarbeit angemeldet werden musste, läuft es für die Fassaden-Spezialisten nun umso besser. „Wir konnten unsere Umsätze steigern“, sagt Rinke. Man erlebe aktuell ein Rekordquartal. Das habe allerdings nicht nur mit der Pandemie zu tun. Ohne diese wäre man womöglich noch stärker gewachsen, meint der Hallenser. (mz)