Machtdemonstration in Raguhn

Machtdemonstration: Poggenburg steckt in Raguhn AfD-Revier ab

Raguhn - In Raguhn hat am Sonntag wieder eine "Anti-Merkel-Demo" stattgefunden: Vor 100 Teilnehmern sprach AfD-Landeschef André Poggenburg.

Es ist eine Machtdemonstration innerhalb der AfD: Nachdem Daniel Roi im parteiinternen Kampf gegen André Poggenburg viele Federn lassen musste, ist der aus dem Burgenland stammende AfD-Landes- und Fraktionsvorsitzende am Sonntagmorgen auf einer sogenannten „Anti-Merkel-Demo“ in Raguhn aufgeschlagen. Dort hat er sein Revier in der rechtspopulistischen Partei schon durch bloße Präsenz abgesteckt.

Senkrechtstarter Roi musste zuletzt Dämpfer hinnehmen

Denn die Stadt an der Mulde gehört zum einflussreichen AfD-Kreisverband Anhalt-Bitterfeld und dort hat eigentlich Daniel Roi als dessen Vorsitzender das Sagen. Der 29-jährige Landtagspolitiker galt Beobachtern bis vor geraumer Zeit als Senkrechtstarter.

Nachdem er im vergangenen Jahr den Landtagswahlkampf seiner Partei in Sachsen-Anhalt organisierte und im Wahlkreis 28 einem langjährigen CDU-Mann das Direktmandat mit 31 Prozent vor der Nase weggeschnappte, war für Roi der Weg zum Parlamentarischen Geschäftsführer seiner Fraktion - also einem sehr einflussreichen Posten - geebnet.

Offener Machtkampf mit dem "Ruf der Vernunft"

Wenig später kam es zum offenen Machtkampf, als Roi den „Ruf der Vernunft“ - ein Papier gegen die AfD-Radikalisierung - ohne das Wissen von Poggenburg in der Öffentlichkeit lancierte. Dafür kassierte der Thalheimer wenig später eine Parteirüge. Das hielt ihn nicht davon ab, den Führungsstil Poggenburgs im AfD-Landesvorstand weiter indirekt zu kritisieren.

Die Quittung folgte Ende vergangenen Jahres. In einer Kampfabstimmung verlor der bisherige Parlamentarische Geschäftsführer seinen Posten an den Juristen und Steuerberater Robert Farle (Mansfeld-Südharz). Und auch im Kreisverband kriselte es. Kurz nach dem Abstieg von der Landes- in die Kreisliga musste sich Daniel Roi gegen Rücktrittsforderungen von AfD-Mitglied Thomas Krüger wehren.

Offensichtliche Einflussnahme aus Magdeburg?

„Es ist mittlerweile offensichtlich, dass über ihn aus Richtung Magdeburg in unseren Kreisverband eingewirkt werden soll. Das ist traurige und bittere Realität“, sagte Roi bereits vor einer Woche und legte damit die Vermutung nahe, dass Poggenburg lokale Akteure instrumentalisiert, um ihm zu schaden.

Obwohl Krüger sich mit seinem Vorstoß nicht durchsetzen konnte und schlussendlich auf lokaler Ebene den Kürzeren zog, ist Roi politisch angeschlagen. Und so ist die Eröffnungsrede auf dem Raguhner Marktplatz dem AfD-Chef Poggenburg vorbehalten.

Kein Blick und kein Wort für Roi

Als er die etwas mehr als 100 Teilnehmer auf die diesjährige Bundestagswahl einschwört, beachtet er den Anhalt-Bitterfelder Kreisverbandsvorsitzenden mit keinem Blick und keinem Wort. Während Roi in seinem Abschlussstatement vor den politischen Gegnern warnt, könnten ihm - so sagen es Parteimitglieder - seine innerparteilichen Feinde in den nächsten Monaten wesentlich gefährlicher werden. (mz/dop)