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Köpfchen hoch, Brust raus ...

Greppin/MZ. - Reinhard Beldes Farbe ist: Gelb. Die hat ihm schon einiges eingebracht. Und das hat zu tun mit seinem Hobby. Der Greppiner züchtet Kanarienvögel. Was da munter singt und noch munterer in der Voliere im Garten flattert - alles intensiv ...

Von christine krüger 16.01.2013, 17:25

Reinhard Beldes Farbe ist: Gelb. Die hat ihm schon einiges eingebracht. Und das hat zu tun mit seinem Hobby. Der Greppiner züchtet Kanarienvögel. Was da munter singt und noch munterer in der Voliere im Garten flattert - alles intensiv gelb.

Mit Hähnen aus seiner Zucht ist er jetzt Deutscher Meister geworden - das heißt, von mehr als 1 000 Kanarienvögeln ist seiner der beste gewesen. Und Reinhard Belde hat mit seiner Zucht schon ganz andere Preise eingeheimst, er war unter anderem Dritter bei Europameisterschaften geworden und Vizelandesmeister.

Fast immer sind es die Hähne, die Preise einfahren. Das ist nicht ungewöhnlich. Sie sind kräftiger und sie können sich einfach besser in Szene setzen: Köpfchen hoch, Brust raus - so einfach ist das. Offenbar ist was dran an der Redewendung vom stolzen Hahn.

Viele Urkunden und Plaketten zieren Beldes kleines Vogel-Reich, das er sich im Anbau seines Hauses in Greppin geschaffen hat. Hier sind die Hähne und Hennen, die sich paaren und die nächsten Meister ausbrüten sollen, in 18 geräumigen Käfigen quasi in Zwangsehe untergebracht. Und hier in seinem Reich sitzt er selbst ganz oft zurückgelehnt im Sessel, das ist dann ein bisschen wie Urlaub, auf den er wegen seinem Hobby sonst verzichtet. Hier sitzt er dann also und guckt und sinniert und lauscht dem Gesang seiner Lieblinge. Denn Kanarien singen, sie zwitschern nicht nur.

Die anderen Vögel, die jetzt nicht zur Zucht gebraucht werden, sind draußen in einer großen Voliere. Denn es taugen dafür nur bestimmte Tiere - nur die mit den allerbesten Eigenschaften. Und auch da darf nicht jeder, sondern nur die, die im Vorjahr geschlüpft sind. Dass zweimal der selbe Vogel unter den Augen der Wertungsrichter sitzt, das ist so ausgeschlossen. Und trotzdem, sagt Belde, liegt es nicht nur allein in der Natur. "Man muss auch ein Stückchen Glück haben." Und natürlich Geduld. Allein auf seinen jetzigen Deutschen Meister hat er sechs Jahre hingearbeitet. "Und wenn der plötzlich keine Lust hat und bei der Begutachtung durchhängt, dann hat man Pech", berichtet er. Er kennt nämlich auch sowas.

Schon als Kind war Reinhard Belde fasziniert von den kleinen Sängern. In der Straße, in der er wohnte, züchtete jemand diese Vögel. "Da war ich oft und habe dann auch angefangen mit den Kanarienvögeln. Aber damals habe ich alles durcheinander gezüchtet", blickt er zurück. Das änderte sich, als er Jahre später in Greppin - dem Zufall sei Dank - wieder in seiner Straße auf den Züchter Bernd Rahms stieß. Der nahm ihn mit zum Kanarienverein Bitterfeld. Seitdem macht Belde das ganze unter einem neuen Aspekt - professioneller, erfolgreicher.

Denn zur Vereinsarbeit gehören Erfahrungsaustausch, Vorträge, Fachsimpelei, das Ausrichten von Ausstellungen und anderes mehr. Und richtig dolle Unterstützung kriegt er von seiner Enkelin und seinem Zuchtfreund Stefan Kühnel aus Reuden. Außerdem, sagt er, öffnete die Wende vor über 20 Jahren auch hier Türen. "Plötzlich konnten wir auch Vögel von Weltmeistern kaufen. Wir sind als kleine Sparte sehr gut. Wir stehen im Land gut da und deutschlandweit sind wir auch nicht die schlechtesten."

Jetzt ist die Zeit wieder ran, in der die Kanarien ihre Nester bauen. Dazu hängt der Züchter ihnen Schälchen an die Käfige, die aussehen wie kleine Küchensiebe. Dann polstern sie die emsig aus, legen ihre Eier rein und brüten. Nach 13 bis 16 Tagen sind die Eierschalen kaputt und die Jungen im Nest. Und dann beginnt die Suche nach dem künftigen Meister der Kanarienvögel wieder von vorn.