Kampf um attraktive Innenstädte

Kampf um attraktive Innenstädte: Bitterfeld-Wolfen geht mit City-Managerin neue Wege

Bitterfeld - Eine City-Managerin soll nun helfen, die Stadtzentren attraktiver zu machen. Doch welche Möglichkeiten hat sie dafür?

Von Frank Czerwonn

Die Klage über die fehlende Attraktivität der Innenstädte von Bitterfeld und Wolfen ist nicht neu - aber sie wird auch nicht leiser. Zu wenige attraktive Geschäfte, schlechte Ausschilderung für Auswärtige, Mangel an Parkplätzen und fehlende Attraktionen auch an Wochenenden sind ein Dauerthema.

Nun hat die Stadtverwaltung einen neuen Versuch gestartet, um die Situation zu verbessern. Seit einer Weile gibt es den Posten einer City-Managerin, den Beate Lange übernommen hat. Die 36-jährige Bitterfelderin soll das Bindeglied zwischen Händlern, Hauseigentümern und Stadtverwaltung sein.

Lange macht sich keine Illusionen und kennt die Ausgangslage gut: „Die Attraktivität der Stadt für die Bürger ist verloren gegangen“, sagt sie. Das große Ziel sei, dass die Einwohner wieder Gründe haben, um die Innenstädte besonders von Bitterfeld und Wolfen häufiger zu besuchen.

Geschäfte und ihre Angebote sowie Aktionen und Veranstaltungen im Fokus

Denn hier sollte der Puls der Stadt schlagen. Vor allem zwei Schwerpunkte sieht die City-Managerin dabei: Einerseits sollen die Geschäfte und ihre Angebote die Leute anlocken, damit sie hier einkaufen. Und andererseits brauche man Aktionen und Veranstaltungen, um die Innenstädte zu beleben. „Die Frühlingsmärkte, die wir in Bitterfeld und Wolfen durchgeführt haben, sind dafür ein gutes Beispiel.“

Damit liegt sie durchaus auf der Linie beispielsweise des Bitterfelder Innenstadtvereins, der ebenfalls fordert, dass mehr Veranstaltungen auf dem Marktplatz stattfinden sollen. Die Händler der Stadt sind denn auch der erste Ansprechpartner für die City-Managerin. In den vergangenen Wochen ist sie viel unterwegs gewesen, um sich vorzustellen.

„Erstmal müssen die Geschäftsleute ja wissen, dass es diese Stelle gibt und dass sie sich an mich mit ihren Fragen und Nöten wenden können.“ Denn es geht lange nicht nur um den großen Wurf. Die Verbesserung der Attraktivität beginne oft im Kleinen. „Ein Händler klagte über wucherndes Unkraut vor seinem Geschäft, ein anderer hatte Fragen zur Fassadengestaltung.“ Hier schnelle Hilfe zu bieten, zu beraten beziehungsweise die richtigen Ansprechpartner zusammenzubringen, gehöre zu ihren Aufgaben.

„Ich habe bislang nur positive Reaktionen bekommen“

Offenbar kommt das an. „Ich habe bislang nur positive Reaktionen bekommen“, erzählt sie. Und scheint sich bewusst zu sein, dass eine Verbesserung der Situation nur gelingen kann, wenn man zusammenarbeitet und an einem Strang zieht. Deshalb bietet die Stadt auch Hilfe an - beispielsweise bei der Nachfolgersuche von Geschäftsinhabern, bei der Neuvermietung leer stehender Geschäftsräume oder bei der Vermarktung über die Onlineplattform „Online City“ von Atalanda.

„Hier machen leider noch viel zu wenige Händler mit und nur einer bietet tatsächlich auch Produkte über die Seite zum Kauf an.“ Da sei noch viel Luft nach oben.

Natürlich läge es letztlich an den Hauseigentümern, an wen sie Geschäftsräume vermieten. „Aber ein weiterer Handy-Anbieter oder noch eine Krankenkasse sind vielleicht nicht die geeignetsten Angebote, um das Gebiet rund um den Markt aufzuwerten.“ Lange soll deshalb auch mit den Hauseigentümern Kontakte knüpfen und nach gemeinsamen Lösungen zum Wohle der Stadt suchen.

City-Managerin sei kein Job wie jeder andere

Darum ist sie auch für die Betreuung der Immobilienbörse der Stadt zuständig. Auf der städtischen Seite der Job- und Immobilienbörse könnten einheimische Händler ihre Stellenanzeigen kostenlos platzieren.

Bei ihrer Arbeit dürfte der 36-Jährigen ihre Ausbildung als Kauffrau im Groß- und Außenhandel zugute kommen. Und auch mit moderner Technik kennt sich die Mutter von zwei Söhnen gut aus: Vor ihrem neuen Job im Stab Wirtschaftsförderung war sie in einem Dienstleistungsunternehmen der Deutschen Bank in der Datenverarbeitung tätig. City-Managerin sei kein Job wie jeder andere. „Ich kenne Bitterfeld-Wolfen gut, ich lebe seit langem hier. Und die Entwicklung der Stadt liegt mir wirklich am Herzen.“ (mz)

Seit einigen Jahren setzen immer mehr Kommunen auf City-Manager, um der drohenden Verödung der Innenstädte zu begegnen.

Zu ihren Aufgaben gehören die Belebung der Innenstadt, Kommunikation und Kooperation, Image und Profilierung sowie die Zufriedenheit der innerstädtischen Kunden. City-Manager gibt es beispielsweise in Halle und Naumburg. Merseburg hat diese Stelle wieder abgeschafft.