Filmtage Wolfen

Filmtage Wolfen: Filme aus der Anfangszeit von DDR und Defa

Wolfen - Mit dem Streifen „Die Mörder sind unter uns“ beginnen am 6. September im Industrie- und Filmmuseum die sechsten Wolfener Filmtage. Im Mittelpunkt stehen Klassiker aus den Anfangsjahren der Defa, die zwischen 1946 und 1952 Premiere ...

Von Christine Färber

Mit dem Streifen „Die Mörder sind unter uns“ beginnen am 6. September im Industrie- und Filmmuseum die sechsten Wolfener Filmtage. Im Mittelpunkt stehen Klassiker aus den Anfangsjahren der Defa, die zwischen 1946 und 1952 Premiere hatten.

Gezeigt werden bis zum Abschluss der Filmtage am 10. September „Die Jungen vom Kranichsee“ (7. September, 10 Uhr), „Ehe im Schatten“ (7. September, 18.30 Uhr), „Blaue Wimpel im Sommerwind“ (8. September, 9.30 Uhr), „Bürgermeister Anna“ (8. September, 18.30 Uhr), „Der Kahn der fröhlichen Leute“ (9. September, 18.30 Uhr), „Der Rat der Götter“, (10. September, 11 Uhr).

Filmhistoriker und Historiker sollen die Filme und deren Inhalte einordnen

Gesprächspartner vom Initiator der Reihe, dem Literaturwissenschaftler Paul Werner Wagner, sind diesmal vor allem Filmhistoriker und Historiker.

Denn aus der Entstehungszeit dieser Filme lebt heute so gut wie kaum noch jemand. Doch sei es der Wunsch des Stammpublikums gewesen, so Wagner, Filme aus den Anfangsjahren der Defa-Produktion zu sehen.

Er findet diesen Wunsch nicht ungewöhnlich. „Das Publikum kennt zum Teil die Streifen über die Anfänge der DDR, den Aufbauenthusiasmus. Und für viele ist Erinnern auch eine Wiederbegegnung mit den Filmen“, sagt er. Wagner selbst freut sich auf den Streifen „Bürgermeister Anna“, der nach einem Theaterstück von Friedrich Wolf entstand.

Junge Leute sollen Zugang zu den Defa-Produktionen dieser Zeit bekommen

Im Mittelpunkt steht die junge Anna, ursprünglich Sekretärin des Bürgermeisters, die nach dem Krieg plötzlich selbst Bürgermeisterin in ihrem Dorf wird. Sie muss sich gegen einige Einwohner ganz schön behaupten. Viele - auch ihr Freund - können nicht akzeptieren, dass eine Frau ein solches Amt ausübt.

„Wolf hat ja immer starke Frauen thematisiert. Der Film fängt das Leben nach dem Krieg so wunderbar ein, das ist so eine besondere Geschichte. Ich finde ihn einfach bemerkenswert“, sagt Wagner.

Wichtig ist ihm, dass auch junge Leute einen Zugang über diese Filme zu dieser Zeit bekommen. Deshalb hält er in den beiden Gymnasien des Altlandkreises für die Schüler eine historische Einführung zu der Veranstaltung. Denn Produktionen wie diese, davon ist er überzeugt, können historisches Interesse wecken.

Die eigene Erinnerung hinterfragen und den Bogen zum Heute schlagen

„Es geht mir stets darum, den Film im Spiegel der Geschichte zu sehen. Ich ermutige die Schüler deshalb auch immer, ihre Großeltern und Urgroßeltern zu befragen nach dem, was war.“ Letztlich gehe es ja darum, sich zu erinnern, die eigene Erinnerung zu hinterfragen und den Bogen zum Heute zu schlagen, so Paul Werner Wagner.

Besonders ans Herz legen will er dem Publikum „Rat der Götter“ von Kurt Maetzig (Regie) sowie Friedrich Wolf und Philipp Gecht (Drehbuch) - weil er die Verstrickung der IG Farben, für die die Filmfabrik Leitbetrieb der so genannten Sparte III (Fotografika, Kunstseide, Riechstoffe) war, in Rüstungsproduktion und Giftgasherstellung thematisiert.

Zum Gespräch wird Rainer Karlsch ins Ifm kommen, der zusammen mit Paul Werner Wagner im gemeinsamen Buch „Die Agfa-Orwo-Story“ die Entwicklung der Filmfabrik Wolfen beleuchtet hat.

„Es ist ein Glück, dass der Verein Ifm und das Museum selbst so hinter dem Projekt stehen“, sagt er. „Ohne Partner würde es nicht laufen.“ Hauptsponsor übrigens ist die Rosa-Luxemburg-Stiftung. (mz/chf)