Etwas anstoßen

Etwas anstoßen: Der neue Chef des TGZ in Bitterfeld hat jetzt wenig freie Zeit

Wolfen - Die Zeit für die Familie und die Freunde ist für Steve Bruder kürzer geworden. Spürbar sogar. Denn der Wirtschaftsförderer der Stadt Bitterfeld-Wolfen hat eine gehörige Portion Arbeit dazugekriegt: Seit Januar ist er nun auch noch Chef des stadteigenen Technologie- und Gründerzentrums (TGZ) ...

Von Christine Färber

Die Zeit für die Familie und die Freunde ist für Steve Bruder kürzer geworden. Spürbar sogar. Denn der Wirtschaftsförderer der Stadt Bitterfeld-Wolfen hat eine gehörige Portion Arbeit dazugekriegt: Seit Januar ist er nun auch noch Chef des stadteigenen Technologie- und Gründerzentrums (TGZ) Bitterfeld-Wolfen.

Der Diplombetriebswirt hat so die Aufgaben der bisherigen TGZ-Doppelspitze Fred Walkow und Max Fuhr auf seinem Tisch. Das Ziel der Stadt ist klar: Die zusammengehörenden Themen Förderung von Wirtschaft und Starthilfe für junge Unternehmen enger zu verknüpfen. „Das ist schon eine deutliche Umgewöhnung“, sagt er.

„Aber das wusste ich vorher. Und ich habe es ja auch gewollt.“ Er versuche, dennoch alles auch mit weniger Freizeit auf die Reihe zu kriegen: die Hobbys der Kinder wie Fußball und Ballett, die Ausflüge mit der Familie, die Treffen mit den Freunden etc.

Drei Viertel seiner Arbeitszeit widmet sich Steve Bruder jetzt dem TGZ

Der 38-Jährige vergisst nicht zu erwähnen, dass die neue Situation freilich auch für sein Team in der Stabsstelle Wirtschaftsförderung der Stadt den Stress vergrößert hat. „Und natürlich trifft das auch für die Mitarbeiter hier, im TGZ, zu“, sagt er, „ich hinterfrage vieles, organisiere im alltäglichen Ablauf einiges um.“

Wohl wissend, wie wesentlich und für manchen Investor auch ausschlaggebend diese Einrichtung ist, legt er sich ganz ins Zeug. Drei Viertel seiner Arbeitszeit widmet er jetzt dem TGZ. Sein erklärtes Ziel ist, sagt er, mit dem Chemiepark als starker Kooperationspartner weitere Start-ups für den Standort zu interessieren und mit den bestehenden Möglichkeiten zu fördern. Nicht irgendwelche freilich, sondern solche, die mit ihrer Technologie und ihrer chemiebasierten Produktion in die Zukunft weisen.

Da spielen Themen eine Rolle wie Energiespeicherung, Beschichtung. Auch Fachkräfte-Gewinnung. „Das Interesse der Wirtschaft am TGZ ist sehr groß“, sagt Bruder. „Und wir haben einiges zu bieten, was vielen fehlt.“ Das sind komplett eingerichtete Labore zum Beispiel, für den gesamten Standort liegen die Genehmigungen nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (Bimsch) vor, das Schülerlabor ist da und bietet so viele Chancen, junge Leute zusammen mit Unternehmern an die Praxis heranzuführen.

Das UHU-Gebäude will Bruder so schnell es geht verkaufen

Und: Noch viel Platz ist frei - mit rund 40 Prozent eigentlich zu viel. Aber das soll sich ändern. Das UHU-Gebäude beispielsweise, das wie ein Klotz am Bein des TGZ hängt, will Bruder so schnell es geht, verkaufen. Denn letztlich müssen auch die Kosten gesenkt werden, mit der die Einrichtung für die Stadt zu Buche schlägt. „Aber ich will nicht Vermieter sein, sondern Entwickler, einer, der was anstößt.“

Denn das sei letztlich der Sinn: Die Interessen der etablierten Wirtschaft mit denen der Gründer zu verknüpfen, so dass sich neue Firmen niederlassen, weil sie das passende Umfeld vorfinden. Schon jetzt kämen für die Stadt Anfragen junger Firmen, die sich Leipzig nicht leisten können. „Davon profitieren wir.“

Steve Bruder, der gebürtige Hallenser, ist aus Berlin nach Wolfen gezogen. Und das ganz bewusst. „Berlin ist eine super Stadt - für Studenten, für junge Leute. Aber für Familien mit kleinen Kindern fanden meine Frau und ich es hier besser. Wo auch unsere Familien wohnen.“ Anfangs, klar, meint er, sei der Wechsel schwierig gewesen. „Aber nur kurze Zeit. Ich fühle mich hier wohl und würde nicht wegwollen“, sagt Bruder. Und bei Lichte betrachtet: Die Autobahn liegt vor der Nase und Berlin ist so doch ganz nahe ... (mz)