Die Miniwelt der bewegten Puppen

WOLFEN/MZ. - Ein Metallgerüst, das, versehen mit Holzteilen und kunstvoll gearbeiteten Puppenkleidern, den Körper darstellt. Die Hauptfigur des Animationsfilms ist zerlegt in ihre Einzelteile.

Von CHRISTINE KRÜGER 29.01.2009, 17:09

Ein Metallgerüst, das, versehen mit Holzteilen und kunstvoll gearbeiteten Puppenkleidern, den Körper darstellt. Die Hauptfigur des Animationsfilms ist zerlegt in ihre Einzelteile.

Zu sehen ist das kleine Kunstwerk neben vielen anderen ab dem 5. Februar im Industrie- und Filmmuseum (Ifm) Wolfen. Hier läuft die Ausstellung "Puppen im Film". Sie ermöglicht einen Blick in die Arbeit der Animatoren, derer, die gezeichnete Figuren, Schattenrisse oder eben Puppen im Trickfilm zum Leben erwecken. Und das muss gekonnt sein, denn das ist eine Kunst. Angela Klemm lacht. Die Animatorin sagt: "Die Seele - die gibt ihm der, der die Figur spielt."

Sie selbst hat das viele Jahre lang nach ihrem Studium an der Filmhochschule Babelsberg als Mitarbeiterin beim Defa-Studio für Trickfilme in Dresden gemacht. "Die Trickfilmfigur kann alles", sagt Angela Klemm begeistert. "Das ist der Reiz. Und wenn man sein Handwerk beherrscht, ist das auch ein Spiel." So leicht sieht das aus, so einfach. Doch das ist es nicht. Eine Sekunde fertiger Film besteht aus 24 einzelnen Bildern. Das heißt, die Puppe muss 24 Mal bewegt werden. Natürlich nicht irgendwie, die Bewegung muss fließen, der Mantel muss im Winde wehen, das Kleid muss beim Schreiten Falten werfen, ja, den Rock muss man förmlich rascheln hören. Dazu werden kleine Drähte in den Puppenkleidern gebogen und gestreckt, wieder gebogen und wieder gestreckt.

Ein Animator, sagt Angela Klemm, braucht im Studio für 20 Minuten Film fast ein Jahr Zeit. Als ehemalige Mitarbeiterin des Teams des Dresdner Trickfilmstudios sagt die Animatorin: "Schön, dass es das mal gab." Und sie meint damit die künstlerische Arbeit, die Kollegen und die kreative Zusammenarbeit dort - all der Streit um das beste Resultat und all den Spaß, den es dabei gab. Das 1955 gegründete Studio, in dem viele Animationsfilme entstanden, mit denen hierzulande ganze Generationen groß geworden sind, musste 1992 schließen. "250 Mitarbeiter - das kann sich keiner mehr leisten", erklärt sie. Ein Jahr später ging daraus das Deutsche Institut für Animationsfilm hervor, in dem Angela Klemm heute beschäftigt ist. "Ich habe so viele Figuren gespielt", blickt sie zurück während sie die Vitrinen mit den Puppen bestückt. "Und ich habe ja heute noch mit den Dingen zu tun. Ich nehme nicht mehr auf, ich stelle auf."

In zwölf großen Schaukästen sind die kleinen Kunstwerke zu sehen. Da sind "Der Wunderdoktor" und "Des Teufels ruß'ger Gesell", "Das Myrtenfräulein" und "Anton der Musikant" und viele andere Figuren, die so manches Kind und Erwachsenen in Kino oder Fernsehen fasziniert haben. Knapp 30 Zentimeter groß, wandelten sie einst durch die Phantasiewelt, die die Filmemacher sich erdacht haben, durch die liebevoll angefertigten Kulissen. Erlebt haben sie da so einiges, immerhin sind sie rund 55 Jahre alt. Und dabei faszinierend schön.