Der berühmte Sohn

Der berühmte Sohn: Elternhaus des Malers Gerhard Hoehme steht in Greppin

Greppin - Dort wird sein 100.Geburtstag jetzt groß gefeiert. Kaum jemand ahnt, wie bedeutend er war.

Von Silke Ungefroren

Welcher bekannte Künstler seine Wurzeln in Greppin hatte, ahnte dort wohl bis vor wenigen Wochen kaum jemand. Natürlich, dass Gerhard Hoehme ein namhafter Maler und Mitbegründer der informellen Kunst war, der am 5. Februar 1920 in Greppin geboren wurde, das war bekannt.

Und das nicht erst seit dem 625. Jahrestag der Ersterwähnung des Ortes vor fünf Jahren. Aber aus diesem Anlass hatte der Heimatverein Greppin eine Broschüre über Ehrenbürger und andere bedeutende Persönlichkeiten herausgebracht.

„Wir haben dort auch einiges über Gerhard Hoehme zusammengetragen“, erzählt Vereinsvorsitzender Joachim Sabiniarz. „Geholfen haben uns die Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle, wo er einige Zeit studiert hat, und die Hoehme-Stiftung.“ Neben Foto und Lebenslauf des Künstlers sowie einem Abriss über Stationen seines Schaffens findet sich in den geschichtlichen Blättern auch eine Abbildung seines Elternhauses. Das steht noch heute in der Ernst-Thälmann-Straße 50 - damals war es die Wachtendorfer Straße 30.

Gedenkplakette für Gerhard Hoehme zum 100. Geburtstag

Und eben an diesem Haus soll es am 7. Februar anlässlich des 100. Geburtstages von Gerhard Hoehme nun großen Bahnhof geben. „Wir werden dort eine Gedenkplakette anbringen“, sagt der Vereinschef. „Entworfen ist sie schon.“ Doch an jenem Freitag soll noch einiges mehr passieren, um den berühmten Sohn des Ortes zu ehren.

Initiiert wurde das Ganze von Henry C. Brinker, der mit seiner Agentur Brinkermedia renommierte Veranstaltungen im Kultur- und Medienbereich organisiert. Im vorigen Herbst hatte er über Bitterfeld-Wolfens Oberbürgermeister den Kontakt nach Greppin gesucht und gefunden.

„Gerhard Hoehme hat die Kunstszene in der damaligen Bundesrepublik maßgeblich mitbestimmt“, berichtet Brinker. „Er war auch der Lehrer von Gerhard Richter, einer der höchstbezahltesten Künstler der Welt.“ Dass Hoehme in dieser Szene im Osten des Landes eher unbekannt war, habe daran gelegen, dass die informelle Malerei hier nicht den Rang gehabt habe wie im Westen.

Gerhard Hoehme wuchs mit seinen Eltern und Geschwistern in Greppin auf

Brinker, der selbst in der Kulturszene einen Namen hat und unter anderem Marketing-Direktor bei der Dresdener Semperoper und bei der Elbphilharmonie Hamburg war, verehrt Hoehme, besitzt auch Werke von ihm. Der Künstler habe mit seinen Hauptwerken, die übrigens hochdotiert sind, eine bedeutende Rolle für die Entwicklung der Kunst gespielt. Und es sei auch bedeutend für Greppin, sagt er, dass jemand wie Hoehme, der internationale Karriere gemacht hat, seine Wurzeln dort hat.

Gerhard Hoehme wuchs mit seinen Eltern und Geschwistern in Greppin auf, besuchte dort die Evangelische Volksschule. Im Zweiten Weltkrieg war er als Jagdflieger eingesetzt, später begann er das Studium an der Burg Giebichenstein, um 1952 nach Düsseldorf zu gehen und an der dortigen Kunstakademie sein Studium fortzusetzen. Im Rheinland begann auch seine erfolgreiche Karriere. Hoehme starb am 29. Juni 1989 in Neuss. Seine Witwe Margarete (1922-2010) gründete 1998 die Gerhard und Margarete Hoehme-Stiftung in Düsseldorf. Und jene wird dort natürlich auch den 100. Geburtstag des Künstlers würdig begehen.

OB Armin Schenk (CDU) übernahm die Schirmherrschaft

Die Idee Brinkers, das auch in Greppin zu tun, stieß nicht nur dort sofort auf offene Ohren. Auch die Stadt wurde mit ins Boot geholt, OB Armin Schenk (CDU) übernahm die Schirmherrschaft. Und Sabiniarz und seine Mannschaft sind bereits aktiv. „Wir haben einiges vorbereitet und am Laufen“, sagt er.

Brinkers indes fand Sponsoren, unter anderem die Bayer GmbH, damit etliches geboten werden kann - mit LED-Kunst-Show und Podiumsgespräch. Dazu will er mit Kunsthistoriker Gottfried Böhm aus Basel auch einen Weggefährten und Freund Hoehmes mitbringen. Und zur 2. Kunst- und Kulturwoche im September soll in Greppin eine Ausstellung von Hoehme mit Leihgaben der Berliner Galerie Maaß gestaltet werden. „Damit auch die Menschen hier mit seinem Schaffen vertraut werden.“ (mz)

Aus Anlass des 100. Geburtstages von Gerhard Hoehme soll an dessen Elternhaus in der Greppiner Ernst-Thälmann-Straße 50 am Freitag, 7. Februar, um 16.30 Uhr eine Gedenkplakette angebracht werden. Danach geht es Richtung Turnhalle, wo gegen 17.30 Uhr eine große LED-Show starten soll. Erwartet werden dazu viele Kinder, um die Fassade mit Leuchtbändern erstrahlen zu sehen. Für sie gibt es auch ein Geschenk.

18.30 Uhr beginnt im John-Schehr-Saal ein Podiumsgespräch mit Kunsthistoriker Gottfried Böhm - ein persönlicher Freund Hoehmes.

Bei der Gestaltung des Abends auf dem Gelände wollen sich auch andere Akteure wie der Jugendclub und Kulturbotschafter Ronny Claus einbringen. Für Gegrilltes, Getränke, Musik und Unterhaltung soll ebenfalls gesorgt werden.