Bitterfeld-Wolfen

Bitterfeld-Wolfen: Ein Porträt zeigt die schönsten Seiten der Stadt

Bitterfeld - Ehrlich: Es ist die helle Freude, sich dieses Buch über Bitterfeld-Wolfen anzuschauen. Denn da ist einer mit der Kamera unterwegs gewesen, der mit freundlichem Blick die schönen Orte der Stadt im Bild festgehalten hat. Komm mit, scheint Fotograf Uwe Jacobshagen damit zu ...

Von Christine Färber 05.02.2016, 18:09

Ehrlich: Es ist die helle Freude, sich dieses Buch über Bitterfeld-Wolfen anzuschauen. Denn da ist einer mit der Kamera unterwegs gewesen, der mit freundlichem Blick die schönen Orte der Stadt im Bild festgehalten hat. Komm mit, scheint Fotograf Uwe Jacobshagen damit zu fordern.

Uwe Jacobshagen ist seit gut 30 Jahren Fotograf. Er wurde 1963 in Halle geboren und lebt und wirkt auch dort. Seine Arbeiten wurden in zahlreichen Ausstellungen in Deutschland, Europa und Amerika gezeigt und publiziert. Entstanden sind auch mehrere Bildbände. Jacobshagen ist Werkstattleiter Fotografie an der Hochschule Dessau. Er hat im vergangenen Jahr in der Galerie am Ratswall seine Fotoserie „Coltelli - Messergeschichten aus Italien“ gezeigt.

Man könnte es glatt eine Liebeserklärung nennen. Und das sollte es irgendwie auch werden, wie der Hallenser sagt. Denn der Mann hat eine „kleine historische Beziehung zu Bitterfeld“ - aus DDR-Zeiten, wie er fröhlich zugibt. Und jetzt zu sehen, wie sich die Stadt entwickelt hat, sagt er, das habe ihn schon erstaunt.

Auf diese, die Sonnenseite, die positive Wandlung, legt er den Focus. Jacobshagen hat sein Buch mit dem Titel „Bitterfeld-Wolfen - eine Stadt verändert ihr Gesicht“, das im Mitteldeutschen Verlag erschienen ist, jetzt vorgelegt.

Dieses Gesicht hat sich bekanntlich in den zurückliegenden 25 Jahren erheblich verändert. Die große Wunde, die die Kohlebagger der Landschaft zugefügt haben, hat sich geschlossen. Eine saubere, moderne Industrie ist an die Stelle von der getreten, die Bitterfeld einst den Ruf als schmutzigste Stadt Europas eingebracht hat.

Das alles zeigt Jacobshagen im Bild und ergänzt es durch Auskünfte und große Porträtaufnahmen von Leuten, die in Bitterfeld heimisch sind: Die, die schon immer hier leben. Die, die zugezogen sind. Und die, die von außen einen Blick auf die Stadt werfen und sich ein Urteil bilden können, weil sie hier arbeiten. So zum Beispiel Chemiepark-Geschäftsführer Michael Polk, der aus dem Ruhrgebiet stammt und seit 2002 im Chemiepark arbeitet. „Wenn man sich überlegt, wie viele Metamorphosen der Standort in den letzten Jahrzehnten durchlebt hat, kann sich der momentane Status absolut sehen lassen“, sagt er. Den Geschäftspartnern zeigt er gern die Gegend mit ihrer Landschaftskunst. Und nach anfänglicher Skepsis, sagt er, seien sie durchaus begeistert. „So verschwinden langsam die alten Klischees aus den Köpfen.“

Das unterstreichen Jacobshagens Bilder auf ihre Weise: Bayer, Heraeus, Solar-Valley, die Goitzsche in all ihren Facetten, die wunderschöne sanierte Werkssiedlung in Wolfen, die moderne Industriearchitektur und das, was von der alten geblieben ist und liebevoll saniert an das erinnert, was war. Jacobshagen weiß, wovon er spricht. Früher hat der Berufsfotograf seine Filme aus Wolfen geholt und sich bei jeder Fahrt zur Filmfabrik so ein Bild von der Gegend machen können.

Auffallend ist: Die Landschaftsfotos sind fast alle menschenleer. „Ich erzähle die Geschichten, die man gar nicht mehr wahrnimmt“, hat er mal gesagt. Und die entstehen wieder in der Erinnerung oder neu in der Phantasie. Wie eben hier. Jacobshagens Fotografien treten auf ihre Weise mit dem Gegenüber in einen Dialog. Bilder, die das schaffen, sind für ihn gute Bilder.

Keramikerin Christa Rötting, die schon als ganz junge Frau nach dem Studium in Halle hierher kam, ist dieser Stadt immer treu geblieben. Auch in den dreckigsten Zeiten. Heute gefällt es ihr umso besser. Obwohl sie auch die Nachteile, die der Zusammenschluss von Bitterfeld und Wolfen mit sich bringt, benennt. Trotzdem: „Mir gefällt der Zusammenhalt der Leute in den Vereinen. Ich fühle mich in Bitterfeld sehr wohl. Es passiert immer etwas und man kann sich überall einbringen.“

Mit Jacobshagens Kamerablick auch die verschwiegenen Orte zu sehen, macht klar, dass es neben all dem fröhlichen Trubel an der Goitzsche und dem ernsthaften Produzieren im Chemiepark hier auch noch etwas gibt, wo man die Seele baumeln lassen kann: Die kleine Wehrkirche Holzweißig, der Greppiner Lindenplatz, der Staudengarten vor der Bernstein-Villa, die grüne Lunge mit dem Lutherhaus, ja, sogar der Nordpark in Wolfen - alles das sind solche kleinen, leisen, beschaulichen Orte mitten in der Stadt, die Uwe Jacobshagen aus ungewöhnlichem Blickwinkel aufgenommen hat. Solche, die man als Einheimischer wahrscheinlich noch nie so gesehen hat. Das freut den Fotografen und lachend sagt er: „Wenn die Leute ihre Stadt jetzt vielleicht mit neuen Augen betrachten, ist das toll. Mehr kann ich nicht erwarten.“

Das Buch jedenfalls lädt ein, sich auf die Strümpfe zu machen und die Stadt mit ihren sechs Ortschaften in aller Ruhe neu zu entdecken.

Der Hallenser übrigens ist kein Unbekannter hier. Im vergangenen Jahr hat er in der Galerie am Ratswall seine spannende Fotoserie „Coltelli - Messergeschichten aus Italien“ gezeigt. (mz)