Herbstwetter

Bis zu 40 Liter pro Quadratmeter am Tag: Wo kommt der ganze Regen über Anhalt-Bitterfeld plötzlich her?

Von Frank Czerwonn 05.11.2021, 16:31 • Aktualisiert: 05.11.2021, 16:35
Schirme boten am Donnerstag nur bedingt Schutz.
Schirme boten am Donnerstag nur bedingt Schutz. (Foto: André Kehrer)

Bitterfeld/MZ - Heftige Regengüsse überziehen seit Donnerstagmorgen den Landkreis Anhalt-Bitterfeld. Schuld, so verkündeten es beispielsweise die Wetteransager im Radio, sei feucht-warme Luft aus dem Süden. Doch wieso bringt sie so große Wassermassen mit und weshalb liegen dann in unserer Region die Temperaturen trotzdem im einstelligen Bereich?

Diplommeteorologe Henry Geyer vom Deutschen Wetterdienst in Leipzig erklärt das Phänomen. „Das Wetter spielt sich ja nicht nur in Bodennähe ab, sondern auch in der Höhe bis zu zehn Kilometern.“ Und die warme Luft, die am Donnerstag vom Alpenraum heranzog, sei eben in drei Kilometern Höhe in die Region eingeflossen - was am Boden nicht zu spürbarer Erwärmung führe.

Diese sogenannte 5b-Wetterlage kennt man aus dem Sommer

Es handle sich um ein kleines Tief mit sehr feuchter Luft. Diese sogenannte 5b-Wetterlage kenne man aus dem Sommer, wo sie häufig zu Hochwasserlagen führe. „Denn dann ist die von Süden kommende Luft zudem labil und bringt eingelagerte Gewitter mit“, erklärt Geyer. „So dramatisch ist das jetzt im Spätherbst aber nicht mehr.“

Diese warme Luft treffe auf die kühle Luft am Boden. Dadurch komme es zu den Regengüssen mit vier bis fünf Litern pro Stunde. „Das ist ein richtiger kräftiger Landregen.“ Verstärkt wird die unangenehme Wirkung für Passanten durch kräftigen, böigen Wind aus Nordwest. Dieses Tief zog Donnerstag von Nordsachsen Richtung Norden und lag gegen Mittag mit seinem Kern schon über Mecklenburg.

Die Temperaturen bleiben am Freitag auch nach dem Regen recht kühl

Auf seiner Rückseite, so Geyer, fließt Meeresluft von der Nordsee her in den Landkreis. Deshalb müsse man bis in die Vormittagsstunden des Freitags noch mit Regen rechnen. Bis zum Morgen, so schätzt er, werden innerhalb von 24 Stunden 30 bis 40 Liter pro Quadratmeter gefallen sein.

Die Temperaturen bleiben am Freitag auch nach dem Regen recht kühl. Sie liegen zwischen sechs und acht Grad. „Nur wenn die Sonne durchkommt, kann das Thermometer örtlich auf zehn Grad steigen.“ Der Wind drehe allmählich auf westliche Richtung.