Ein Reich aus Regalen in Raguhn

Bibliothekarin Gabriele Rathgeber denkt auch nach fast 40 Jahren nicht ans Aufhören.

Von Andrea Dittmar
Gabriele Rathgeber liest selbst gern: am liebsten historische Romane und Märchen.
Gabriele Rathgeber liest selbst gern: am liebsten historische Romane und Märchen. Foto: André Kehrer

Raguhn/MZ - Auch eine Bibliothekarin macht mal Lesepause: „Gerade sind auf meinem Stapel eigentlich nur Zeitschriften“, sagt die Raguhnerin. Doch in ihrer täglichen Arbeit ist sie von abertausenden Seiten umgeben. Denn schon seit 1984 sorgt sie dafür, dass die Einwohner ihren Lesestoff bekommen.

Dabei hat sie den Beruf nicht gelernt, sondern war zehn Jahre im Elektroanlagenbau tätig. Dann ging die Bibliotheksleiterin des Betriebs in Rente - und Gabriele Rathgeber bewarb sich. „Ich habe immer gern gelesen. Und mein Mann hat mir geraten, dass ich es machen soll. Denn ein Beruf muss glücklich machen.“ Sie hat den Schritt nie bereut, sagt Rathgeber.

Angefangen hat alles mit ein paar Regalen in einem Wohnhaus - da gehörte die Bibliothek noch zum Raguhner Elektroanlagenbau. Später zog Gabriele Rathgeber in das Rathaus um, dort wurden es einige Regale mehr: drei Räume füllte Gabriele Rathgeber mit Büchern. Doch alsbald musste sie wieder Kisten packen und bezog Quartier in der Sekundarschule in der Gartenstraße. „Da musste ich noch feuern“, erinnert sie sich. 2015 folgte der vorerst letzte Umzug in die Mühlstraße. Tür an Tür mit der Heimatstube in der Raguhner Begegnungsstätte.

Was bei all den Umzügen für Gabriele Rathgeber nicht verloren gegangen ist: der Spaß an ihrer Arbeit. Auch die Leser sind fleißig gefolgt, es kommen immer wieder neue dazu. Besonders viel Trubel herrscht, wenn der Heimatverein neue Kalender und Bücher gedruckt hat. Dann ist Raguhns Bibliothek ein wahrer Umschlagplatz.

Neues und Altes finden in der Mühlstraße zusammen: Wer ein Buch gekauft und ausgelesen hat, bringt es nicht selten bei Gabriele Rathgeber und ihrer Kollegin vorbei. So erweitert sich der Bestand von rund 10.000 Einheiten kontinuierlich. „Ich könnte auch jeden Tag hier arbeiten, um alles zu sortieren“, sagt Rathgeber. In den Regalen stapeln sich die Bücher - sortiert nach Genre und dann alphabetisch nach Autorennamen - doch es gibt auch noch Spiele, CDs und Hörbücher. „Ich kann auch nichts wegschmeißen, das wäre schade.“ Einmal im Jahr macht sie Großeinkauf bei der Citybuchhandlung in Wolfen-Nord.

„Am Anfang habe ich auch querbeet alles gelesen, was wir haben. Am liebsten mag ich aber historische Romane, Erfahrungsberichte und Märchen.“ Die Liebe zum Lesen und zu Büchern gibt sie ebenfalls weiter - und versucht, Leben in die Bibliothek zu bringen. Zum Beispiel mit Autorenlesungen. Leider musste das in letzter Zeit etwas kürzer treten. Das heißt aber nicht, dass Rathgeber der Bibliothek jemals den Rücken kehren möchte. Selbst jetzt als Rentnerin ist sie noch mit Herzblut dabei, wenn nicht gerade der Garten oder Katze Mimi ihre Aufmerksamkeit fordern.