Aus Grau wird bunt

Aus Grau wird bunt: Sekundarschüler in Zörbig verschönern mit Graffiti den Schulhof

Zörbig - Zörbiger Sekundarschüler sprayen munter drauflos und liefern mit Graffitis im Hundertwasserstil einen echten Hingucker.

Von Ulf Rostalsky 07.06.2017, 12:52

Betongrau hat ausgedient. Dafür haben die Neuntklässler der Zörbiger Sekundarschule gesorgt. Sie haben munter drauflos gesprayt und auf dem Schulhof ein farbiges Ausrufezeichen gesetzt. Ihre Kunst ist ein Hingucker. „Das passt ganz einfach gut hierher“, sagt Schulleiter Ralf Schmeckebier.

Graffitikunst ist der Kontrast zum tristen Grau der Sekundarschule. Schmeckebier macht keinen Hehl daraus, dass er auch in Sachen Schule zumindest auf einen Farbtupfer hofft, den es auf dem Pausenhof mit Unterstützung des Energieversorgers EnviaM gegeben hat.

1.500 Euro stellte das Unternehmen für Zörbig zur Verfügung. „Wir sind hier gern zu Hause“ ist der Titel des Graffiti-Präventionsprojektes von EnviaM. Verbundenheit zur Region haben dessen Macher auf dem Schirm. Sie wollen junge Leute zur Kreativität animieren, ihre Arbeit aber auch lenken. Graffiti als Kunst verstehen und auch so anwenden. Das ist der tiefere Sinn des Ganzen.

Graffitikünstler wurden von EnviaM für das Schulprojekt gebunden

„Die Schüler müssen natürlich herangeführt werden an alles. Sie müssen ein Gefühl für das Sprayen bekommen“, erklärt Susann Seifert. Die Altenburgerin bringt zusammen mit Ralf Hecht die professionelle Note ins Spiel. Die Graffitikünstler wurden von EnviaM für das Schulprojekt gebunden.

Die Herausforderung ist groß. Schüler sollen zwar ihre Kreativität ausleben. Sie sollen aber auch Kunst liefern, die zum Hingucker wird und nicht abstößt. In Zörbig ist das offensichtlich gelungen. „Wir sind wirklich zufrieden. Ich wollte immer schon mal in Richtung Hundertwasser gehen“, sagt Susanne Seifert geradeheraus. Friedensreich Hundertwasser war alles andere als Durchschnitt. Mit seiner Kunst voller Schnörkel und vielen Farbtupfern drückte er der Welt einen ganz eigenen Stempel auf. Das hat viele Menschen begeistert.

Für die Neuntklässler Anja Schmidt und Jan Panniger ist das genau der richtige Ansatz. Locker und leicht sprayen sie die Farbe auf die sogenannte „Gaudimauer“ des Schulhofs. „Es funktioniert ganz gut. Wir haben aber auch vorher üben können.“ Grau hat ausgedient, bunt dominiert. Es gibt keine geraden Linien. Dafür aber jede Menge Spiralen. „Typisch Hundertwasser. Ein Symbol für das Leben“, hat Jan Panniger im Kunstunterricht gelernt. Alles fließt, nichts endet.

Schüler durften selbst Hand an die Spraydose legen

Eine Woche lang haben sich die Zörbiger Sekundarschüler mit Graffiti auseinandergesetzt. Zunächst ging es um Theorie. Um Farbauftrag und -verläufe und nicht zuletzt um die Suche nach dem geeigneten Motiv.

Die erste Sprayproben erfolgten noch auf Pappe. Danach erst ging es an die Gestaltung der grauen Wände. Am Ende sieht nicht nur die Gaudimauer ganz anders auf. Die Neuntklässler haben auch dem kleinen Unterstand ein neues Aussehen gegeben. Auf der Rückwand taucht die Silhouette von Zörbig auf. Das Schloss mit dem Turm, Häuserfronten, Stadttore. Dazu gibt es einen Schriftzug in so typischer Graffitimanier.

Grund- und Sekundarschule steht geschrieben. Die Buchstaben sind in 3D-Optik gesprayt und ineinander verwoben. Wieder ist es ein farbenfrohes Ausrufezeichen. Neuntklässler haben in der Aktion gesprayt. Der Schulhof, die Gaudimauer und der Unterstand werden aber auch in Zukunft von den Grundschülern mitgenutzt. (mz)

Das Graffitiprojekt ist nicht das einzige Vorhaben, bei dem Zörbiger Sekundarschule auf die Muse setzen. Die Schulband „Lifve“ – ein Wortspiel aus Live-Musik und dem Anspruch, mitten im Leben (Life) zu stehen – hat sich einen guten Namen gemacht. Sie spielte unter anderem beim Schülerband-Treffen im Steintor-Varieté Halle.

Am 1. September steht die Schulband im Mittelpunkt eines Benefizkonzerts. Die Erforschung und Behandlung seltener Krankheiten soll damit unterstützt werden. Das Konzert auf dem Schlosshof steht unter Schirmherrschaft von Ministerpräsident Reiner Haseloff.