Abschied mit gutem Gefühl

Abschied mit gutem Gefühl: Michael Polk verlässt den Chefsessel im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen

Bitterfeld - Michael Polk verlässt den Chefsessel in der Chemieparkgesellschaft und die Region. Den 65-Jährigen zieht es zurück nach Niedersachsen.

Von Christine Färber 01.04.2021, 09:17

Am Mittwoch war Abschied. Von der Stadt, die ihm 20 Jahre die Woche über zu Hause war. Von vielen Leuten, die seinen Arbeitsalltag teilten. Und vom Chemiepark. Den hat Michael Polk maßgeblich mit geprägt in den vergangenen Jahren. Der Niedersachse Polk, einer der jeweils beiden Geschäftsführer der Chemieparkgesellschaft, verabschiedet sich in den Ruhestand.

Ob der ruhig wird? Polk lächelt. Er hat einiges vor: der Garten, der auf ihn wartet. Das Mountainbike-Fahren, das er hier an der Goitzsche für sich entdeckt hat. Die Familie, die Reisen, ab und zu ein Buch - mit Langeweile ist da kaum zu rechnen. Wie auch immer - hinter ihm liegt ein Arbeitsleben, das randvoll ist mit Erlebnissen und Aufgaben.

Und in dem nicht nur er die Umstände sondern auch die ihn geprägt haben. Zumindest in den Jahren, für die man hier im Osten die Bezeichnung „nach der Wende“ gefunden hat.

„Durch eine Umweltstudie bekam ich nach ’89 Kontakt zu Bitterfeld“

„Ich habe die ganze Umbruchphase hautnah miterlebt“, sagt er und nennt diesen geschichtlich betrachtet wohl sehr kurzen aber intensiven Abschnitt „eine sehr spannende Zeit“. Wie auch sonst sollte man das bezeichnen, wenn sich plötzlich ein ganz neuer Winkel auftut, aus dem man das Leben betrachten kann? Und mitgestalten?

Polk kommt aus dem Ruhrgebiet, aus Essen. Hier studiert er Chemie. Weil ihn die schon immer interessiert. Mit der Promotion in der Tasche beginnt er den ersten Job in der Wirtschaft in einem Umweltbüro in Hannover. Da weiß er freilich noch nicht, dass das der Ausgangspunkt ist für ein Arbeitsleben im Osten.

„Durch eine Umweltstudie bekam ich nach ’89 Kontakt zu Bitterfeld“, sagt er. Und der sollte sich irgendwie als dauerhaft herausstellen. Denn interessant und herausfordernd ist es schon, was hier passiert und zu tun ist. Der Standort schließlich ist bekannt. Er ist der, an dem die Umweltsünden der DDR-Politik am offensichtlichsten zutage treten.

2002 holt ihn Jürgen Preiss-Daimler, Eigentümer der P-D Chemieparkgesellschaft Bitterfeld-Wolfen

Doch vor Bitterfeld kommen andere Stationen. Unter anderem die Treuhand in Berlin. Auch hier geht es wieder um Bitterfeld - um die Altlasten auf und unter den Chemiearealen in Bitterfeld und Wolfen. Ein Thema, das ihn begleiten wird: 2002 holt ihn Jürgen Preiss-Daimler, Eigentümer der P-D Chemieparkgesellschaft Bitterfeld-Wolfen - in Polks Augen damals der richtige Mann an dieser Stelle - und macht ihn zu einem seiner Geschäftsführer.

Und hier geht’s zur Sache. Ein riesiges Programm ist umzusetzen, das den Standort umkrempeln, auf gesunde Füße stellen wird. Sage und schreibe 232 Millionen Euro fließen in sieben Jahren in die Infrastruktur - von der ersten Straße bis zum letzten Kanal. Ein Mammutprojekt. „Und eine Herausforderung“, sagt er.

Seit 2013 liegt der Chemiepark in den Händen der Gelsenwasser AG

„Das lief ja, während die Firmen produzierten. Das waren auch logistische Probleme! Wir haben das zusammen super hingekriegt.“ Silvia Bradler, die 16 Jahre in der Infrastrukturgesellschaft und bei P-D Energy mit ihm eng zusammengearbeitet und seine Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, seine Korrektheit und Fairness schätzt, erinnert sich: „Nach Ende der Arbeiten sind wir mit sinnbildlich 232 Millionen Euro - das waren neun dicke Ordner im Auto - nach Magdeburg zur Investitionsbank gefahren, um den Verbleib des Geldes zu dokumentieren.“

Seit 2013 liegt der Chemiepark in den Händen der Gelsenwasser AG. Ein idealer Partner, findet Polk. „Das ist eine gute Entscheidung gewesen für den Standort und seine Ausrichtung in die Zukunft.“ Er schaue zufrieden auf all die Jahre hier in Bitterfeld-Wolfen zurück, auf das, „was wir umgesetzt haben mit tollen Kollegen“. „Und wenn man da dabei sein darf, gibt das ein gutes Gefühl.“ (mz)