Weltknuddeltag

Weltknuddeltag: Bernburger lassen sich vom Bären knuddeln

bernburg/MZ - Es dauert kaum zehn Minuten, da ist der flauschig-braune Overall zugeknöpft, die farblich passenden Schuhe geschnürt und der Bärenkopf, der auf dem gelben Arbeitsschutzhelm klebt, über den Kopf gestülpt. Auch wenn es nach Routine aussieht, für den Bernburger Willi Böttcher, alias der Bär, ist dieser Vormittag alles andere als normal. Noch weniger aber für die Passanten, auf die er am Dienstag zum Weltknuddeltag in der Lindenstraße und auf dem Karlsplatz in Bernburg zugestürmt ist und sie ganz fest in den Arm genommen hat. Die Knuddelattacke als Experiment ...

Von katharina Thormann 21.01.2014, 16:42

Es dauert kaum zehn Minuten, da ist der flauschig-braune Overall zugeknöpft, die farblich passenden Schuhe geschnürt und der Bärenkopf, der auf dem gelben Arbeitsschutzhelm klebt, über den Kopf gestülpt. Auch wenn es nach Routine aussieht, für den Bernburger Willi Böttcher, alias der Bär, ist dieser Vormittag alles andere als normal. Noch weniger aber für die Passanten, auf die er am Dienstag zum Weltknuddeltag in der Lindenstraße und auf dem Karlsplatz in Bernburg zugestürmt ist und sie ganz fest in den Arm genommen hat. Die Knuddelattacke als Experiment sozusagen.

Geglückt ist die Überraschung auf jeden Fall für Carl-Heinz Schmidt, den der Bär in der Bücherhandlung überraschte: „Ich finde, so etwas sollte es viel öfter im Jahr in Bernburg geben. Es ist einfach mal etwas Schönes.“

Inzwischen steckt seit dem Jahr 1974 Willi Böttcher unter dem Bärenfell des Bernburger Karnevalsclubs (BKC) und verkörpert das Maskottchen des Vereins. Zu seiner Aufgabe kam der heute 57-Jährige durch seinen Vater, der zuvor knapp zehn Jahre lang ebenfalls den Vereinsbären verkörperte. Als Kind trat er dann gemeinsam mit seiner Schwester ebenfalls in den Verein ein. Der Ur-Bernburger Böttcher, der in seiner Freizeit auch gern radelt und schwimmt, schlüpft beim BKC aber nicht nur in den flauschigen Overall. Er tanzt auch seit Jahren aktiv im Männerballett mit. Und das soll auch noch lange so bleiben, denn da ist er sich sicher: „Irgendwann muss man mich von der Bühne tragen.“ (kt)

Schön fand die Überraschung auch der Nachwuchs - zumindest ein Großteil von ihnen. Gern schlossen die Kinder den Kuschelbären in ihre Arme. Nicht aber der knapp einjährige Charlie, bei dem sofort die Tränen gekullert sind. Bei der vierjährigen Emma halfen auch die tröstenden Worte der Mutter Sandra Werg nichts: „Es ist doch nur Willi.“ Seit Jahren ist er bekannt als Maskottchen des Bernburger Karnevalsclubs (BKC), vor allem bei den Umzügen durch die Stadt am 11.11..

Gleich erkannt hatte ihn auch Busfahrer Peter Müller, der für eine Umarmung sogar ganz kurz den Citybus auf dem Karlsplatz stoppte. Sein Urteil: „Die Idee ist ganz große Klasse.“ „Besonders bei dem grauen Wetter“, freute sich auch Jeannette Westphal, der der Bär nur zwei Minuten später ein Lächeln aufs Gesicht zauberte. Und als Bär Willi auf seinen Nachbarn Franz Schmidt zusteuerte, wusste er genau, warum: „Ich habe in der Zeitung gelesen, dass Weltknuddeltag ist“, sagte der Rentner und riss seine Arme für den braunen Gesellen auf.

Dass Willi Böttcher mit solch offenen Armen von den Passanten empfangen werden würde, hatte er schon vermutet. „Es ist doch schön, den Menschen eine Freude zu machen.“ Eine dreiviertel Stunde später: Böttchers Kopf schmerzt. Kein Wunder. Der echte ausgestopfte Bärenkopf - er dürfte mittlerweile 20 Jahre alt sein - bringt stolze drei Kilo auf die Waage. Schnell hat er ihn vom Kopf gezogen.

Außerdem ist es nun doch ein bisschen kalt im „Bärenfell“ geworden. Der Schal hat die Kälte nur kurz fernhalten können, trotz der unzähligen Kuscheleinheiten zwischendurch. „Aber es hat Spaß gemacht“, sagt Böttcher.

Er schlüpft das nächste Mal übrigens zum traditionellen Kinderfasching des Bernburger Karnevalsclubs am Sonnabend, 22. Februar, um 10 Uhr im Kurhaus der Saalestadt wieder in sein flauschiges Outfit. Und wer möchte, kann ihn dann natürlich auch gern einmal knuddeln.