Tag der Pflege- und Adoptiveltern

Tag der Pflege- und Adoptiveltern : Ein Husky als Kuscheltier

Bernburg - In Bernburg wird gezeigt, wie die Integration körperlich oder geistig behinderter Kinder in Familien funktionieren kann.

Von Conny Schreiber 19.09.2018, 05:58

„Ich fühle mich wirklich frisch“, stellt Nicole Röpke aus Wanzleben für sich fest, nachdem ihr Hannelore Nickel eine Orangenmaske vom Gesicht abwäscht.

Ein kleines Verwöhn-Programm boten Frauen des Vereines „Salati“ aus Weißenfels zum Tag der Pflege- und Adoptiveltern Sachsen-Anhalt an. Und das nahmen nicht nur die Muttis an, auch die Vatis der Pflegekinder hatten Interesse an einer Fußpflege oder am Schröpfen, einer anderen Art der Massage.

Das alles wurde am Samstag auf dem Gelände der Stiftung evangelische Jugendhilfe in Bernburg geboten.

Für das Schröpfen war die Vorsitzende des Vereines aus Weißenfels, Annett Friedrich, zuständig, die auch den Verein 2013 mitgründete. „Wir sind momentan 30 Mitglieder“, erzählt die gelernte Krankenschwester.

Tag der Pflege- und Adoptiveltern: Ein triftiger Grund für die Vereinsgründung

Hannelore Nickel, eigentlich gelernte Erzieherin, Pädagogin und geschulte Psychologin, ergänzt: „Ich bin aber vorrangig Pflegemutter“. Ihre Schützlinge sind Kinder mit Behinderungen. Das war auch der Grund, warum sie den Verein gründete.

Für sie war es damals nicht möglich, ihren Pflegesohn in einem integrativen Kindergarten unterzubringen.

„Wir arbeiten in ganz Sachsen-Anhalt, unser Hauptschwerpunkt ist die Integration von Kindern mit körperlicher oder geistiger Behinderung in Schulen und Kindertagesstätten, die nicht für Kinder mit Behinderungen ausgelegt sind. Ein Betreuer ist für ein Kind zur Begleitung des gesamten Tagesablaufes zuständig“, erzählt sie weiter.

Aber nicht nur Entspannung stand auf der Tagesordnung, es gab auch Seminare für die Eltern.

Tag der Pflege- und Adoptiveltern: Rat und Tat von Fachleuten

Cornelia Heike aus dem Burgenlandkreis hat vier Pflegekinder im Alter von ein bis 18 Jahre. Im Seminar „Traumatisierte Kinder“ frischte sie ihr Wissen auf. „Wir konnten Fragen stellen und erhielten Anregungen von anderen Pflegeeltern, das ist immer sehr hilfreich“, erzählt die Vierfach-Mutter.

Zum Thema „Familienrecht“ referierte Thomas Krille vom Amtsgericht Zerbst. Dort erhielten die Eltern Tipps zum Thema „Pflegefamilien bei Gericht“, was viele Besucher sehr interessierte.

Pflege-Papa Jörg Siebenhaar aus Prettin (Saalkreis) nahm zum ersten Mal an solch einer Veranstaltung teil und war überrascht, dass seine neunjährige Tochter Marie während der Workshops und Seminare so gut spielerisch betreut wurde.

Dafür erklärten sich auch 14 Schüler und Auszubildende der Bernburger Jungen Gemeinde bereit.

Zu erkennen waren sie an ihren gelben T-Shirts, woran sich Kinder und Eltern orientierten.

Tag der Pflege- und Adoptiveltern: Zirkus am Nachmittag

Die Kleinen hatten die Möglichkeit, kleine Kunststücke beim Zirkus „Klatschmohn“ aus Halle zu erlernen, die sie am Nachmittag ihren Eltern vorführten.

Der fünfjährige Steve schnitzte bei Thomas Rülecke aus Brandenburg Schmetterlinge. Mit seinem Dudelsack erfreute Rülecke anschließend die Kleinen mit Kinderliedern.

„Es waren 146 Eltern und 150 Kinder heute hier“, freut sich die Ansprechpartnerin des Fachzentrums für Pflegekinderwesen Sachsen-Anhalt Birgit Eilenberger. Das Fachzentrum sieht sich als beratende Institution für die Pflegefamilien, Jugendämter und Vereine.

Tag der Pflege- und Adoptiveltern: Strahlende Kinderaugen

Während die Kinder ihre Kunststücke vorführten, freundete sich Tabea aus Bernburg gerade mit einem Husky an. Eberhard Krappmann aus Bad Lauchstädt zeigte ihr, dass auch ein typischer Schlittenhund ein „Schoßhund“ sein kann.

Er war sehr zutraulich, so dass sie ihn auch einmal auf den Arm nehmen konnte. Da strahlten ihre Augen. „Ziel erreicht“, freut sich Hundeführer Krappmann. (mz)