Nebelschwaden am Schwedenlager

LATDORF/MZ. - Dort, wo einst die Schweden im Dreißigjährigen Krieg bei Latdorf ein großes Lager errichtet hatten, wird nun Kalk eingelagert. "Wir haben heute den Kalkteich 22 offiziell in Betrieb genommen", erklärte Thomas Müller, Betriebsleiter des Bernburger ...

Von HEIKO WIGRIM 24.11.2008, 17:28

Dort, wo einst die Schweden im Dreißigjährigen Krieg bei Latdorf ein großes Lager errichtet hatten, wird nun Kalk eingelagert. "Wir haben heute den Kalkteich 22 offiziell in Betrieb genommen", erklärte Thomas Müller, Betriebsleiter des Bernburger Solvay-Werkes.

Der neue Teich hat eine Größe von etwa 50 Hektar. "Er gehört zu einer neuen Generation von Kalkteichen", erklärte der Betriebsleiter. Nummer 22 sei auch der erste Kalkteich, den Solvay seit der Rückkehr des Unternehmens 1991 nach Bernburg neu angelegt hat. "Wir haben den Teich nach dem neuesten Stand der Technik angelegt und gesichert", sagte Müller. Dabei seien auch Erfahrungen aus den Untersuchungen nach dem Rutsch der Kalkteichböschung von Anfang Februar 2006 eingeflossen.

So wurde der neue Teich mit speziellen Messsonden ausgerüstet, die kontinuierlich den aktuellen Wasserstand und den Wasserdruck messen. Die Werte werden an den Beobachtungscomputer des Werkes übertragen. "Steigen die Werte auffällig an, kann die Bespülung des Teiches in diesem Bereich sofort gestoppt und die Einspülstelle gewechselt werden", erläuterte Uwe Reh, Betriebsassistent Sodaproduktion das Vorgehen. Damit das Sickerwasser aus dem Teich zuverlässig abgeführt werden kann, wurde eine Flächenentwässerungsschicht aus Kalksteinschotte mit Drainagerohren eingebaut. An den Vermessungsmarken am Damm kann abgelesen werden, ob sich der Damm bewegt hat.

In Richtung Latdorf unterbindet eine etwa zwei Kilometer lange und bis zu zwölf Meter tiefe unterirdische Wand das Abfließen des Sickerwassers nach Latdorf. Dieses Wasser wird über Rohre in die Saale abgeführt.

Die Kalkteiche nehmen das bei der Sodaproduktion anfallende Gemisch aus Kalkpartikeln und Wasser auf. Während sich der Kalk auf dem Grund der Teiche ablagert, wird das vom Kalk getrennte Wasser im freien Gefälle in Rohren in die Saale geleitet. "Würden wir die Suspension direkt in die Saale leiten, dann wäre der Fluss bald verschlammt", sagte Thomas Müller. Der Kalk wird in 1,5 Meter dicken Scheiben abgelagert. Ist die Höhe einer dieser Scheiben erreicht, dann geht der Teich ein Jahr lang in die Konsolidierung, ehe weiter eingespült wird. Insgesamt wurde Solvay eine Teich-Endhöhe von 30 Metern genehmigt. 30, maximal 40 Jahre will Solvay nach Müllers Worten den neuen Teich nutzen.

Bei der Jahresproduktion von 600 000 Tonnen Soda fällt 16 000 Kubikmeter Abwasser pro Tag an, in dem bis zu 2000 Kubikmeter Kalkschlamm enthalten sind.