3.000-Meter-Lauf, Weitsprung, Kugelstoßen

MZ-Redakteur Torsten Adam (47) absolviert das Sportabzeichen

Kreissportbund bietet auf der Leichtathletikanlage des PSV Bernburg einen Aktionstag an. Für jede Altersklasse gibt es Normen, die für Gold, Silber oder Bronze erfüllt werden müssen.

Von Torsten Adam
Der schweißtreibende Abschluss in der Nachmittagshitze: 3.000 Meter, umgerechnet siebeneinhalb Stadionrunden.
Der schweißtreibende Abschluss in der Nachmittagshitze: 3.000 Meter, umgerechnet siebeneinhalb Stadionrunden. (Foto: Engelbert Pülicher)

Bernburg - Endlich wieder Fußballtraining! Nach Monaten des coronabedingten Entsagens freute ich mich wie ein kleines Kind, zu Wochenbeginn im Mannschaftskreis wieder gegen den Ball treten. Nicht ganz ohne Folgen.

Der Muskelkater von der ungewohnten Belastung ist zwei Tage später noch nicht ganz verklungen, da reizt eine neue Herausforderung: das Sportabzeichen! Der Kreissportbund bietet auf der Leichtathletikanlage des PSV Bernburg dazu einen Aktionstag an. Premiere mit 47 Jahren. Aber besser spät als nie!

Die Normen für meine Altersklasse in den vier zu absolvierenden Kategorien Schnelligkeit, Koordination, Kraft und Ausdauer sind im Internet auf der Seite des Deutschen Olympischen Sportbundes schnell recherchiert. Keine Ahnung, wie schnell ich sprinte, wie weit ich springe und werfe.

Schließlich habe ich letztmals am Gymnasium Carolinum vor drei Jahrzehnten Leichtathletik-Disziplinen absolviert. Gewiss bin ich mir nur beim 3.000-Meter-Lauf: Wenn nichts dazwischen kommt, sind die für Gold geforderten 16:30 Minuten zu unterbieten. Schließlich blieb der Langstreckenlauf entlang der Saale in den vergangenen Monaten einzige sportliche Pandemie-Betätigung.

8,25 Sekunden für den 50-Meter-Sprint genügen für Silber

Nach der Anmeldung geht’s gleich auf die Tartanbahn. Eigentlich will ich lieber mit den 3.000 anfangen, doch davon raten die Sportexperten ab: „Dann fallen dir die anderen Disziplinen zu schwer“, so ihre Warnung. Also zuerst der 50-Meter-Sprint. Ein paar Steigerungsläufe, einige Dehnungsübungen, dann fühle ich mich bereit. Start aus dem Stand, es dauert ein wenig, um in Schwung zu kommen - da ist die Ziellinie schon ganz nah.

„Auf die Plätze, fertig machen, los!“ Nach der Startklappe von Kreissportbund-Geschäftsführer Uwe Grenzau sind auf der Tartanbahn des PSV Bernburg flinke Beine gefragt.
„Auf die Plätze, fertig machen, los!“ Nach der Startklappe von Kreissportbund-Geschäftsführer Uwe Grenzau sind auf der Tartanbahn des PSV Bernburg flinke Beine gefragt.
(Foto: Engelbert Pülicher)

8,25 Sekunden, ruft die Kampfrichterin. Die Zeit reicht locker für Silber, aber 7,90 Sekunden sind für Gold erforderlich. Mein Ehrgeiz ist angestachelt. Kurze Atempause, dann zweiter Versuch. Diesmal aus der Hocke. Das funktioniert beim Start besser, nach 8,09 Sekunden stoppt die Uhr. Auf einen dritten Versuch verzichte ich. Zwei Zehntel fehlen. Mit Training bestimmt zu schaffen, aber nicht heute.

Beim Anlauf zum Weitsprung stellt sich die Frage: Mit welchem Fuß abspringen?

Weiter geht’s zum Weitsprung. Nach schnellem Anlauf muss ich die Geschwindigkeit irgendwie in einen kräftigen Absprung wandeln und dabei auch das Brett mit dem Fuß treffen. So durchdenke ich den Bewegungsablauf im Kopf.

Beim Tempoaufnehmen stellt sich plötzlich die Frage, mit welchem Fuß überhaupt abspringen? Da bin ich schon am Absprungbalken, übertrete nicht und segele in den Sand - 4,20 Meter. Das reicht für Silber. Ich will mehr. Doch mit den Versuchen zwei und drei nimmt die Weite ab. Aus mir wird kein Carl Lewis mehr. Die Sprunggelenke haben eben ihre besten Zeiten hinter sich.

Schneller Anlauf, kräftiger Absprung: Nach 30 Jahren erstmals wieder einen Weitsprungwettbewerb absolviert.
Schneller Anlauf, kräftiger Absprung: Nach 30 Jahren erstmals wieder einen Weitsprungwettbewerb absolviert.
(Foto: Engelbert Pülicher)

Für Wettbewerb Nummer drei darf ich gleich an der Station bleiben: Standweitsprung. 2,05 Meter werden für Gold verlangt. Skepsis ist da. Ich rudere mit den Armen wie ein Fisch auf dem Trockenen, hole ordentlich Schwung und hechte nach vorn in den Sand. 2,15 Meter zeigt das Maßband. Jawohl, das ist auf Anhieb Gold!

Beim Kugelstoßen zeigt sich: Ganz ohne technisches Können geht es halt nicht

Aus Neugier probiere ich zwei weitere Disziplinen in der Kategorie Kraft aus, die ebenfalls zur Auswahl standen: Medizinball-Weitwerfen und Kugelstoßen. Wie ich den Ball nach vorn befördere, bleibt mir überlassen.

Erste Variante: über Kopf wie ein Einwurf beim Fußball. Der Medizinball plumpst nach zehn Metern in den Staub, noch zu wenig für die Goldmedaille. Zweite Variante: von unten mit Schwung durch die Beine - ein Desaster.

Also muss es die dritte Variante richten: Seitlich aus der Hüfte schleudern. Der Ball segelt 12,78 Meter weit. Ich bin begeistert. Nun also noch die Kugel nach vorn wuchten.

Ich drücke mir das 7,26 Kilogramm schwere Ding an den Hals. Und jetzt? Ich habe keine Ahnung, wie ich mich drehen oder abstoßen soll, rufe mir irgendwie Fernsehbilder von Weltklasse-Kugelstoßern ins Gedächtnis. Na ja, ganz ohne technisches Können geht es halt nicht. Die Bestweite nach drei Versuchen hätte immerhin für Silber gereicht.

16:04 Minuten über 3.000 Meter reichen für Gold, doch ich bin fix und fertig

Drei Kategorien sind abgehakt, nun geht es zum Abschlusslauf. Mein Gerechtigkeitsempfinden wird strapaziert. Der 15-jährige Handballer aus Löderburg, der mit mir gemeinsam die Stationen absolviert, muss unter der Nachmittagssonne auf der heißen Tartanbahn nur 800 Meter absolvieren, ich 3.000 Meter.

Zwei Runden gegen siebeneinhalb. Na hoffentlich hat der junge Mann, der das Sportabzeichen für seine Bewerbung an der Polizeifachhochschule benötigt, später bei der Verbrecherjagd trotzdem Ausdauer.

Während der Jugendliche sich schon stolz wie Oskar von Mutti gratulieren lässt, drehe ich noch meine Runden. 16:04 Minuten reichen locker für Ausdauer-Gold. Doch ich bin fix und fertig, lasse mich erschöpft ins Gras fallen. Und weiß dennoch nach dem ersten Schluck aus der Seltersflasche: 2022 gern auf ein Neues! (mz)