Lohelandhaus am Stadtpark Alte Bibel

Lohelandhaus am Stadtpark Alte Bibel: Bauausschuss stimmt für Abriss

Bernburg - Für das Lohelandhaus erklingt seit Mittwochabend das Totengeläut. Bei drei Nein-Stimmen empfahl der Bauausschuss mit sechs Ja-Stimmen dem Bernburger Stadtrat, für die marode Holzbaracke einen Abrissantrag beim Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie zu stellen. Denn die Stadt hat für das Einzeldenkmal keinerlei Verwendung mehr, müsste laut der Schätzung eines Architektenbüros mindestens 230 000 Euro in eine Sanierung investieren. Aber selbst dieser Schritt wäre keine Basis für eine sichere Zukunft. Auch den Abriss-Gegnern, allen voran die Kulturstiftung Bernburg sowie Linke- und Grünen-Stadträte, ist es bis heute nicht gelungen, ein tragfähiges Nutzungskonzept ...

Von Torsten Adam

Für das Lohelandhaus erklingt seit Mittwochabend das Totengeläut. Bei drei Nein-Stimmen empfahl der Bauausschuss mit sechs Ja-Stimmen dem Bernburger Stadtrat, für die marode Holzbaracke einen Abrissantrag beim Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie zu stellen. Denn die Stadt hat für das Einzeldenkmal keinerlei Verwendung mehr, müsste laut der Schätzung eines Architektenbüros mindestens 230 000 Euro in eine Sanierung investieren. Aber selbst dieser Schritt wäre keine Basis für eine sichere Zukunft. Auch den Abriss-Gegnern, allen voran die Kulturstiftung Bernburg sowie Linke- und Grünen-Stadträte, ist es bis heute nicht gelungen, ein tragfähiges Nutzungskonzept vorzulegen.

40 Mietparkplätze für Anwohner geplant

Stattdessen sollen auf dem Areal 25 bis 40 Mietparkplätze für Anwohner entstehen. Für diesen Zweck hatte der Hauptausschuss des Stadtrates im Juni 2013 der Stadtverwaltung den Grundstückserwerb aus privater Hand genehmigt. Damals stand das Haus noch nicht unter Denkmalschutz. Weil dieser Status aber seit drei Jahren gilt, strebt Oberbürgermeister Henry Schütze (parteilos) eine Grundsatzentscheidung über die Zukunft des Areals durch den gesamten Stadtrat an.

„Es gibt Schwierigkeiten, heutzutage Wohnungen in der Innenstadt ohne Pkw-Stellplatz zu vermieten“, erklärte Dezernent Holger Dittrich. Diese Parkplatz-Not möchte die Stadt lindern. Und da ist eben das Lohelandhaus im Weg. „Wir haben 314 Einzeldenkmale in der Stadt und wollen vorrangig die gründerzeitlichen Straßenzüge für ein schöneres Stadtbild voranbringen“, verwies Holger Dittrich darauf, dass die Gelder für die Restaurierung historischer Gebäudesubstanz nicht endlich sind.

„Wir haben ein Schloss noch mit zig Millionen zu sanieren. Man muss im Leben Prioritäten setzen“, argumentierte Bauausschuss-Vorsitzender Hartmut Zellmer (CDU) in ähnlicher Weise. Gerd Klinz (FDP) bestritt die Behauptung von Eberhard Balzer (Die Linke), am Erhalt des Lohelandhauses gebe es ein gesteigertes öffentliches Interesse: „Die meisten Bernburger kennen diese stinkende Bretterbude doch gar nicht.“

„Die meisten Bernburger kennen diese Bretterbude gar nicht"

Jahrzehntelang habe sich niemand darum gekümmert, erst nach dem Erwerb durch die Stadt sei das Geschrei Einzelner groß gewesen. Dabei gehe es noch nicht mal um eine öffentliche Grünfläche. Henry Schütze erinnerte daran, dass „durch welche Aktivitäten auch immer“ am Eigentümer vorbei das Lohelandhaus kurz nach dem Kauf unter Denkmalschutz gestellt worden war.

Eine historische Bedeutung „dieser vergammelten Bude“ sieht er - anders als die Abrissgegner - nicht. „Es ist abenteuerlich, eine Beziehung zum Bauhaus zu konstruieren, nur weil Walter Gropius damals mal den Mädchen in Tüllröckchen beim Tanzen zugeschaut hat. Klar, dass das ihm gefallen hat“, so der OB. Tatsächlich waren die Loheländerinnen im Jahr 1919 sogar nackt vor dem Bauhaus-Gründer aufgetreten. Zum Bauhaus-Jubiläum 100 Jahre später will sich Bernburg lieber mit der Anton-Saefkow-Siedlung, besser bekannt als Zickzackhausen, einbringen.

Erich Buhmann schlägt Verkauf vor

Dass die obere Denkmalbehörde den Abriss genehmigen wird, glaubt Erich Buhmann (Bündnisgrüne) nicht. Er schlug vor, das Lohelandhaus ein Jahr lang zum Verkauf anzubieten. Sollte sich kein Investor finden, müsste die Lage neu diskutiert werden. Sein Antrag fiel mit 3:6-Stimmen durch.

Ihre Käfige abholen können derweil wohl die Mitglieder des Kaninchenzuchtvereins, sollte der Stadtrat am Donnerstag, 14. Dezember, der beantragten Kündigung des Mietvertrages zustimmen. Seit die Stadt das Lohelandhaus im Jahr 2013 aus privater Hand gekauft hatte, waren die dortigen Vereinsaktivitäten wegen des drohendes Abrisses zum Erliegen gekommen.

Beiderseits gab es Vorwürfe, die Unterhaltung des Gebäudes zu vernachlässigen. Dass die Stadt jetzt ihr Kündigungsrecht wahrnimmt, habe aber nichts mit derartigen Gründen zu tun, betonte Dittrich. (mz)