Kein Konsens in Sicht

Kleinwirschlebener macht seinem Ärger über Lärm und Erschütterungen im Dorf Luft

Doch die Stadtverwaltung sieht Lage weniger dramatisch.

Von Torsten Adam
Anwohner in Kleinwirschleben ärgern sich über den Verkehrslärm im Dorf.
Anwohner in Kleinwirschleben ärgern sich über den Verkehrslärm im Dorf. Foto: Engelbert Pülicher

Kleinwirschleben/MZ - Der Fahrzeugverkehr auf der Kopfsteinpflasterstraße in Kleinwirschleben ist Anwohnern weiterhin ein Ärgernis. Günter Prenzel nutzte die Einwohnerfragestunde der jüngsten Stadtratssitzung im Bernburger Kurhaus, um seinem Unmut Luft zu machen.

Die Verbindung zwischen Kleinwirschleben und Leau sei nur für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen zugelassen. Doch viele Lkw-Fahrer würden die Sperrschilder ignorieren, weil sie damit laut Berechnung von Günter Prenzel 4,6 Kilometer sparen. Die als R1-Europaradweg deklarierte Straße ist aus seiner Sicht zu schmal und gefährde die Radtouristen. Die Kopfsteinpflasterstraße in Kleinwirschleben selbst befinde sich in einem desolaten Zustand. „Ich sammele ständig lose Pflastersteine ein“, beschrieb der Anwohner die Situation.

Geschwindigkeit schon auf Tempo 20 begrenzt

Die Stadtverwaltung habe aufgrund der anhaltenden Beschwerden zwar die Geschwindigkeit auf 20 Kilometer pro Stunde begrenzt und das Tempolimit-Schild später mit dem Zusatzzeichen „Lärmschutz“ versehen, doch 80 Prozent der Fahrer würden sich nach seiner Einschätzung daran nicht halten. „Die Fassade reißt, die Häuser wackeln. Ich spreche hier für alle Anwohner“, sagte Günter Prenzel.

Im Rathaus sind seine Sorgen wohlbekannt. Ordnungsdezernent Holger Dittrich sagte, dass er in den vergangenen Wochen mehrfach mit dem Beschwerdeführer telefoniert habe. „Wir haben aber eine völlig andere Wahrnehmung“. Aus Sicht der Verwaltung sei das Verkehrsaufkommen bei weitem nicht so hoch wie dargestellt. Das habe das Ordnungsamt bei zirka zehn Tempokontrollen zu unterschiedlichen Zeiten überprüft. Der Verbindungsweg soll auf jeden Fall öffentlich bleiben, weil bei einer Sperrung vermutlich hunderte Betroffene protestieren würden.

„Mir bleibt dann nichts anderes übrig, als mir eine andere Heimat zu suchen“

„Wir können Ihre Erwartungshaltung derzeit nicht erfüllen“, sagte Holger Dittrich, der die Möglichkeiten seitens der Verwaltung ausgeschöpft sieht. „Mir bleibt dann nichts anderes übrig, als mir eine andere Heimat zu suchen“, verließ Günter Prenzel im Groll die Ratssitzung. Perspektivisch könnten Fördermittel aus einem Bundesprogramm die Situation in Kleinwirschleben verbessern. „Wir haben bereits einen Antrag auf Ausbau des R1-Radweges gestellt“, sagte Holger Dittrich der MZ. In diesem Zuge könnte die Kopfsteinpflaster asphaltiert werden.