Jeder Stein ein Schicksal Jeder Stein ein Schicksal: Dritte Aktion ohne großes Publikum

Bernburg - Einige Passanten beim Weihnachtseinkauf in der Bernburger Innenstadt werden sprichwörtlich darüber gestolpert sein. Denn seit wenigen Tagen ist die Saalestadt um 14 weitere, goldig glänzende Stolpersteine reicher. Sie sollen an 14 Schicksale von Bernburgern erinnern, die im Zweiten Weltkrieg durch das NS-Regime verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Selbstmord getrieben wurden.
„Aufgrund der Pandemie konnten wir sie diesmal nicht vom Initiator des europaweiten Kunstprojektes Gunter Demnig verlegen lassen und auch nicht im Beisein von Zuschauern“, bedauert Kerstin Schmidt vom Arbeitskreis für jüdische Geschichte in Bernburg.
„Wir werden gesondert - wenn sich die Pandemielage beruhigt hat - noch zu Gedenkveranstaltungen einladen“
Die dritte Aktion dieser Art in der Saalestadt sollte aber nicht komplett gecancelt werden, da die Steine bereits geordert waren. Schließlich hatten in den vergangenen Monaten die Mitglieder des Arbeitskreises mühsam die Biografien der zum Teil sogar prominenten Opfer zusammengetragen.
„Wir haben uns deshalb dazu entschlossen, die Steine von den Mitarbeitern des Betriebshofs verlegen zu lassen“, sagt Schmidt. Sie hatten bereits beim Einsetzen der vorherigen 21 Steine im Bernburger Stadtgebiet mitgeholfen. Und so findet man nun auf dem Fußweg vor sieben weiteren Gebäuden im Stadtgebiet die Stolpersteine. Darunter sogar vor dem Hauptgebäude der Salzlandsparkasse an der Friedensallee.
Denn unter den Opfer war laut Schmidt auch die jüdische Bankier-Familie Gumpel, deren Geschichte wie viele andere ein dramatisches Ende nahm. „Wir werden gesondert - wenn sich die Pandemielage beruhigt hat - noch zu Gedenkveranstaltungen einladen“, blickt Schmidt voraus. Diese würden dann voraussichtlich aber auf mehrere Veranstaltungen aufgeteilt werden und nicht als ein gemeinsamer Spaziergang veranstaltet werden wie bei der zurückliegenden Aktion.
Dies habe gleich mehrere Gründe. Zum einen gebe es an vier Stellen sogar noch Nachfahren sogar außerhalb Deutschlands, die gern an der Gedenkveranstaltung teilnehmen wollen und zum anderen könnte man die Zahl der Besucher dadurch etwas reduzieren.
„Es ist aber auch weiterhin geplant, dass Schüler des Gymnasiums Carolinum und des Campus Technicus die Biografien der Verstorbenen vorlesen“, sagt Schmidt. Ziel soll es dabei auch sein, dieses dunkle Kapitel der Stadtgeschichte unvergessen zu machen und die Spuren jüdischen Lebens in Bernburg zu erhalten.
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Ein Stolperstein kostet 120 Euro. Wer bei der Finanzierung des Projekts unterstützen möchte, kann eine Spende auf folgendes Konto überweisen: Kreisoberpfarramt Bernburg, IBAN: DE72 3506 0190 15516241 92, BIC: GENODED 1 DKD, Verwendungszweck: Stolpersteine.
Weitere Hinweise zum Schicksal jüdischer Einwohner Bernburgs gibt es im Internet unter: www.bernburg.de(mz)