Haken von «Franks 900» hält 500 Meter Bohrgestänge

GNETSCH/MZ. - Dies ist auch nötig, denn gerade sind Anlagenleiter Andreas Jende und seine Mitarbeiter dabei, Stück für Stück das Bohrgestänge hochzuziehen. Das reicht immerhin bis in eine Tiefe von mehr als 500 Metern. Die im Durchmesser zwischen 16 und 20 Zoll großen Stahlrohre sind tonnenschwer, wenn sie wieder nach oben gezogen werden müssen. "Heute ist ein besonderer Tag - wir holen den Bohrkern aus rund 500 Metern nach oben", erklärt Joachim Lischka, Solvay-Betriebsleiter Tagebau / ...

Von HEIKO WIGRIM 02.07.2009, 16:30

Dies ist auch nötig, denn gerade sind Anlagenleiter Andreas Jende und seine Mitarbeiter dabei, Stück für Stück das Bohrgestänge hochzuziehen. Das reicht immerhin bis in eine Tiefe von mehr als 500 Metern. Die im Durchmesser zwischen 16 und 20 Zoll großen Stahlrohre sind tonnenschwer, wenn sie wieder nach oben gezogen werden müssen. "Heute ist ein besonderer Tag - wir holen den Bohrkern aus rund 500 Metern nach oben", erklärt Joachim Lischka, Solvay-Betriebsleiter Tagebau / Solfeld.

Für die Herstellung von Soda braucht das Bernburger Solvay-Werk Kalkstein und Salz. "Kalkstein gibt es im Steinbruch im Norden der Stadt. Das Salz gewinnen wir im Süden Bernburgs durch kontrollierte Bohrlochsolung", nennt Lischka die Produktionsgrundlagen. Bevor aber eine Kaverne angesolt werden kann, muss die Lagerstätte angebohrt werden. "Wir sind jetzt dabei ein Bohrloch herzustellen, das fast bis zur tiefsten Stelle der Lagerstätte reicht, die etwa bei 680 Metern erwartet wird", sagt Lischka. Solche Bohrungen werden langfristig geplant "und sind eine sehr teure Angelegenheit für Solvay". Das Unternehmen habe sich entschlossen, trotzt der derzeitigen globalen Finanzkrise seine Projekte zu verwirklichen.

Vier Wochen lang steht der 20 Meter hohe Bohrer über dem künftigen Zentrum der Kaverne. Seit Jahren holt Solvay die Spezialisten der UGS Geotechnologie aus Mittenwalde, um die Bohrungen anzulegen. Zuvor aber muss der Bohrplatz vorbereitet werden. "Damit haben wir schon Ende letzten Jahres begonnen", erzählt Lischka. Beispielsweise wurde eine rechteckige Betonfläche errichtet, auf der die Bohranlage steht.

"Um zu wissen, wie das Salz in dieser Lagerstätte aussieht, entnehmen wir verschiedene Bohrkerne." Die stecken diesmal in zwei Kernrohren, die zusammen 18 Meter lang sind und hinter dem Bohrkopf sitzen. Der Salzkern zeigt dabei die Beschaffenheit der Lagerstätte im Abschnitt von 490 bis 508 Metern Tiefe. Die Oberkante des Salzstocks liegt 345 Meter unter der Erdoberfläche.

Um das Ende der Tiefenbohrung festzulegen, sind die Geologen gefragt. Schließlich soll der Bohrer nicht in die unter dem Salz liegende Anhydrit-Schicht eindringen. Zum einen könnte diese Schicht Gas führen, aber auch wenn dies nicht der Fall ist, muss das Bohrloch dennoch vom Ende der Salzlagerstätte 50 Meter nach oben zuzementiert werden. "Das wiederum bedeutet, dass die Kaverne zu klein ausfällt", verdeutlicht Lischka die Konsequenz eines Fehlers. Damit dieser nicht passiert, untersuchen die Geologen die Bohrkerne: "15 Meter über dem Ende der Salzlagerstätte ist eine fünflagige Anhydritschicht. Wenn wir diese erkennen, brechen wir die Bohrung ab." Bei Gnetsch soll dies voraussichtlich diesen Samstag passieren.