Wegen 80 Euro

Haftstrafe für notorischen Betrüger aus Bernburg

Wegen des geringen Schadens und plädierte der Verteidiger des Angeklagten auf eine Geldstrafe. Der Richter sah die Sache anders.

Von Carsten Roloff
Amtsgericht in der Liebknechtstraße in Bernburg
Amtsgericht in der Liebknechtstraße in Bernburg (Foto: Engelbert Pülicher)

Bernburg/MZ - Der Fall scheint auf den ersten Blick nur eine Lappalie zu sein. Ein Bernburger hatte am 11. November 2020 bei Ebay-Kleinanzeigen einen Internet-Router im Wert von 80 Euro angeboten. Ein Lagerist aus Jeersdorf im Landkreis Rotenburg (Wümme) ist auf dieses Angebot eingegangen und hat auf die Kontonummer des Angeklagten die Summe überwiesen.

Allerdings hat der Niedersachse weder die Fritz-Box erhalten noch wurden ihm die gezahlten 80 Euro zurückerstattet. Der Geschädigte hatte vor dem Amtsgericht in Rotenburg diese Angaben im Zeugenstand gemacht. Zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen schwieg der Angeklagte, der bisher noch nie ins Gefängnis musste, eisern.

Wegen des sehr geringen Schadens und der laut Marian Peter-Bohley dürftigen Beweislage plädierte der Rechtsanwalt auf eine Geldstrafe. „Bis auf den Fakt, dass das Geld auf das Konto meines Mandanten geflossen ist, haben wir gar nichts. Er kann seine Kontodaten auch einer anderen Person zur Verfügung gestellt haben“, so der Rechtsanwalt in seinem Plädoyer.

„Ich habe damals gesagt, dass Sie beim nächsten Betrug ins Gefängnis wandern. Selbst wenn es sich nur um ein Überraschungsei handelt“,

André Stelzner, Strafrichter am Amtsgericht Bernburg

Der Staatsanwalt schätzte die Lage jedoch anders ein. Für ihn stand fest, dass der Mann sich mit Betrügereien schon seit 30 Jahren seinen Lebensunterhalt finanziert. „Eine Bewährung kommt nicht in Betracht, weil der Angeklagte kein Geständnis abgelegt hat und mehrfach wegen Betrugs aufgefallen ist“, sagte der Jurist.

Neun seiner insgesamt 15 Vorstrafen hat der 57-jährige gebürtige Köthener, der seit 2014 mit einer Erwerbsunfähigkeitsrente in Höhe von 550 Euro im Monat auskommen muss, wegen des gleichen Delikts erhalten. Zuletzt am 27. November 2019 im Saal 119 des Amtsgerichts. Damals lautete das Urteil von André Stelzner ein Jahr und acht Monate auf Bewährung, wobei der entstandene Schaden in Höhe von 450 Euro weitaus höher lag.

Diese Verhandlung hatte der Strafrichter noch genau in Erinnerung. „Ich habe damals gesagt, dass Sie beim nächsten Betrug ins Gefängnis wandern. Selbst wenn es sich nur um ein Überraschungsei handelt“, erklärte André Stelzner, nachdem er den Wiederholungstäter zu acht Monaten Haft verurteilt hatte. „Sie haben die Tat begangen, obwohl Sie unter Bewährung standen. Sie sind wieder straffällig geworden, ehe mein zuvor ausgesprochenes Urteil den ersten Geburtstag feiern konnte.“