Ein Herz für die Musik

Ein Herz für die Musik: Andacht als kleines Notpflaster

Bernburg/Halle - Ein Spiel auf der Röver-Orgel ist auch für den Kantor ein besonderes Erlebnis. Was er in der jetzigen Zeit am meisten vermisst.

Von Carsten Roloff

Wenigstens ein kleiner Hauch von Normalität. Am Sonntag erklang die Röver-Orgel in der Bernburger Marienkirche wieder. Knapp 40 Besucher verfolgten den Gottesdienst unter strenger Beachtung der Eindämmungsverordnung wegen der Corona-Pandemie und hörten Werke von Johann Sebastian Bach, Dietrich Buxtehude, Josef Gabriel Rheinberger, Nils Wilhelm Gade und Max Reger.

„Diese Andacht ist wenigstens ein kleines Trostpflaster für die Entbehrungen, die alle Menschen quer durch unsere Gesellschaft derzeit auf sich nehmen müssen“, erklärt Pfarrer Johannes Lewek, für den dieser Nachmittag wie auch für Kirchenmusiker Joachim Diemer eine sehr willkommene Abwechslung darstellte.

Hobby und Beruf nur eingeschränkt möglich

Schließlich kann der Kantor gerade zu Lockdown-Zeiten seinem Hobby und Beruf - das ist die Musik - nur sehr eingeschränkt nachgehen. Und noch seltener eine Röver-Orgel zum Erklingen bringen. Bis zum März vergangenen Jahres gab es kaum einen freien Platz im Terminkalender des Kirchenmusikers, der viele Instrumente beherrscht, aber in erster Linie neben der Orgel am Klavier sitzt und Trompete bläst.

An Sonntagen standen in der Regel zwei Gottesdienste auf dem Programm. Hinzu kamen mehrere Proben unter der Woche sowie Unterrichtsstunden für Blechbläser an zwei Wochentagen an der Bernburger Musikschule und im Carolinum-Gymnasium. Außerdem wurde er sehr gern für kulturelle Veranstaltungen engagiert. Er hat, um nur ein Beispiel zu nennen, die musikalische Leitung bei von Peter Blail inszenierten Opernaufführungen in der Kirche in Dröbel.

„Ich habe schon als Kind sehr gern musiziert“

Der 58-jährige Joachim Diemer stammt aus Alsfeld (Nordhessen). Die Liebe zur Musik wurde ihm praktisch in die Wiege gelegt. „Ich habe schon als Kind sehr gern musiziert. Aber das gehörte auch einfach zu unserem Familienleben. Wir haben viele Abende gemeinsam gespielt und kleine Konzerte gegeben“, erinnert sich der zweifache Familienvater gern an seine Kindheit zurück.

Sein Hobby konnte der Nordhesse dann auch zum Beruf machen. Er studierte in Bayreuth und Herford Kirchenmusik, kam nach der Wende 1991 in den Salzlandkreis und ist seitdem hauptsächlich im Pfarrbereich von Roswitha und Thomas Meißner in Könnern und Alsleben als Kantor tätig.

„Ich bin froh, dass diese Orgel nach fast 30 Jahren wieder erklingt“

Ein Abstecher in die Bernburger Marienkirche zur jüngst restaurierten Röver-Orgel lohnt sich jedoch auch für den erfahrenen Musiker. Schließlich spielt er nicht jeden Tag auf einer Orgel, die mit drei Manualen (drei Tastaturebenen) ausgestattet ist. „Es macht einfach Spaß und ist auch für mich eine Herausforderung. Ich bin froh, dass diese Orgel nach fast 30 Jahren dank des Engagements von Wolf-Dieter Kleinschmidt, Reinhard und Johannes Hüfken sowie Pfarrer Johannes Lewek wieder erklingt“, sagt der in Halle lebende Joachim Diemer.

Der Kirchenmusiker wünscht sich, dass sein Terminkalender in naher Zukunft wieder voller sein wird. Seine Begeisterung für die Musik möchte er nicht nur selbst ausleben, sondern auch der Jugend weitergeben. So wie es seine Eltern getan hatten. (mz)