Der Bernburger Bahnhofsgarten - Teil I

Der Bernburger Bahnhofsgarten - Teil I : Ärger über Strohhut-Büste

Bernburg - 1879 lässt die Magdeburg-Halberstädter Eisenbahn das Areal zum Park mit vielen Wegen und Sitzgelegenheiten umgestalten.

Von Joachim Hennecke 04.07.2017, 12:59

Am 10. Oktober 1865 wurde der heutige Bahnhof fertiggestellt und mit Aufnahme des durchgehenden Zugbetriebes von Bernburg über Güsten bis nach Halberstadt eingeweiht.

Der neue Bahnhof befand sich zu dieser Zeit noch auf freiem Felde, die angrenzende Stadtbebauung setzte erst allmählich ein. Man war jedoch schon bemüht, das den Bahnhof umfassende Gelände landwirtschaftlich-gärtnerisch zu gestalten.

Park- und Gartenanlage noch erkennbar

Diese Aufgabe übernahm die Magdeburg-Halberstädter Eisenbahn (MHE) als betriebsführende Bahngesellschaft. Verlässt man das stillose Bahnhofsgebäude, bieten sich dem Betrachter heute noch erkennbare Park- und Gartenanlagen rechts und links an der teils einseitig erbauten Bahnhofstraße.

Um 1874 entstand die neue Bahnhofstraße mit ersten städtischen Bebauungen, anfangs noch als Sackgasse zwischen der Cöthenschen Chaussee (heutige Friedensallee) und Auguststraße. Begonnen wurde an der sogenannten „Scharf’schen Ecke“ bis zum „Newischen Eckhause“ am Eisenbahngraben.

Die Strecke erhielt gemäß Gemeinderats-Beschluss vom 13. Februar 1875 den Namen „Bahnhofstraße“, bis 1877 entstanden hier zehn Häuser.

Ein großes Wasserbassin mit Seerosen und Goldfischen

Im Oktober 1879 wurde die Bahnhofstraße zwischen Bahnhof und Kaiserstraße durchgelegt und gepflastert. 1879 ließ die Magdeburg-Halberstädter Eisenbahn den Bahnhofsgarten als Park mit vielen Wegen und Sitzgelegenheiten anlegen.

Anfangs gab es sogar ein großes Wasserbassin mit Seerosen und Goldfischen. Damit wirkte das Bahnhofsgelände sehr einladend für ankommende Gäste.

Am 8. Oktober 1883 beschloss der Gemeinderat die Verlängerung der Bahnhofstraße von der Neuen Straße bis zum Friedhofsweg (heute Parkstraße).

Seitens des Magistrates veranlasste man 1893, aus dem ungepflasterten Teil des Bahnhofs-Vorplatzes einen Schmuckplatz durch Anpflanzung von Blumenbeeten zu schaffen und diesen Platz einzufrieden.

Dabei wurden die Grünanlagen im Bahnhofsgarten nochmals neu gestaltet. Der Gemeinderat bewilligte dazu auf seiner Sitzung am 25. Juli 1893 die entstehenden Kosten. Um 1896 gab es ein Projekt von Gartenarchitekt August Hooff, welches dem Bernburger Verschönerungsverein übergeben wurde.

Abgrenzung im Einklang mit Grünstreifen

Es galt, eine gewünschte Abgrenzung der Eisenbahngleise mit einem etwa zehn Meter breiten Grünstreifen in Einklang zu bringen.

Östlich der Gleise konzipiert war ein Gehölzstreifen, durch dessen Undurchlässigkeit sollte dieser neben einem attraktiven Sichtschutz auch einen Lärm- und Staubschutz darstellen.

Die Funktion sollte nicht nur den Fußgängern zu Gute kommen, sondern zugleich auch den Bewohnern der gegenüberliegenden Häuser. Überdies stellte solch ein Grünstreifen eine Zierde für die innerstädtische Raumstruktur dar.

In den Saum aus Gehölzen schloss sich eine landschaftliche Gestaltung an, wie sie bei den gärtnerischen Anordnungen August Hooffs fast immer zu finden war.

Bögen haben Gliederung sanft ausgeformt

In die locker gestalteten Bereiche fügten sich Wege ein, die eine gewisse Trennung zwischen Gehölzgürtel und Rasenflächen verdeutlichte, durch den bogenförmigen Verlauf wurde die Gliederung sanft ausgeformt.

Entlang der Spazierwege waren Verweil- und Ruheorte zu finden. Im Gegensatz zu den meisten anderen Planungen waren sie in diesem Fall rechteckig ausgeformt, insbesondere im mittleren, symmetrisch angeordneten Bereich des Freiraumes.

Der Grund dafür lag in der Akzentuierung des 1897 dort positionierten Hellriegel-Denkmals.

Hellriegel-Denkmal im September 1897 eingeweiht

Dieses 250 Kilogramm schwere Hellriegel-Denkmal wurde am 26. September 1897 in der Bahnhofsanlage (an der Bahnhofstraße) eingeweiht. Die Bronzebüste schufen die Künstler Prof. Baerwald (auch Schöpfer des Bismarck-Denkmals) und Felderhoff aus Berlin.

Der Sockel trug unter der Büste den Namen des Gelehrten in Goldschrift und auf der Rückseite die Worte: „Dem verdienstvollen Forscher auf dem Gebiete der Ernährung unserer Kulturpflanzen“.

Der Unterbau wurde von einer Treppe mit geschwungenen Wangen gebildet. Da das Denkmal vielfach der Verschmutzung ausgesetzt war, erhielt es 1898 eine Einfriedung mit einem hübschen, stilvollen, schmiedeeisernen Gitter.

Büste wird zu Kriegszwecken eingeschmolzen

Eine Verunzierung des Denkmals wurde in der Nacht zum 7. November 1898 verübt, indem der Büste ein Strohhut aufgesetzt wurde. Die Passanten äußerten sich sehr missliebig über die kindische Tat.

1942 wurde die Büste zu Kriegszwecken eingeschmolzen (vorher wurde ein Gipsabdruck von der Büste gemacht), der Sockel blieb stehen.

1947 wurde anlässlich der Feiern des Gedenkens zum 50. Todestag Hellriegels ein Denkmalausschuss gebildet, der sich mit der Durchführung einer Sammlung und der Wiederherstellung des Denkmals befasste.

In Berlin wurde mit Hilfe des im Institut für Pflanzenzüchtung/Archiv vorhandenen Gipsabdruckes auf Initiative Otto Dorns eine neue Hellriegel-Büste von Bronzegießer Hermann Noack Berlin-Friedenau/Wilmersdorf angefertigt.

************************************

Der Stadtrat von Bernburg hat vor einem Monat mehrheitlich beschlossen, im Bahnhofsgarten 52 Pkw-Dauerparkplätze bauen zu lassen. Die teilweise Umwidmung des Parks ist umstritten. Grünen-Fraktionsvorsitzender Erich Buhmann hat ein Bürgerbegehren gegen die Pläne angekündigt, ab morgen sollen mindestens 2000 Unterschriften von wahlberechtigten Bernburgern gesammelt werden. Wird diese Zahl bis zur Frist am 6. September erreicht, könnte bei einem Bürgerentscheid, voraussichtlich im Januar 2018, die Entscheidung über die Zukunft des Bahnhofsgartens fallen.

Weitere Infos im Internet unter www.pro-bernburg.de

(mz)