Aus dem Gericht

Blitzer-Fotos als Beweis

Geldstrafe im Indizien-Prozess. Richter sieht Schuld des Angeklagten als erwiesen an.

Von Carsten Roloff 24.11.2021, 10:00
Ein Blitzer-Foto wurde dem Angeklagten zum Verhängnis.
Ein Blitzer-Foto wurde dem Angeklagten zum Verhängnis. Foto: Agentur

Bernburg/MZ - Spurlos sind zwei Renault Traffics am 31. Mai 2021 eine Stunde nach Mitternacht von einem Bernburger Firmengelände verschwunden. Die Fahrzeuge haben sich quasi in Luft aufgelöst. Ihr Verbleib konnte nicht ermittelt werden. Dafür aus Sicht der Staatsanwaltschaft zumindest ein Täter. Ein ehemaliger Mitarbeiter des Unternehmens, der ohne Rechtsbeistand zur Verhandlung erschien, soll eines der beiden Fahrzeuge gestohlen und nach Polen gefahren haben.

„Ich habe damit nichts zu tun. Als ich meinen Fahrdienst erledigt hatte, habe ich die Schlüssel in den Kasten getan und bin nach Hause erfahren. Per WhatsApp habe ich erfahren, dass die Fahrzeuge gestohlen worden sind“, wies der 38-jährige geschiedene Familienvater jede Schuld von sich. Jeder, der damals angestellten Fahrer, hatte die Möglichkeit, die gestohlenen Fahrzeuge per Funk zu starten und die Schlüssel wieder in den Kasten zu hängen.

Für die dazugehörige Tür hatte auch jeder Fahrer einen Schlüssel. Eine Mitarbeiterin der Firma konnte wegen dieses Sachverhalts auch kein Licht ins Dunkel bringen. „Ich wurde vom Diebstahl benachrichtigt. Die Schlüssel hingen an ihrem Platz, doch die Fahrzeuge waren weg“, so die 36-jährige Zeugin.

Obwohl der Angeklagte den Diebstahl vehement bestritt, hatten Staatsanwaltschaft und Gericht keinen ernsthaften Zweifel an dessen Schuld. Dabei konnten sich beide Seiten jedoch nur auf Indizien berufen. Die Beweise, die den Prozess erst ins Rollen brachten, hatten es aber in sich. Einer der beiden gestohlenen Renaults wurde auf seinem Weg nach Polen zweimal von einem stationären Geschwindigkeitsmessgerät geblitzt.

Einmal am 31. Mai um 3.37 Uhr in Naundorf und um 5.06 Uhr in Frankfurt/Oder. Der Geblitzte hatte jedoch keine Brille auf. „Ich bin beim Autofahren auf die Sehhilfe angewiesen“, so der 38-Jährige. Auch die Zeugin konnte nicht mit hundertprozentiger Sicherheit den Angeklagten auf den Blitzer-Fotos als Fahrer identifizieren. Doch die Staatsanwältin, die eine Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung forderte, und dem Gericht genügte das scharfe Blitzer-Foto.

„Es war ein Indizienprozess. Ohne das Foto hätten wir die Tat nicht nachweisen können. Damit kippt die Waage zuungunsten des Angeklagten“, sagte André Stelzner. Der Strafrichter verurteilte den Angeklagten, der Schulden hat, zur Zahlung einer Geldstrafe in Höhe von 140 Tagessätzen zu je 25 Euro.