Bernburg

Bernburg: Stadtrundgang mit Fakten und Anekdoten

BERNBURG/MZ. - Ein Blick, mehr als 40 Jahre Geschichte. Carl-Heinz Schmidt - roter Schal, grünes Holzfäller-Hemd und Thermoweste - erweckte die Erinnerungen an das alte Bernburg am Sonntag erneut. Dafür reichten ein paar Zeichnungen von Karl Görner. Der Maler fertigte im Rahmen seines Schaffens Bilder von Gebäuden an, die es inzwischen nur noch in den Gedanken der älteren Bernburger ...

Von MARKO JESCHOR 20.03.2011, 20:48

Ein Blick, mehr als 40 Jahre Geschichte. Carl-Heinz Schmidt - roter Schal, grünes Holzfäller-Hemd und Thermoweste - erweckte die Erinnerungen an das alte Bernburg am Sonntag erneut. Dafür reichten ein paar Zeichnungen von Karl Görner. Der Maler fertigte im Rahmen seines Schaffens Bilder von Gebäuden an, die es inzwischen nur noch in den Gedanken der älteren Bernburger gibt.

Als Würdigung seiner Lebensleistung lud der Stadtführer Schmidt zum zweiten Mal zu einem thematischen Rundgang ein. Rund 60 Teilnehmer, die den Künstler und Zeichenlehrer teilweise selbst erlebt hatten, lauschten der Führung mit historischen Fakten und den Anekdoten aus dem Leben Görners zugleich.

Eine Wittenbergerin etwa hatte beim Lehrer Görner "eine allseitige Kunsterziehung genossen", wie sie sagte. "Er lehrte mich die Liebe zur Heimat", begründete sie ihren Besuch in Bernburg. Sie fand die Ausstellung mit Bildern von Görner, die noch bis zum 27. März im Museum Schloss Bernburg zu sehen ist, hervorragend. Die Führung zu den Orten seines Schaffens war für die ältere Wittenbergerin nun das

Sahnehäubchen. Schade nur, dass es wohl bei den zwei Rundgängen bleiben wird. Die Resonanz jedenfalls, das ließ Schmidt durchblicken, war mehr als zufrieden stellend.

Überliefert hat Görner, 1911 als Sohn eines Dorfschullehrers geboren, ein nahezu heiles Bild Bernburgs mit seinen Kirchen, Gebäuden, Straßen und Plätzen. Darüber hinaus sei die Quellenlage nicht ausreichend gewesen, erklärte Schmidt. Das was er fand, konnte sich allerdings sehen und hören lassen.

So sagte der Künstler selbst über sich: "Ich war Lehrer, und kein erfolgreicher." Im Rückblick, so zitierte der Stadtführer den Künstler mit einem Augenzwinkern später, habe Görner viele Fehler gemacht. "Der erste war: Ich wurde im Jahr 1911 geboren. Der zweite: Ich war Sohn eines Kantors." So musste er seiner Meinung nach mit der faschistischen Schulbildung genauso vorlieb nehmen wie mit der Bindung zur Kirche.

Der Rundgang führte von der Stadtverwaltung zur ehemaligen Oberschule Karl-Marx über die 30 Stufen der Schenktreppe hin zu den ehemaligen Geschäftshäusern aus der Gründerzeit in der Wilhelmstraße. Von dort aus ging es über den Alten Markt zur Grünen Apotheke in der Breite Straße und später zur Marienkirche. Mit dem Blick auf das aktuelle und historische Bild des Servitenklosters beendete Schmidt am Sonntag vorläufig die Führung.