Hausfriedensbruch, Bedrohung

Bedrohung, Hausfriedensbruch: Randalierer aus dem Rathaus Dessau muss 900 Euro Strafe zahlen

Dessau - Drei Tage waren für die Verhandlung angesetzt, nach einer halben Stunde aber war das Berufungsverfahren vor dem Landgericht  Dessau erledigt: Das Verfahren gegen einen 25 Jahre alten Mann aus dem Niger wird eingestellt, wenn er innerhalb von einem halben Jahr 900 Euro an das Frauenhaus Dessau ...

Von Thomas Steinberg 24.03.2021, 09:24

Drei Tage waren für die Verhandlung angesetzt, nach einer halben Stunde aber war das Berufungsverfahren vor dem Landgericht  Dessau erledigt: Das Verfahren gegen einen 25 Jahre alten Mann aus dem Niger wird eingestellt, wenn er innerhalb von einem halben Jahr 900 Euro an das Frauenhaus Dessau zahlt.

Die Anklage hatte dem Mann unter anderem Bedrohung, Hausfriedensbruch und Körperverletzung vorgeworfen. Der zuvor nicht straffällig gewordene 25-Jährige hatte im Oktober 2018 zunächst mit einem Ruck den Schreibtisch einer Mitarbeiterin im Sozialamt leer gefegt und dann deren Computertastatur zertrümmert, weil man ihm nur eine gekürzte Hilfe für den kommenden Monat auszahlen wollte. Der Grund dafür wurde vor Gericht nicht erörtert.

25-jähriger Angeklagter hatte drei Mal in den Büros im Rathaus randaliert und einen Wachmann angegriffen

In den Wochen danach gab es mehrfach ähnliche Auftritte des Angeklagten: Drei Mal insgesamt räumte er Schreibtische ab, beleidigte Mitarbeiterinnen, drängte ein Mal eine Frau mit einem Bürostuhl in die Ecke und stieß einen herbeigerufenen Wachmann mit dem Kopf so heftig vor die Brust, dass dessen Rippen brachen. Später drohte er, ihn totzuschlagen. Er beleidigte Polizeibeamte und leerte bei anderer Gelegenheit eine Wasserflasche über dem Schreibtisch einer Rathausmitarbeiterin.

Zunächst war dem Täter angeboten worden, das Verfahren gegen eine Geldauflage einzustellen, was der ablehnte. Es kam zur Gerichtsverhandlung vor dem Amtsgericht Dessau, an deren Ende eine Geldstrafe von 3.000 Euro stand – 1.000 Euro mehr, als von der Staatsanwaltschaft gefordert.

Nach Verständigung vor Gericht gibt es kein Urteil und damit keine Strafe im eigentlichen Sinne

Der Angeklagte ging in Berufung und wäre wohl auch bereit gewesen, einen Großteil der Vorwürfe einzuräumen, wurde dabei jedoch von seinem Verteidiger unterbrochen. Ziel der Berufung sei es, eine niedrigere Strafe zu erreichen oder aber - wie ursprünglich angeboten - das Verfahren gegen eine Geldauflage einzustellen. Dieses nach Strafprozessordnung mögliche Vorgehen bedeutet: Es gibt kein Urteil und damit keine Strafe im eigentlichen Sinne.

Der Staatsanwalt stimmte zu. Statt der ursprünglich im Raum stehenden 1.500 Euro hohen Auflage wurden am Ende 900 aufgerufen, weil es dem Angeklagten unmöglich gewesen wäre, sonst die Summe wie verlangt in einem halben Jahr zu bezahlen.

Das Gericht hatte sich zwar, wie dessen Vorsitzender kundtat, etwas schwer getan, aber letztlich den Vorschlag unterstützt, weil sich der Angeklagte nach den Taten nichts weiter zuschulden kommen ließ. Und er gab dem Mann noch einen Rat mit auf den Weg: „Benehmen Sie sich, wenn Sie aufs Amt gehen.“ (mz)