„Es ist der beste Beruf der Welt“

Warum ein Bauer trotz Bürokratie weitermacht

Die Felder sind bestellt und die Kulturen wachsen. Die Landwirte müssen nun düngen, Schädlinge bekämpfen und Technik warten. Was ihnen Sorgen bereitet.

Von Detlef Anders
Landwirt Frank Herrmann ist auf einem seiner Felder bei Klein Schierstedt auf der Suche nach dem Rapsglanzkäfer. Foto: Frank Gehrmann

Aschersleben - Auf den Äckern um Aschersleben ist sattes Grün zu sehen und auch die Rapsfelder haben ihr dominierendes Gelb der Frühjahrsblüte voll entfaltet. Die Äcker sind bestellt und landwirtschaftliche Fahrzeuge sind kaum zu sehen. Was machen die Landwirte jetzt eigentlich?

Eine ganze Reihe von aktuellen Baustellen nennt Landwirt Klaus Kilian aus Drohndorf. „Wir sind im Moment dabei, hier aufzuräumen und zu bauen“, erklärt er. Dünger wird gestreut. Vor allem mechanische Pflegemaßnahmen laufen. Spinat und Saatgut wird maschinell gehackt. Für den Majoran sind Helfer aus Mehringen beauftragt, die manuell das Unkraut jäten.

Nachdem gerade der Majoran zuletzt kaum gute Ernten gebracht hatte, freut sich Kilian, dass es nach der Saat noch Feuchtigkeit im Boden gab, sodass die Samen keimten. „Der Majoran sieht nicht schlecht aus“, sagt er, wünscht sich aber weiterhin Landregen, der auch in tiefere Bodenschichten vordringt.

Zuckerrüben waren auf knapp zehn Hektar erfroren und wurden umgebrochen

In der vergangenen Woche hatten sie Pech, dass der Frost große Flächen mit Zuckerrüben zerstörte. Wenn in zwei Meter Höhe minus zwei Grad gemessen werden, höre sich das nicht schlimm an, doch am Boden und in Senken ist es dann drei oder vier Grad kälter. Zunächst mussten 18 Morgen Acker umgebrochen werden, dann noch mal 20. „Und dann müssen wir uns mit Antragspapieren für die Beihilfen rumschlagen“, erklärt Kilian.

Der Klein Schierstedter Landwirt Frank Herrmann weist auch auf das „Bonitieren“ hin. Dabei handele es sich um das Zählen und Bewerten von Schadfaktoren in den Kulturen durch die Landwirte im Ackerbau, erklärt er. Schadfaktoren sind Beikräuter und Gras, schädliche Insekten oder Pilzbefall.

Dabei nennt Herrmann kurios klingende Schädlingsnamen. Der Moosknopfkäfer treibt in Zuckerrüben sein Unwesen, die Große Getreideblattlaus ist Überträger von Viren und die Kohlschotenmücke legt ihre Eier gern im Winterraps ab. Auch Pilzerkrankungen wie Gelbrost und Septoria, die die Getreidearten schädigen, oder der Befall durch den Rapskrebs „Sklerotinia“, der für Verluste sorgt, werden erfasst.

Anhand der Ergebnisse kann der Landwirt einschätzen, ob eine Kontrolle nötig, hilfreich und wirtschaftlich ist und ob Alternativen zu Pflanzenschutzmitteln zur Verfügung stehen und sinnvoll sind, erklärt er. Herrmann weist auf strenge gesetzliche Vorgaben beim Pflanzenschutz hin. Es seien stets schwierige Entscheidungen, „weil es keine Blaupause für die jetzt vorherrschende Witterung gibt“.

„Die Ausgangssituation im Frühjahr 2021 ist besser als im vergangenen Jahr.“

Frank Herrmann, Landwirt aus Klein Schierstedt

Pflanzenschutz und Düngung müssten protokolliert werden. „Das wird immer umfangreicher und bedarf eines hohen Zeitaufwandes“, ärgert sich auch Herrmann über die Vorgaben. Auch müssen die Landwirte die Marktlage für den Einkauf von Betriebsmitteln und die Verkaufspreise für eigene Erzeugnisse im Blick behalten.

In den Wintermonaten stand die Instandhaltung auf der Agenda, ebenso wie Büroarbeit und Weiterbildung, die online erfolgte. Recht aufwendig schildert Herrmann die Ermittlung der optimalen Menge an Düngemitteln. Mit Bohrstöcken mussten Bodenproben entnommen und im Labor analysiert werden, um die optimale Menge Düngemittel für die Felder zu bestimmen. Aussaat und Drillen folgten.

Der Schnee hatte zunächst eine schützende Isolierung für die Winterkulturen. Er brachte gute Feuchtigkeit für den Boden, „sodass die Ausgangssituation in diesem Frühjahr besser ist, als das im vergangenen Jahr der Fall war“, sagt Frank Herrmann. Aber die Bodenwasservorräte seien „bei weitem nicht aufgefüllt“.

Es gab zu wenig Niederschlag. Der Regen am letzten Wochenende habe gutgetan. „In den ersten Zentimetern des Bodens ist Feuchtigkeit vorhanden, aber im Unterboden ab etwa 50 Zentimeter ist es nach wie vor sehr trocken“, bestätigt er die MZ-Recherche aus der vergangenen Woche zur Dürre im Boden.

Frühjahrsarbeit: Ein Feld vor Schackenthal wird gesprüht.
Foto: Frank Gehrmann

„Der Ertrag in diesem Jahr hängt davon ab, wie viel Niederschlag von oben kommt und wie sich die Verhältnisse von Temperaturen und Wind in der kommenden Zeit gestalten“, betont Herrmann. Für die Landwirte hätte es gern noch wesentlich mehr regnen können, sagt er.

Eine andere Herausforderung sieht der Klein-Schierstedter in kommenden politischen Vorgaben aus Brüssel und Bonn. Dem „Gesellschaftswillen“ setzt er das Wort „vermeintlich“ hinzu und ärgert sich über das „Ignorieren der Fachkundigkeit unseres Berufes in der Politik und auch bei Mitbürgern“. Es sei sehr demotivierend, wenn die Sicht und Vorschläge der Landwirte nicht berücksichtigt werden.

Trotzdem findet Frank Herrmann, dass der Mai für alle Landwirte eine schöne Zeit ist. „Die Vegetation geht voran, damit auch die potenzielle Arbeit. Aber wir machen das einfach gern. Es ist der beste Beruf der Welt!“ (mz)