Sozialarbeiter an Schulen

Sozialarbeiter an Schulen in Aschersleben: Für 33 Pädagogen

Aschersleben - Ende Juli 2020 läuft die Förderung der EU aus. 33 Schulsozialpädagogen würde der Kreis dann verlieren. Welche Folgen das hätte und welche Lösungen es gibt.

Von Sandra Simonsen 19.06.2019, 09:56

„Schulsozialarbeit“ steht in bunten Lettern auf dem Plakat zum Raum 208 in der Burgschule Aschersleben. Diesen Raum und vor allem die darin von Doreen Hasse praktizierte Schulsozialarbeit, könnte es schon in gut einem Jahr nicht mehr geben. Zum 31. Juli 2020 endet nämlich die Förderung der Europäischen Union für Schulsozialarbeit - die Schulsozialarbeiter im Land würden dann nicht mehr finanziert werden.

Doch das Land Sachsen-Anhalt will an dem Projekt „Schulerfolg sichern“ festhalten und hat vor kurzem beschlossen, die Mittel auch unabhängig von der EU-Förderung noch ein weiteres Jahr zu bewilligen - bis zum Schuljahresende 2021. Danach soll ein langfristiges Programm zur Sicherung der Schulsozialarbeit erstellt werden.

Etwa 5.000 Unterschriften hatte die Netzwerkstelle „Bündnis für Schulerfolg im Salzlandkreis“, Anfang Juni an das landesweite Aktionsbündnis „Schulsozialarbeit dauerhaft verankern!“ überreicht. Somit können die Befürworter aus dem Salzlandkreis in die zu Jahresbeginn vom Aktionsbündnis initiierte Unterschriftensammlung zum Erhalt der Schulsozialarbeit in Sachsen-Anhalt direkt einfließen.

Sozialarbeiter an Schulen: Rund 8.500 Schülerinnen und Schüler werden betreut

Im Salzlandkreis sind insgesamt 33 Schulsozialarbeiter und Schulsozialarbeiterinnen beschäftigt, die rund 8.500 Schülerinnen und Schüler betreuen. Etwa die Hälfte der Arbeit eines Schulsozialpädagogen ist dabei ein Beratungsangebot für Schüler, Eltern und Lehrer.

„Schüler kommen mit ganz unterschiedlichen Problemlagen zu uns: Gewalt in der Familie, psychische Probleme, Schule schwänzen“, zählt Juliane Wille auf. Die 28-Jährige ist Schulsozialarbeiterin an der Ascherslebener Luisenschule. Viele dieser Probleme könnten die Lehrer nicht mehr auffangen, deshalb sei die Schulsozialarbeit immens wichtig.

Sozialarbeiter an Schulen: Projekte initiiert und in der Umsetzung

Zusätzlich gebe es zahlreiche Projekte, die von den Schulsozialarbeitern organisiert und umgesetzt werden, wie Doreen Hasse ergänzt.

Sie hat an der Burgschule gerade ein Projekt mit der Salzlandküche gemeinsam initiiert, bei dem die Kinder alles Wichtige rund um gesunde Ernährung lernen konnten. „Wir kümmern uns um viele Themen, für die im Unterricht kein Platz mehr ist“, sagt sie.

Ein wichtiger Aufgabenbereich der Schulsozialarbeiter sei zudem die Förderung der Sozialkompetenz der Schüler. „In unseren Gruppenberatungen beispielsweise entwickeln die Schüler ganz viel Empathie und sehen: Es geht nicht nur mir so.“ Das sei eine große emotionale Entlastung für viele Kinder, so Juliane Wille.

Gebe es die Schulsozialarbeit nicht mehr, da ist sich Hasse sicher, würden viele Aufgaben an die Lehrer zurückfallen, die gar nicht die Zeit hätten, auf die einzelnen Probleme der Schüler intensiv genug einzugehen. An der Burgschule gebe es die Schulsozialarbeit erst seit diesem Jahr: Seither seien die Schüler ruhiger geworden, es entstünden weniger Konflikte, die Lehrer fühlten sich sehr entlastet, erzählt Hasse aus dem, was ihr als Feedback entgegengebracht wird.

Auch die vielen Projekte außerhalb des Unterrichts könnten nur über die Schulsozialarbeit funktionieren. (mz)