Rehe verwirren die Hundemeute
Meisdorf/MZ. - Als im Schlosspark Meisdorf in der Stadt Falkenstein / Harz am Sonnabendvormittag das Signal "Aufsitzen" erklang, schwangen sich die 30 Teilnehmer an der Schleppjagd aufs Pferd. Schon vorher hatten die Reiterlichen Parforcehornbläser für Jagdreiterei Bad Harzburg / Westerode die eintreffenden Gäste mit jagdlicher Musik begrüßt.
Einer der ersten war der Goslaer Tierarzt Dr. Friedhelm Knorr, der zu den Mitbegründern der Meisdorfer Schleppjagd gehört. "Das Parforcehornblasen und die Schleppjagd ist etwas für ältere Reiter", schmunzelt der 75-jährige Tierarzt. Das jagdliche Brauchtum, das heute bei den Jagden in Deutschland gepflegt werde, habe seinen Ursprung in Frankreich. "Das Jagdschloss in Ballenstedt war einst die Hochburg für Perforcejagden (Hetzjagden) im Harzer Hochwildrevier bis Harzgerode", weiß der Tierarzt zu berichten.
Mit dem Signal "Aufbruch zur Jagd" ging's dann auch in Meisdorf ab in Richtung Wald und Flur. An der Spitze die beiden Jagdherren Gerhard Redöhl und Harald Sporreiter und die 15 Foxhounds der Hundemeute aus Hessen. Daran schloss sich dann in schmucker Jagdkleidung der Tross der Reiter an, dahinter eine Karawane von Kutschen. In ihr konnten unberittene Gäste Platz nehmen. Sie waren hautnah am Geschehen dabei.
Dann der erste Halt für die berittenen Schleppjagdjäger. Nicht aber für Sandra Knoor. Sie musste die Schleppe legen. Aus zwei an ihrem Sattel befestigten Behältern ließ sie eine verdünnte Anislösung zur Erde tropfen. Auf den Anisgeruch ist die Hundemeute geeicht. Fünf solcher Schleppen mit 20 jagdgerechten Hindernissen lagen vor den Reitern. Auf Kommando vom Chef der Hundemeute, Willi Pieper, nahmen die Hunde die Fährte auf.
Eigentlich sollte um 14.30 Uhr schon das "Halali" der Parforcehornbläser das Ende der Jagd verkünden. Für die Verspätung hatte die Hundemeute gesorgt. Als ein paar Rehe ihren Weg kreuzten, erwachte in ihnen der Jagdinstinkt. Bis Willi Pieper seine Hundemeute wieder beisammen hatte und sie auf die Anisspur ansetzen konnte, war einige Zeit vergangen. Nach vier Stunden ertönte dann auf der Wiese im Schloss Meisdorf das Signal zum Absitzen.
Jagdherr Gerhard Redöhl verteilte nach altem Jagdlichen Brauch die Brüche (ein kleiner Tannenzweig) an die Schleppjagdteilnehmer. Die hatten sich aus drei Bundesländern auf den Weg nach Meisdorf gemacht. Die beiden Jagdherren, Redöhl und Sporreiter, waren mit dem Ablauf der Schleppjagd sehr zufrieden. Von den Reitern gab es viel Lob für die perfekte Organisation der Schleppjagd, die von Redöhl nun schon zum neunten Mal vorbereitet wurde. Da auch das Wetter mitspielte gab es nur zufriedene Gesichter.