Angeklagte krank, Zeuge schwänzt erneut

Prozess am Amtsgericht Aschersleben platzt wieder

Wurde ein Mann in Aschersleben von einem anderen Mann und einer Frau mit einer Stange geschlagen und verletzt?

Von Detlef Anders
Die Verhandlung vor dem Amtsgericht musste verschoben werden.
Die Verhandlung vor dem Amtsgericht musste verschoben werden. (Foto: dpa)

Aschersleben/MZ - Weil ein Mann am helllichten Tag in einem Altneubauviertel in Aschersleben mit einer Metallstange verprügelt und verletzt wurde, hatte ein Anwohner die Polizei gerufen. Der angebliche Schläger und eine Frau aus Aschersleben müssen sich deshalb vor dem Amtsgericht in Aschersleben verantworten.

Bereits im November 2020 wurde von Strafrichter Robert Schröter das Strafverfahren gegen den damals 32-Jährigen und die 35-Jährige eröffnet. Doch da der Geschädigte, der als Hauptbelastungszeuge aussagen sollte, im November nicht der Ladung des Gerichts gefolgt war, musste die Verhandlung nach einer ersten Zeugenaussage abgebrochen werden.

Mehr als neun Monate später nun der zweite Versuch, das Strafverfahren zu starten. Das Opfer, das sich im November in Halberstadt aufgehalten haben sollte, erschien aber auch diesmal nicht. Eine angeordnete polizeiliche Vorführung scheiterte, weil ihn die Beamten am Tag der Verhandlung nicht am erhofften Aufenthaltsort antrafen. „Wir finden einfach den Geschädigten nicht“, stellte Strafrichter Robert Schröter fest.

Wieder muss die Justiz also einen neuen Termin dafür anberaumen. Dass sich ein Verfahren so lange hinzieht, entspreche nicht den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts, wandte einer der beiden Verteidiger ein. Allerdings fehlte zum Termin auch die Angeklagte wegen Krankheit.

Worum es in dem Streit ging, war am ersten Verhandlungstag nicht klar geworden

Worum es in dem Streit zwischen den Angeklagten und dem Zeugen ging, war am ersten Verhandlungstag noch nicht klar geworden. Die beiden Angeklagten wollten sich da nicht zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft äußern. Ihnen wurde vorgeworfen, gemeinschaftlich handelnd „eine andere Person körperlich misshandelt“ und mit einem gefährlichen Gegenstand verletzt zu haben. Sie hätten das Opfer bis in einen Hauseingang verfolgt und den Mann dort gemeinsam verprügelt.

Die Frau soll mit einer Metallstange in Richtung Kopf des Mannes geschlagen haben, schilderte die Staatsanwältin. Währenddessen habe das Opfer versucht, sich mit einer großen Einkaufstüte zu schützen, so dass die Frau mit der Stange nur die Schulter traf. Eine Platzwunde am Kopf sei dennoch die Folge gewesen, hieß es damals in der Anklage.

Der Angeklagte habe mehrfach mit einem Aluminiumrohr gegen Rippen, Hüfte und Bein des Opfers geschlagen, hieß es im November. Und nachdem das Aluminiumrohr abbrach, soll der Angeklagte mit dem scharfkantigen Rohrstück in die linke Hüfte des Mannes gestochen haben. In der Anklage war von einer zwei Zentimeter großen Stichverletzung, die im Krankenhaus operativ versorgt werden musste, die Rede.

Ein 23-jähriger Zeuge hatte bei der ersten Verhandlung von einem „Geschrei“ berichtet und davon, dass er das Opfer mit in seine Wohnung im benachbarten Wohnblock genommen und die Polizei gerufen hatte. „Als der Geschädigte mitgekriegt hat, dass ich die Polizei gerufen habe, ist er gleich losgemacht“, hatte der Zeuge damals ausgesagt und von einem blutigen T-Shirt erzählt.

Zur Ursache des Verschwindens soll der einen gegen den Geschädigten vorliegenden Haftbefehl genannt haben. Strafrichter Robert Schröter hat noch keinen neuen Termin festgesetzt. Zunächst soll geklärt werden, wo der Zeuge von der Polizei tatsächlich angetroffen werden könnte.