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„Mein Baum für Aschersleben“„Mein Baum für Aschersleben“: Ein bleibendes Vermächtnis

Aschersleben - Der kleine Friedrich schnappt sich die leuchtendgrüne Kanne und gießt die Blutbuche an, deren Blätter schon von der herbstlichen Trockenheit durchzogen sind. Doch es ist beste Pflanzzeit und das Angießen ein symbolischer Akt. Denn der Baum ist Friedrichs Uropa Manfred Pocklitz ...

Von Regine Lotzmann 12.11.2019, 07:52

Der kleine Friedrich schnappt sich die leuchtendgrüne Kanne und gießt die Blutbuche an, deren Blätter schon von der herbstlichen Trockenheit durchzogen sind. Doch es ist beste Pflanzzeit und das Angießen ein symbolischer Akt. Denn der Baum ist Friedrichs Uropa Manfred Pocklitz gewidmet.

Erinnerungen an liebe Menschen, Geschenke zu Geburts- oder Hochzeitstagen, es gebe so zahlreiche Gründe, warum sich auch dieses Mal wieder so viele Menschen an der Aktion des Verschönerungsvereins „Mein Baum für Aschersleben“ - der inzwischen neunten - beteiligt haben, sagt André Könnecke.

„Im Frühjahr waren es 13 Bäume, 16 kommen nun dazu, das macht 29 und damit einen neuen Rekord.“

„Tue Gutes und sprich darüber, das scheint zu funktionieren“, meint der Vorsitzende des Vereins, der beeindruckt davon ist, wie viele Baumspender und Gäste am Wochenende zur Übergabe in den Stadtpark gekommen sind. „Im Frühjahr waren es 13 Bäume, 16 kommen nun dazu, das macht 29 und damit einen neuen Rekord“, freut sich Könnecke. Und bilanziert: Seit 2015 gebe es die Aktion, seitdem wurden in Aschersleben und seinen Ortsteilen 97 Bäume gepflanzt.

„Es war ihr Herzenswunsch“, begründet Ines Hartleib, warum ihre ganze Familie der verstorbenen Ingeborg Hartleib, die in Aschersleben viele Jahre als Ärztin gearbeitet hatte, ein solch grünes Denkmal setzen möchte. Eine Sommerlinde in der Promenade und ein Feldahorn in Freckleben auf der Burg.

„Sie war so naturverbunden und der Stadt zugetan“, erzählt die Schwiegertochter weiter und gibt zu, sehr ergriffen zu sein. „Das ist ein emotionaler Moment, ein Ritual, wo man noch einmal ganz nah bei demjenigen ist.“

Auch für Anna Erpilev ist es eine Erinnerung an ihren verstorbenen Mann Alexander. „Mein Mann hat immer gesagt, dass er Aschersleben liebt“, erzählt sie. Nun steht seine Robinie in der Johannispromenade. „Ganz in der Nähe der Musikschule, wo wir beide gearbeitet haben.“

„Ich wollte keine Geschenke haben“, sagt Elfriede Schneider, die zu ihrem 90. Geburtstag deshalb eben einen Baum bekommen hat und die Urkunde dafür sogar selbst entgegennahm. Ganz freudig und aufgeregt.

Auch André Könnecke freut sich über diese Art der Geschenke. „Sie tun nämlich auch etwas Gutes für die Allgemeinheit“, spricht der Chef des Verschönerungsvereins von gutem Stadtklima und sauberer Luft. Eine einzige Rotbuche könne pro Tag 24 Kilogramm Kohlendioxid aufnehmen und 11.000 Liter Sauerstoff produzieren. „Was einem Tagesverbrauch von zehn erwachsenen Menschen entspricht.“

Und es seien ganz besondere Bäume dabei, bedankt sich auch Stadtgärtner Holger Dietrich über die grünen Geschenke. Zumal die Trockenheit der vergangenen beiden Jahren verheerende Schäden im Stadtgrün angerichtet hat, weshalb die Auswahl der neuen Bäume nun dem Klima angepasst wird. So gibt es jetzt unter anderem einen neuen Ginkgobaum - das Wahrzeichen des Stephaneums - am Külz-Platz, einen Japanischen Schnurbaum, der 25 Meter hoch wird, und eine Esskastanie, den Baum des Jahres 2018, der bis zu 500 Jahre alt werden kann.

Auch im Stadtpark stehen schon Baumriesen, über 200 Jahre alt. „Und mit diesem Baum“, zeigt er auf die neugepflanzte Blutbuche für Manfred Pocklitz, „wird ebenfalls Bleibendes hinterlassen.“ Für Ehefrau Ingeburg Pocklitz und ihre aus ganz Deutschland angereiste Familie ein schöner Gedanke. Ihr Mann - ein Offsetdrucker, der jahrelang in der Optima gearbeitet hatte - war sehr naturverbunden und liebte die Gartenarbeit. „Und wir haben jahrelang ganz dicht am Stadtpark gewohnt, die Kinder haben hier gespielt, wir haben einen Bezug dazu“, sagt sie. „Und der November“, fügt sie hinzu, „ist auch noch sein Geburtstagsmonat.“ (mz)