„Wir probieren das mal aus“

Mehr Raum für Insekten in Aschersleben: Bauwirtschaftshof mäht einige Wiesen nur noch zweimal pro Jahr

Aschersleben - Wiesen an der Heinrichstraße und an der Magdeburger Brücke in Aschersleben werden nun seltener gemäht

Von Kerstin Beier 13.06.2019, 07:56

Die Zeitungen sind derzeit voll von Berichten über das Insektensterben, über bienenfreundliche Maßnahmen und ökologisch sinnvolles Tun. Auch der Bauwirtschaftshof in Aschersleben stellt sich dem Thema, wie Grün-Verantwortlicher Holger Dietrich auf Nachfrage der MZ sagte. Bereits im vergangenen Jahr ist am Friedhof eine Blumenwiese angelegt worden.

Die Blumenwiese am Friedhof litt im Sommer 2018 unter der Trockenheit

„Wegen der Trockenheit im vergangenen Sommer ist die Aktion nicht so ganz geglückt“, muss Dietrich zugeben, doch hinter der Mauer in Richtung Salzweg, wo eine einjährige Mischung ausgesät wurde, beginnen jetzt Leinkraut und Margeriten zu blühen. Die Wiese weiter unten „wollen wir einfach mal wachsen lassen und nicht mähen.“

Auch innerhalb der Stadt Aschersleben wird es in Absprache mit dem Tiefbauamt künftig einige Bereiche geben, die von den scharfen Messern der Mäher verschont bleiben und nur noch zweimal im Jahr bearbeitet werden.

Die Flächen der Internationalen Bauausstellung an der Heinrichstraße gehören dazu, aber auch eine etwa 500 Quadratmeter große Grünfläche an der Magdeburger Brücke. „Wir probieren das mal aus“, sagt Sabine Richter vom Grünflächenamt der Stadt. Gemäht wird hier nur der Streifen zwischen Radweg und Straße und ein schmales Stück entlang der großen Fläche - damit das hohe Gras den Weg nicht überwuchert.

Wiesen an der Heinrichstraße und an der Magdeburger Brücke werden nun seltener gemäht

Wer in diesem Jahr schon eine bunte Wiese erwartet, wird enttäuscht werden. „Da braucht man Geduld“, erklärt die Fachfrau. Zumal kein Samen eingesät wird. „Die bestehenden, etablierten Pflanzen würden alles andere unterdrücken. Deshalb werden wir die Fläche zunächst ausmagern“, sagt Sabine Richter.

Sie ist aber sicher: „Das wird sich entwickeln. Das Potenzial ist im Boden, wir können uns überraschen lassen“, sagt sie. Und auch jetzt schon würden Insekten Gefallen und Nahrung an blühenden Gräsern finden. Weitere Blüh-Flächen seien in der Zukunft denkbar, „wir haben uns aber noch nicht entschieden“.

Dass der Ordnungssinn immer noch fest verankert ist in den Köpfen, zeigt die Tatsache, dass die Beschwerde-Telefone im Bauwirtschaftshof momentan öfter klingeln als sonst. Das Gras wächst und wächst - manchen stört hüfthohes Grün.

„Wir werden es allein finanziell, aber auch arbeitskräftemäßig nicht durchhalten, überall alle zwei Wochen zu mähen“, sagt Holger Dietrich. Dessen Mitarbeiter sind momentan ohnehin mit anderen, mindestens ebenso wichtigen Aufgaben beschäftigt. „Die Bäume zeigen uns, dass sie die Trockenheit des letzten Sommers leider schlecht vertragen haben“, sagt Sabine Richter.

Mehrere vertrocknete Bäume aus Sicherheitsgründen gefällt werden

Deshalb muss mancher tote oder sterbende Baum, sofern er an Gehwegen steht, aus Sicherheitsgründen gefällt werden. Weil das zu dieser Jahreszeit eigentlich nicht erlaubt ist, braucht es einen Antrag und eine Abstimmung mit der Naturschutzbehörde.

Schwerpunkte seien hierbei die Spielplätze und das Schneiden von Hecken überall dort, wo sie die Sicht behindern - zum Beispiel am Spielplatz am Vogelgesang. (mz)