Gymnasium Stephaneum

Marie Pullner aus Nachterstedterin wird für ihre Studienarbeit ausgezeichnet

Die Arbeit über Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz bekam den Stephaneer-Preis für Deutsche Sprache und Literatur.

Von Detlef Anders
Marie Pullner hat den Stephaneer-Preis für Deutsche Sprache und Literatur bekommen. Sie schrieb eine Studienarbeit über Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz.
Marie Pullner hat den Stephaneer-Preis für Deutsche Sprache und Literatur bekommen. Sie schrieb eine Studienarbeit über Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz. Foto: Detlef Anders

Nachterstedt/MZ - Marie Pullner genießt ihre Ferien noch ein paar Wochen. Im Oktober nimmt die 18-Jährige in Bernburg ihr Studium an der Hochschule Anhalt auf. Sie hat sich für Wirtschaftsrecht entschieden. Die Nachterstedterin ist die Erste in ihrer Familie, die studiert.

Sie hat nicht nur ein tolles Abi am Gymnasium Stephaneum in Aschersleben hingelegt, sondern auch noch einen der begehrten Stephaneer-Preise bekommen. „Das war der krönende Abschluss. Es war eine Ehre, den Preis zu bekommen“, sagt sie stolz.

Die Auszeichnung bekam Marie Pullner in der Kategorie „Deutsche Sprache und Literatur“. Hauptsächlich habe das an ihrer Studienarbeit gelegen, die sie in der 12. Klasse geschrieben hat, denkt sie. Sie hatte die Biografie des österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz zu lesen und konnte wegen Corona nicht nach Wien fahren, sondern musste sich mit Presseartikeln und Internetrecherchen ein Bild verschaffen.

„Im Endeffekt habe ich Sebastian Kurz mit Helmut Schmidt verglichen“, berichtet sie über die Arbeit. Sie las also auch noch die Biografie des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers.

„Im Endeffekt habe ich Sebastian Kurz mit Helmut Schmidt verglichen.“

Marie Pullner über ihre ausgezeichnete Studienarbeit

Deutsch-Lehrerin Andrea Janzen half und fand die Arbeit am Ende so gut, dass Marie die Maximalpunktzahl bekam. Und das Deutsch-Abi machte sie dann auch mit Höchstpunktzahl 15. „Ich bin sehr ehrgeizig“, bestätigt sie.

Dass sie gut schreiben kann, habe schon die Grundschullehrerin Iris Höpfner erkannt und gefördert, berichtet die 18-Jährige. „Ich habe immer viel gelesen“, sagt sie. Marie Pullner schildert, dass ihr als kleines Kind die Oma viele Märchen erzählte und die Mutter viele Bücher kaufte.

„Und ich war ganz viel in der Bibliothek in Gatersleben“, nennt sie einen weiteren wichtigen Punkt. Jede Woche habe sie sich da mitunter 20 Bücher geholt und verschlungen. „So war ich halt“, erinnert sie sich lächelnd.

Stubenhockerin war Marie Pullner deswegen aber nicht. Ihr Vater war und ist Nachwuchs-Fußball-Trainer beim SC Seeland und Marie spielte mit ihrem, zwei Jahre jüngeren Bruder seit der 3. Klasse in einer Mannschaft. Bis zur B-Jugend war sie bei den Jungs in der Abwehr, dann musste sie in eine Frauenmannschaft wechseln.

Sie spielte in Edlau in dem von Andreas Hampe, dem Vater ihres Schulkameraden, trainierten Frauen-Teams, als Stürmerin in der Verbandsliga. Bis ein Kreuzbandriss im Skilager in der 11. Klasse eine OP erforderlich machte und sie aufhören musste. „Mit den Jungs, das war die beste Zeit“, sagt sie rückblickend.

Ihre gesamte Familie besteht aus Fußballfans, berichtet die Abiturientin

Heute fährt Marie Pullner aber zum Zuschauen zu den Fußballspielen ihres Freundes aus Frose, der bei Germania Halberstadt in der Verbandsliga der A-Junioren spielt. Und - so es wieder möglich ist - nach Gelsenkirchen. Alle in der Familie seien Schalke-Fans. „Mama ist die Schlimmste von uns“, meint sie auf Nachfrage, ob wirklich alle gemeint sind.

An die Schule wird sie gern zurückdenken. An die gemeinsamen Klassenfahrten mit ihrem Klassenlehrer Toralf Merkel, der mit seiner Klasse sogar nach Prag oder Budapest fuhr. „Das hat kein anderer Lehrer gemacht. Das war das Coolste“, sagte Marie Pullner, die auch Klassensprecherin war. Musikalisch war sie nie, dafür in der Mädchen-Fußball-AG und der Philosophie-AG. Auch wenn sie dort gut war, habe sie nur Latein und Chemie nicht so gemocht.

In die Schule fuhr sie viele Jahre mit den Mitschülern aus dem Seeland im Simson-Tross. Natürlich habe sie eine S51, bestätigt sie. Nun kam zum 18. Geburtstag auch noch ein Auto dazu. Der 20 Jahre alte Wagen des Opas wird sie nach Bernburg zum Studium bringen.

Aber nicht jeden Tag, denn Marie Pullner will nach Bernburg in eine eigene Wohnung ziehen, das Leben genießen. „Aber ich komme auf jeden Fall wieder her“, verspricht sie. Vielleicht ist sie ja dann irgendwann Wirtschaftsprüferin in Aschersleben?