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Leute von nebenan

Leute von nebenan: Mit dem Flitzer auf Ullrichs Spuren

Nachterstedt/MZ. - "Nein, nein. Fahrräder habe ich damals noch keine verkauft", lacht der 59-Jährige. Zu dieser Zeit wollte er unbedingt erst mal selbst eines haben. "Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich für mein erstes gebrauchtes Rad jeden Tag bei einem Bauern arbeiten musste", erzählt der ...

Von Tina Lindemann 20.08.2003, 19:26

"Nein, nein. Fahrräder habe ich damals noch keine verkauft", lacht der 59-Jährige. Zu dieser Zeit wollte er unbedingt erst mal selbst eines haben. "Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich für mein erstes gebrauchtes Rad jeden Tag bei einem Bauern arbeiten musste", erzählt der Nachterstedter.

Dass er 25 Jahre später, nachdem er als hauptamtlichen Radsport-Trainer tätig war, mal einen ganzen Laden voller Drahtesel haben würde, hätte er sich zu dieser Zeit niemals träumen lassen. "Ich habe ja noch nicht mal kurz nach der Wende, als ich noch als Leichtmetaller arbeitete und meine Frau begann, einen Radsport-Laden aufzubauen, daran geglaubt", erinnert sich Hohm. Doch als er dann auch noch dem "massiven Stellenabbau" zum Opfer fiel und seine Arbeit verlor, steckte die ganze Familie alle Zeit und Kraft in "den Laden".

Mit Erfolg. 1999 wurde der kleine Fahrradshop so beliebt, dass der Verkaufsraum nicht mehr ausreichte und "wir unbedingt anbauen mussten". Seitdem können sich die Kunden ihren persönlichen Favoriten unter den Drahteseln auf 165 Quadratmetern auswählen. Trekking- und Cityräder stehen da genauso zur Auswahl wie Mountain-Bikes. "Selbstverständlich führen wir auch Rennräder", sagt Hohm. Aber die stehen nicht im Nachterstedter Fahrradshop. Das sei bei deren Preisen (angefangen bei 600 Euro) viel zu riskant. "Außerdem wollen die Kunden, wenn sie sich schon mal für ein echtes Rennrad entscheiden, etwas ganz Besonderes", weiß er - in Maßanfertigung eben und keinesfalls ein "Massenprodukt".

In Georg Hohms "Laden" kann sich der geneigte Radsport-Fetischist aber nicht nur mit Drahteseln aller Marken und Größen ausstatten, auch wessen Zweirad mal eine kostenlose Durchsicht benötigt oder gar nach einer Reparatur verlangt, ist in dem "reinen Familienbetrieb" genau richtig. Egal ob Reifen gewechselt werden müssen, die Kette eine Generalüberholung braucht oder der Kunde gar ein Rennrad aufgebaut haben will - überall legt der Nachterstedter selbst Hand an und bringt die Räder wieder auf Vordermann.

Dass Georg Hohm bei so viel Einsatz für den Radsport auch in der Freizeit nicht auf sein Rennrad verzichten kann, ist da keinesfalls verwunderlich. "Ich weiß nicht, was mich überhaupt so am Radsport fasziniert", sagt er. Eines aber ist sicher: Auf seine tägliche Trainingsrunde kann er jedenfalls nicht verzichten. Irgendwann will er es Jan Ullrich schließlich gleichtun und die steilen Alpenpässe hinaufklettern. "So schnell wie Ullrich werde ich zwar nicht sein." Bei einem, der bis Mitternacht an Fahrrädern bastelt, ist das allerdings nur allzu verständlich.