Quo vadis Aschersleben?

Kampf gegen Leerstand und Ausbluten

Verödet die Innenstadt? Das soll jedoch verhindert werden. Der Stadtrat verabschiedet einen Grundsatzbeschluss.

Von Kerstin Beier
Viel Verkehr fließt über den Graben, der derzeit gesperrt ist. (Foto: Frank Gehrmann)

Aschersleben - „Es ist gut, dass wir uns die Zeit genommen haben“, findet Benno Schigulski. Der CDU-Stadtrat schaut zufrieden auf das Ergebnis von mehreren Diskussionsrunden, die schon im vergangenen Jahr begonnen haben. Dabei ging es um eine Strategie für die Innenstadt von Aschersleben. Am Ende der vielstündigen Debatten, die in allen Stadtratsfraktionen gemeinsam mit der Verwaltung, mit der Kulturanstalt und Kaufmannsgilde geführt wurden, steht nun ein Grundsatzbeschluss mit einer Anlage, die bereits ganz konkrete Ziele und Maßnahmen enthält. Der Beschluss ist bei vier Enthaltungen in der jüngsten Stadtratssitzung mehrheitlich angenommen worden.

Die Ausgangslage

Ausgangspunkt waren Tendenzen, die in der Innenstadt nicht zu übersehen sind und die das gegenwärtig noch hohe Niveau bedrohen: Etliche Geschäfte stehen leer - sogar in den Haupteinkaufsstraßen. Die Durchgangsstraßen ersticken im Verkehr, besonders viele Lkw führen zu hoher Lärmbelastung. Zahl und Qualität der Radwege sind verbesserungsbedürftig, genauso wie das Parkplatzangebot und das Verkehrs- sowie Parkplatzleitsystem. Ziel war und bleibt es, Aschersleben als attraktive Innenstadt weiterzuentwickeln und zwar so, dass man sich dort gerne aufhält - sei es zum Wohnen, Einkaufen, zum Restaurantbesuch, zum Flanieren und zur Begegnung etwa bei kulturellen Veranstaltungen. Ansätze und Einzelmaßnahmen gibt es viele. Anliegen der Strategie ist es, diese zu einem stimmigen Bild zusammenzufügen.

Mit dem Beschluss verpflichten sich alle Beteiligten, künftige Initiativen daraufhin zu prüfen, ob sie der Umsetzung der Strategie dienen und auf Qualität und Nachhaltigkeit ausgerichtet sind. Wenn nicht, sollen sie unterlassen oder zumindest nicht mit Geld aus dem Stadtsäckel finanziert werden.

Der Einzelhandel

Das Strategiepapier stellt Risiken und Chancen für die Entwicklung des Einzelhandels gegenüber. Zu den Risiken gehören etwa die Konkurrenz durch den Onlinehandel, uneinheitliche Öffnungszeiten, demografischer Wandel, auswärtige Gebäudeeigentümer ohne Verbundenheit mit der Stadt sowie Mietpreisvorstellungen, die mit den Umsätzen der Ladenmieter nicht vereinbar sind. Je mehr Filialen sich ansiedeln und je mehr inhabergeführte Geschäfte verschwinden, desto austauschbarer werden die Innenstädte. Dem stehen Chancen gegenüber: So gibt es bisher kein großes Einkaufscenter in der Innenstadt, das den Preiskampf eröffnen würde. Die Wege sind kurz, die Angebotsvielfalt groß, weil die Fachgeschäfte Schwerpunkte setzen und geringe Stückzahlen vorhalten können.

Wie soll sich die Stadt nun entwickeln? Genannt werden unter anderem: Größere Behörden sollen möglichst in der Altstadt angesiedelt werden bzw. bleiben. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Mitarbeiter werden ihre Einkäufe in der Stadt erledigen, besorgen sich dort ihr Mittagessen und beleben insgesamt die Stadt. Wohnen in der Altstadt und wohnverträglicher Einzelhandel sollen sich gegenseitig beleben.

Der Verkehr

Verkehrsströme und Verkehrsarten sollen besser gelenkt werden. Dazu gehören eine Überprüfung des Verkehrsleitsystems, eine Überarbeitung des Parkraumkonzepts und eine verbesserte Verknüpfung von Radwegen beispielsweise. Eine von der Fraktion SPD/Grüne vorgeschlagene Aufnahme des Ziels „Entschleunigung der Breiten Straße“ in den konkreten Maßnahmekatalog als Anlage zum Beschluss ist vorerst noch abgelehnt worden - sowohl im Stadtentwicklungsausschuss als auch im Stadtrat.

Begründung: Noch ist nicht absehbar, wie sich die Ortsumfahrung - deren Bau in diesem Sommer beginnen wird - auf den innerstädtischen Verkehr auswirkt. Konkret festgehalten sind bereits der Bau einer Tiefgarage, die Einrichtung von E-Lade-Stellplätzen für Pkw, die Installation einer zentralen Fahrradabstellanlage mit verschließbaren Gepäckboxen und Ladestationen für E-Bikes.

Im Blick haben die Verfasser des Grundsatzbeschlusses auch die Platzverhältnisse am Johannistor. Im Falle einer Neubebauung soll die Bauflucht in südlicher Richtung verschoben werden, um mehr Raum für Fuß- und Radweg zu bekommen. Auch ein Kreisverkehr wird in Erwägung gezogen.

Die Aufenthaltsqualität

Die Verwaltung soll vier konkrete Standorte im Stadtkern benennen, die geeignet sind, Erlebnisinseln zu schaffen - als Aufenthaltsraum oder Spielfläche. Eine ansprechende Gestaltung von Plätzen und Straßen soll die Aufenthaltsqualität verbessern und dafür sorgen, dass die Menschen länger verweilen möchten. Und: Je weniger Leerstand in der Stadt, desto wohler fühlen sich auch Bewohner und Gäste. Hier sind auch die Vermieter in der Pflicht, sich um die Mieter zu kümmern. (mz)