Hochwasserschutz im Selketal

Hochwasserschutz im Selketal : Es ist ein dickes Brett zu bohren

Aschersleben - Norbert Jahn von der BI „Naturnaher Hochwasserschutz“ will weniger Eingriffe in die Natur. Welche Alternativen er sieht und was er hofft.

Von Detlef Anders 03.05.2018, 09:56

24 Jahre nach dem verheerenden Hochwasser der Selke sind die Ängste vor einer Wiederholung in den damals betroffenen Anliegerorten groß.

Dass es vor einigen Tagen eine Mahnwache in Gatersleben gab, bei der Vertreter der Bürgerinitiative Pro Hochwasserrückhaltebecken bei Meisdorf der Stadt Falkenstein den Ton verschärften und mit Argumenten antraten, die seiner Ansicht nach jedoch zehn Jahre alt und überholt sind, das ärgert Norbert Jahn.

Hochwasserschutz im Selketal:  Mit am runden Tisch

Der Ascherslebener ist Mitglied einer anderen Bürgerinitiative mit dem Namen „Pro naturnaher Hochwasserschutz“.

Seit Juli 2012 sitzt er für seine Bürgerinitiative mit am Runden Tisch mit hauptamtlichen Bürgermeistern der Anrainergemeinden, den Vertretern des Landesbetriebes für Hochwasserschutz, Naturschutzbehörde, Vertretern der Bürgerinitiative und Planern.

„20 Leute - vier bis fünf Stunden immer. Es ist ein dickes Brett zu bohren.“

Eigentlich sei vereinbart worden, dass über die Beratungen anschließend keine Presseinformationen rausgegeben werden.

Doch nach den in der MZ veröffentlichten Äußerungen zur Mahnwache und dem Vorwurf von Verschleppungstaktik will Jahn die Hintergründe gern erklären, bevor Ende Juni in einer öffentlichen Veranstaltung über die Ergebnisse informiert wird.

Hochwasserschutz im Selketal: Kritik am Rückhaltebecken vor Meisdorf

Zum Hochwasserrückhaltebecken bei Straßberg gibt es kaum Kritik, so Jahn.

Doch beim Rückhaltebecken im Selketal vor Meisdorf ist das anders. „Es gibt Alternativen, die noch zu prüfen sind.“

Dass diese Alternativen zu Verzögerungen führen, sei aus seiner Sicht nicht richtig und dies müssten die Sprecher der anderen BI auch wissen.

Hochwasserschutz im Selketal: Wirksame Alternativen prüfen 

Für das Becken bräuchte es ein richtiges Planfeststellungsverfahren. Da müsste auch geprüft werden, ob Alternativen ähnlich einem Hochwasserrückhaltebecken wirksam sind.

Nach Ansicht von Jahn wäre bei den in der Diskussion befindlichen Alternativen der Eingriff in die Natur geringer. Das müssten Experten in der gleichen Tiefe prüfen.

Hochwasserschutz im Selketal: Uhlenbachtal im Blickfeld

„Unser Vorschlag ist, das Uhlenbachtal, das ist ein großer Einzugsbereich, ins Blickfeld zu nehmen.“

Oberhalb der Grubenwasserreinigungsanlagen zwischen der Rinkemühle und der Harzhochstraße hält Jahn ein Rückhaltebecken für denkbar. „Das ist kein so strenges Naturschutzgebiet.“

Als zweites gibt es den Vorschlag, die lange Wiese vor Meisdorf als Stauraum zu nutzen. Möglicherweise müssten in Meisdorf selbst noch kleinere Schutzmaßnahmen ergriffen werden.

Als dritte Alternative nennt Jahn einen Damm auf einem Acker hinter Meisdorf, um Ermsleben zu schützen. „Keine 15 Meter hoch, aber so acht oder neun Meter. Das ist nur Feld.“

Wobei er auch weiß, dass es Fläche der Landwirte ist.

Hochwasserschutz im Selketal: Ausnahme ist kein Regelfall 

„Wenn man Alternativen nicht untersucht, geht es auch nicht schneller“, denkt Norbert Jahn. Und es ginge aus Naturschutzgründen auch gar nicht.

Laut Naturschutzgesetz sind Ausnahmen von Verboten bei einem starken Interesse der Allgemeinheit zwar zulässig, aber nur dann, wenn es keine Alternativen gibt.

„Die Alternativenprüfung ist in der Rechtsprechung ganz hoch angesiedelt“, sagt er mit Hinweis auf die Autobahn A143, die als Westumfahrung Halles dienen soll.

Hochwasserschutz im Selketal: Überholte Auffassung

Die Auffassung, dass nur die beiden Hochwasserrückhaltebecken bei Straßberg und Meisdorf den besten Schutz bieten, und alles andere sowieso indiskutabel wäre, sei überholt.

Und dass nur ein Federstrich genügt, damit sie realisiert werden, sei falsch.

„Wir müssen jetzt gucken, wie es weitergeht, ohne dass Gerichte kommen können“, betont der BI-Sprecher und weiß, dass das kompliziert ist.

Hochwasserschutz im Selketa: Es ist nicht nur ein Federstrich

Er hat Verständnis für die Menschen, die sich vor dem nächsten Hochwasser sorgen und wollen, dass etwas passiert.

„Es ist aber nicht ehrlich zu sagen, wir bräuchten nur einen Federstrich, dann haben wir zwei Hochwasserrückhaltebecken. Das ist es nicht.“

Die Schutzgüte des Selketals sei so hochwertig, dass es äußerst problematisch sei, wenn dort etwas gebaut wird, so Jahn.

Der Runde Tisch wird im Mai und Juni noch tagen, ehe es am 25. Juni die abschließende Veranstaltung mit Umweltministerin Claudia Dalbert (Grüne) in Gatersleben geben soll. (mz)