Trockenheit und Hitze

Grünanlagen in Aschersleben: Wie der Bauhof im Hitze-Sommer 2018 viele Pflanzen vorm Vertrocknen bewahrt hat

Aschersleben - In „normalen“ Jahren sind die „Gießfrauen“ an drei Tagen in der Woche mit Wasserschlauch und Gießkannen unterwegs und können sich an den anderen Tagen der Woche anderen Arbeiten widmen. In diesem Jahr wässern sie das städtische Grün an jedem Arbeitstag. Zwischen 5.000 und 6.000 Liter Wasser verteilen die Frauen auf etwa 50 Pflanzmodule und alle Bäume, die noch nicht tief genug wurzeln konnten, um die lange Trockenheit zu überstehen.

Von Kerstin Beier 13.09.2018, 07:56

Sie sind die Retterinnen des Stadtgrüns in diesem Jahr: Gabi Lorbeer und ihre Kollegin Jeanette Beyer. „Gießfrau“ Gabi Lorbeer vom Bauwirtschaftshof ist täglich mit dem Multicar unterwegs, um die in der Stadt angepflanzten Sommerblumen und mehr als hundert Jungbäume vor dem Verdursten zu bewahren. Ihre Kollegin vertritt sie, wenn sie einmal nicht da ist.

Die Pflanzen über den Sommer zu bringen, ist in diesem Jahr eine echte Herausforderung. Jeder Kleingärtner weiß das, aber die schiere Pflanzenmenge in einer Stadt ist natürlich noch mal eine andere Nummer.

5.000 bis 6.000 Liter Wasser pro Tag

In „normalen“ Jahren sind die „Gießfrauen“ an drei Tagen in der Woche mit Wasserschlauch und Gießkannen unterwegs und können sich an den anderen Tagen der Woche anderen Arbeiten widmen. In diesem Jahr wässern sie das städtische Grün an jedem Arbeitstag. Zwischen 5.000 und 6.000 Liter Wasser verteilen die Frauen auf etwa 50 Pflanzmodule und alle Bäume, die noch nicht tief genug wurzeln konnten, um die lange Trockenheit zu überstehen.

Die Bäume brauchen jeder mindestens einmal pro Woche 20 bis 30 Liter. „Das Wasser muss bis an die Wurzeln kommen. Den Schlauch mal kurz dranzuhalten, das bringt nichts“, sagt Bereichsleiter Holger Dietrich. Das betrifft 66 Bäume in der Stadt, die drei Jahre lang gepflegt werden müssen, sowie 50 Bäume auf dem Friedhof.

Drei Bäume auf dem Friedhof sind eingegangen

Trotz aller Bemühungen haben es drei Bäume auf dem Friedhof nicht geschafft. Bei den älteren Bäumen beobachtet Dietrich Schäden vor allem bei Blaufichten und Koniferen, aber auch Ahorn, Buchen und Birken haben stark gelitten.

Die Birken haben schon Ende Juni ihr Laub gefärbt, „manchmal sind sie durch Nachschneiden noch zu retten“, sagt Dietrich. Gemeinsam mit Sabine Richter von der Stadtverwaltung hat er schon etwa 30 Bäume erfasst, die definitiv gefällt werden müssen - vorrangig in den Promenaden, aber auch auf dem Burggelände.

Große Schäden sind erst im Frühjahr zu sehen

Die Kiefern und Fichten am Goetheblick etwa sähen aus „wie vertrocknete Weihnachtsbäume.“ Dietrich befürchtet aber noch Schlimmeres. Denn die großen Schäden seien erst im Frühjahr zu sehen. Der zurückliegende Winter mit wenig Schnee, gepaart mit Hitze und Trockenheit im Sommer, seien der absolute Stress für die Bäume.

Zum Gießen muss der Bauwirtschaftshof auf Trinkwasser zurückgreifen. Denn der Druck der Brunnen auf dem Friedhof reicht bei der momentanen Trockenheit, wenn auch noch die Friedhofsbesucher die Zapfstellen stark frequentieren, nicht aus.

Druck der Brunnen auf dem Friedhof reicht nicht aus

Bereichsleiter Holger Dietrich ist deshalb froh, dass das Trinkwasser anders als beispielsweise in Sangerhausen hier nicht rationiert werden musste. „Ich bin schon 32 Jahre lang beim Bauwirtschaftshof, aber ein Jahr wie dieses hatten wir noch nie“, sagt er.

Neben Innenstadt und Friedhof kümmert sich der Bauwirtschaftshof gemeinsam mit der Lebenshilfe auch um die Laga-Flächen - also um Herrenbreite, Stadtpark, Bestehornpark, Eine-Terrassen und Rosarium. Dort sind zwei bis drei Gießroboter im Einsatz, die jeden Tag an- und abgebaut werden müssen.

Gießroboter verteilen Wasser auf den Laga-Flächen

Eine aufwendige Arbeit, für die stets zwei Leute eingesetzt werden. Ein Roboter wiegt 50 Kilo, und auch die Schlauchtrommel ist ein wahres Monstrum. Auf der Herrenbreite kann jeweils nur ein Roboter eingesetzt werden, weil das Leitungssystem für zwei nicht ausreicht.

„Wenn wir mehr anschließen, haben die Anwohner kein Wasser mehr“, erklärt Dietrich. In Jahren wie diesen bedauert er es, dass zur Laga kein automatisches Bewässerungssystem installiert wurde, das man über Nacht laufen lassen könnte. (mz)