Giftpflanze im Visier

Giftpflanze im Visier: Schnelle Eingreiftruppe schlägt zu

Frose/Aschersleben - Weil der Riesenbärenklau Kinder und das Froser Biotop bedroht, steigt Steffen Amme sofort in seinen Schutzanzug.

Von Regine Lotzmann 28.06.2018, 08:56

Es hat schon ein bisschen etwas von einem Außerirdischen, wie sich Steffen Amme da verwandelt. Gekonnt schlüpft der Neophyten-Beauftragte des Salzlandkreises in den weißen Schutzanzug und streift sich einen Mundschutz über. Stülpt die Kapuze auf den Kopf.

Und über die grauen Handschuhe, die er unter die langen Ärmel schiebt, kommt ein weiteres Paar.

Denn: Sicherheit geht vor, auch wenn Gefahr in Verzug ist. Und das ist sie, weiß der Fachmann, der nun gut gerüstet gegen den im Froser Seegebiet entdeckten Riesenbärenklau - einer vor 200 Jahren eingeschleppten Giftpflanze - zu Felde zieht.

Giftpflanze im Visier: Berührung kann gefährlich sein

„Wenn sich das Zeug Richtung Biotop ausbreitet, haben wir ein echtes Problem“, erklärt Steffen Amme den Blitz-Einsatz.

„Aus dem Schilfgürtel bekommen wir ihn nie wieder raus.“ Dazu die Nähe zur Froser Kindertagesstätte.

Kann doch allein die Berührung der Pflanze zu erheblichen Verbrennungen, zu Atemnot, Fieber und sogar zu Kreislaufschocks führen.

Denn das Nesselgift sei tausendmal stärker als bei Brennnesseln - und wirke in Verbindung mit Sonnenschein.

Giftpflanze im Visier: Pflanze schon 2,50 Meter hoch

Das war auch der erste Gedanke von Stefan Bruneske, der die fast 2,50 Meter hohe Giftpflanze entdeckt hatte. Gleich neben der Straße. Etwa 250 Meter hinter dem Kindergarten in Richtung Abenteuerspielplatz.

„Der Riesenbärenklau ist mir sofort aufgefallen. Ich bin extra noch einmal zurückgefahren und ausgestiegen“, sagt der 43-Jährige, der aber nicht wusste, wo er diesen Fund melden sollte und deshalb kurzerhand die Zeitung anrief.

„Wenn sich das hier unten ausbreitet, wäre das eine Katastrophe, das bekommt man nie wieder weg“, findet der Froser, der als Schlosser bei Novelis arbeitet. Auch er hat Angst um das Biotop.

Giftpflanze im Visier: Nichteinheimische Arten werden bekämpft

Zu Recht, findet Amme.

„Invasive, nichteinheimische Arten werden in zunehmendem Maß bekämpft, da sie einheimische Arten und Lebensgemeinschaften verdrängen und sich negativ auf die biologische Vielfalt auswirken“, erklärt der Neophyten-Beauftragte. Er arbeiten als Mitarbeiter des Fachdienstes Natur und Umwelt des Salzlandkreises gegen eingeschleppte Arten kämpft, die für die einheimische Flora und Fauna zur Gefahr werden.

Giftpflanze im Visier: Viele Rote-Liste-Arten im Zuckerbusch

Und in den Froser Seeländereien rund um den Zuckerbusch - seit 2012 als Biotop ausgewiesen - wimmelt es nur so von seltenen Pflanzen und Tieren, darunter vielen Rote-Liste-Arten.

Der Seggenrohrsänger zum Beispiel, der weltweit vom Aussterben bedroht ist. Rohrweihe und Bartmeise. Auch der Seeadler ist dort unterwegs, ebenso wie die bunten Bienenfresser, die im rasanten Flug Schmetterlinge und Libellen fangen.

Zudem ist das 75 Hektar große Feuchtgebiet auch wichtiger Rastplatz für Zigtausende Zugvögel.

Giftpflanze im Visier: Dankbar für den schnellen Eingriff

Roland Tischbier von der Stiftung Pro Artenvielfalt, der im Biotop inzwischen 21 Hektar gehören, ist Amme deshalb für den schnellen Eingriff mehr als dankbar.

„Vor drei Jahren haben wir dort schon vier Pflanzen vernichtet“, erzählt Tischbier. Schließlich sei der Eigentümer der Fläche dafür zuständig.

„Doch jetzt bin ich die schnelle Eingreiftruppe, weil das hier unten einfach zu schlimme Auswirkungen hätte, wenn wir zögern“, sagt Steffen Amme und schneidet die riesigen Samen-Dolden ab, die sofort in einem Sack verschwinden und dann zum Verbrennen kommen.

„Es muss eine fachgerechte Entsorgung geben, also keine Kompostierung.“

Über die Hinweise aus der Bevölkerung - wie hier von Stefan Bruneske - freut er sich sehr.

Fünf habe es in diesem Jahr gegeben. Gerade erst von der Öseg, die Pflanzen am Hauptseegraben in Gatersleben entdeckt haben. (mz)