Friedhof in Wilsleben

Friedhof in Wilsleben: Chemie statt Hacke

Aschersleben - Einen Lehrgang für den sorgfältigen Umgang mit Herbiziden haben jetzt Mitarbeiter des Ascherslebener Bauwirtschaftshofes absolvieren müssen. Denn nur mit dieser Befähigung ist es möglich, Unkrautvernichtungsmittel mit einer Sondergenehmigung auch auf öffentlichen Wegen und Plätzen ...

Von Marion Pocklitz 03.08.2016, 11:23

Einen Lehrgang für den sorgfältigen Umgang mit Herbiziden haben jetzt Mitarbeiter des Ascherslebener Bauwirtschaftshofes absolvieren müssen. Denn nur mit dieser Befähigung ist es möglich, Unkrautvernichtungsmittel mit einer Sondergenehmigung auch auf öffentlichen Wegen und Plätzen einzusetzen.

„Und diese Sondergenehmigung gibt es nur durch diesen Lehrgang. Mit Herbiziden dürfen nur ausgebildete Gärtner oder Sachkundige umgehen“, erklärt André Könnecke, Leiter des Bauwirtschaftshofes. Das Unkraut, vor allem auf Wegen der Ortsteil-Friedhöfe war erst kürzlich in den Mittelpunkt gerückt. So waren vor allem die Wilslebener über den Zustand der Wege ihres Friedhofes unglücklich (die MZ berichtete) und forderten den Einsatz von Unkrautvernichungsmitteln. „Doch ohne Sondergenehmigung ist das nicht möglich“, weiß Könnecke. So konnte bisher dem Unkraut nur mit einer Hacke oder einem Gasbrenner zu Leibe gerückt werden. Ein aufwendiges Unterfangen - bei nur wenigen Mitarbeitern - auf elf Ortsteilfriedhöfen sowie dem Hauptfriedhof in Aschersleben.

Die Sondergenehmigung für den Einsatz von Herbiziden erteilt die Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt nach eingehender Prüfung. „Für jeden Friedhof muss extra ein Antrag gestellt werden“, weiß Könnecke. Das kann Ursel Sperling, Dezernentin für Pflanzenschutz in der Landesanstalt, nur bestätigen. „Zum Einsatz von Herbiziden kommt es eigentlich nur auf Landwirtschaftlichen, Gärtnerischen und Forstwirtschaftlichen Flächen. Geregelt wird das durch das Pflanzenschutzgesetz. Für andere Bereiche muss eine Sondergenehmigung erteilt werden“, erklärt die Fachfrau. Das gehe aber nur bei bestimmten Voraussetzungen. So muss in erster Linie gewährleistet sein, dass das Oberflächenwasser geschützt ist und dass Tiere und Pflanzen nicht geschädigt werden. Außerdem müsse bewiesen werden, dass die Unkrautbeseitigung nicht auf andere zumutbare Weise erzielt werden könne.

Der Einsatz von Herbiziden verbiete sich übrigens auch für Privatleute. „Also vor Grundstücken oder Garagenzufahrten. Auch hier darf nicht mit Herbiziden gearbeitet werden“, sagt sie. Werde dem zuwider gehandelt und komme es zu einer Anzeige, könne es für den Grundstückseigentümer teuer werden. „Wir gehen hier jeder Anzeige nach. Bestätigt sich der Einsatz ohne Genehmigung, kommt es zu einem Bußgeldverfahren. Im schlimmsten Fall wird es zur Straftat erklärt und landet vor dem Staatsanwalt“, erklärt Ursel Sperling. Das wissen eigentlich auch die Fachverkäufer in Baumärkten, die beim Verkauf von Herbiziden auf das neue Pflanzenschutzgesetz hinweisen müssen. „Außerdem besteht hier eine Beratungspflicht. Allerdings ist natürlich auch das Problem des freien Verkaufs bekannt“, schränkt sie ein.

Guter Hoffnung auf die Sondergenehmigung ist Bauwirtschaftshofleiter André Könnecke. „Der erste Schritt dafür ist getan. Die Anträge werden jetzt gestellt und nach eingehender Prüfung denke ich, werden wir die Sondergenehmigungen noch in diesem Jahr bekommen“, sagt er. Übrigens sollen die Mitarbeiter auch künftig solche Lehrgänge absolvieren, denn diese müssen in regelmäßigen Abständen wiederholt werden.

(mz)