„Als würde auch der Himmel weinen”

Friedhof Aschersleben: Eltern und Angehörige trauern um „still geborene Kinder”

Aschersleben - In der Kapelle des Friedhofes Aschersleben ist ein kleiner weißer Sarg aufgebahrt. Mütter und Väter, Geschwister und Großeltern nehmen Abschied von Kindern, die 2017 in Aschersleben und Schönebeck still auf die Welt kamen, deren Leben endete, noch bevor es eigentlich begann.

Von Regine Lotzmann 25.10.2018, 13:52

Der Himmel ist trist und voller grauer Wolken, aus denen einzelne Regentropfen fallen. Es ist, als würde auch er weinen. In der Kapelle des Ascherslebener Friedhofes ist währenddessen ein kleiner weißer Sarg aufgebahrt - gesprenkelt mit goldenen Sternchen, von flackernden Lichtern und weißen Blumen umgeben.

Hier nehmen Mütter und Väter, Geschwister und Großeltern Abschied von den Kindern, die im vergangenen Jahr in Aschersleben und Schönebeck still auf die Welt kamen, deren Leben endete, noch bevor es eigentlich begann.

„Sie alle haben ein Kind verloren", sagt die Pfarrerin

„Und damit kamen auch unbändige Trauer, Schmerz, Angst“, sagt Pfarrerin Anne Bremer. Gemeinsam mit der Entbindungsstation des Ameos-Klinikums bestattet sie deshalb einmal im Jahr die kleinen Sternenkinder, die zu früh und nicht lebensfähig mit weniger als 500 Gramm Gewicht auf die Welt kamen.

„Sie alle haben ein Kind verloren - egal wie groß, wie schwer, wie lange Sie es kannten. Und das ist unheimlich grausam“, sagt die Pfarrerin zu den Vätern und Müttern. Deshalb soll der Abschied auch ein würdiger sein.

Hebamme: Schwangerschaft, die so endet, ist ein Drama

„Für die Eltern ist das wichtig, sie brauchen einen Ort der Trauer“, sagt die Leitende Hebamme Katrin Herrmann. Sei eine Schwangerschaft doch etwas ganz Besonderes. „Und wenn das so früh beendet wird, ist das ein Drama, ein Verlust.“

Für Anne Bremer ist deshalb wichtig, dass die Kinder an einen sicheren Ort kommen. Das seien zum einen der Friedhof, zum anderen die Herzen derer, die sie lieben.

Viele Partner unterstützen die Trauerfeier

Dass Trauerfeier und Beerdigung - die auf eine Initiative der Ascherslebener Geburts- und Frauenklinik zurückgehen - überhaupt möglich sind, sei auch vielen Partnern zu verdanken. Der Ascherslebener Friedhofsverwaltung etwa, Bestattungshaus und Blumengeschäft. Und Anne Bremer, die bei der Trauerfeier rührende Worte findet.

Für die Angehörigen ist es ein schwerer Gang. Sie legen weiße Blumen und kleine Plüschtiere an das frisch ausgehobene Grab. Der Stein dahinter trägt lauter kleine Sterne mit Namen und Daten und die Hoffnung spendende Aufschrift: „Erinnerungen sind kleine Sterne, die tröstend in das Dunkel unserer Trauer leuchten.“

Und so drückt Katrin Herrmann den Familien einen kleinen Stern in die Hand. Und die Pfarrerin sagt: „Da, wo geliebt wird, ist immer mehr Hoffnung als Trauer. Da wird auch der dunkelste Himmel von kleinen Lichtpunkten durchbrochen.“ (mz)