Ein Tag im Planetarium

Ein Tag im Planetarium : Selbstgemachte Sonnenflecken

Aschersleben - Wie am Astronomietag Sternengucker auf ihre Kosten kommen - und von einigen Neuerungen profitieren.

Von Regine Lotzmann

„Wenn keine Sonnenflecken da sind, mach ich eben selber welche“, scherzt eine der Sternfreundinnen und schiebt ihre Finger vor das weiße Stück Papier, auf das am Teleskop die Sonne projiziert wird. Nun gibt es darauf doch ein paar Schatten.

Die Leute, die am Astronomietag in das Ascherslebener Planetarium gekommen sind, lachen. „Na ja“, entschuldigt Manuela Rockmann, „es ist gerade nichts auf der Sonne zu sehen.“ Ihr Vater, der im Verein als Sonnen-Fachmann gilt und sogar ein eigenes Sonnenobservatorium besitzt, habe schon im Vorfeld erklärt, dass das Gestirn im Moment ein bisschen schwach auf der Brust sei, sagt die Sternfreundin.

Sonne in schönem Orange zu sehen

Doch die Leute stört das nicht. Katarina Gelau, die mit ihren Eltern und einer Freundin aus Ellrich gekommen ist, schaut neugierig durch das kleine Fernrohr daneben. Ein H-alpha-Teleskop, das speziell für die Beobachtung der Sonne entwickelt wurde und mit Filtern arbeitet.

Hier ist das Gestirn in einem schönen Orange zu sehen - und wer genau hinschaut, kann sogar die Protuberanzen, also die Materieströme am Rand der Sonne entdecken.

Für die Familie aus dem Harz ist das Angebot am Planetarium eine Überraschung. „Eigentlich wollten wir nur das schöne Wetter ausnutzen und hier in den Zoo“, erzählt Mutter Christiane.

Vom Astronomietag hätten sie gar nichts gewusst. Umso schöner. „Katarina interessiert sich sowieso dafür“, meint die Mutter nämlich - und so wollen sie sich auch gleich noch einen der Vorträge anhören.

Die sind jetzt weitaus komfortabler zu verfolgen, als noch zuvor. „Wir haben jetzt nämlich zwei Beamer“, informiert Matthias Reinäcker, der Leiter des Planetariums ist.

Das beteiligt sich an dem von der Vereinigung der Sternfreunde bundesweit ausgerufenen Astronomietag schon seit über zehn Jahren gemeinsam mit dem Ascherslebener Sternfreunde-Verein.

Bessere Auslastung mit zwei Beamern

Deshalb steht Reinäcker jetzt mitten im Kuppelraum und bereitet den Kindervortrag vor. „Durch die beiden Beamer haben wir bessere Sichtbedingungen und können das Planetarium auch besser auslasten“, nennt der Chef die Vorteile der Technik, die die Bilder nun auf zwei Kuppelseiten projizieren kann.

Kein Kopfverdrehen mehr. Kein Hin- und Hergerücke. „Früher mussten wir ab 40 Besuchern sagen: Jetzt gibt es nur noch Plätze, wo man nicht mehr so gut sehen kann.“ Nun könnte die für 70 Gäste geplante Einrichtung bis auf den letzten Platz gefüllt werden.

Weitere Neuerungen sind zum Beispiel das Kinderprogramm „Ein Sternbild für Flappi“ - „da kommt die ganze Planetariumstechnik zum Einsatz, jeder Projektor, jedes Gerät“ - und die vor den Vorträgen eingespielte Werbung für den Astroshop. „Das macht sich beim Verkauf bemerkbar“, findet Matthias Reinäcker, der auch das Sortiment umgestellt hat.

Hin zu mehr Lehrmitteln

„Weg vom astrologischen Schnickschnack zu mehr Lehrmitteln“, erzählt der Planetariumsleiter von Sternkarten und Sonnenuhren, von Sternbild-Büchlein und Sternzeichen-Puzzlen. Doch jetzt wird erst einmal die Tür zum Kuppelraum zugemacht. Der Kinder-Vortrag über den Mond, der zum Schneider kam, beginnt. Draußen im gleißenden Sonnenlicht kümmert sich Sternfreund Dirk Feitscher um die Neugierigen, die einen Blick durchs Teleskop werfen wollen.

Astronomische Bildung soll vermittelt werden

Der Verein legt Wert darauf, astronomische Bildung zu vermitteln. Vorträge, Beobachtungen, auch bei Veranstaltungen der Stadt ist er dabei - wie am Tag des offenen Denkmals oder der Nacht der Kultur.

Da bieten Sternfreunde am Stumpfen Turm Himmelsbeobachtungen an. „Vorher müssen wir aber noch den Saturn reparieren“, spricht Feitscher von einem Pappmodell des Sonnensystems, das der Verein dort angebracht hat. „Denn im Moment hängt der Ring des Saturns auf dem Jupiter“, lacht der Sternfreund.

Vorher - und zwar am 8. April - wird der Verein aber beim Zoo-Frühjahrsputz sein. „Da wollen wir die Planeten putzen“, berichtet er von dem im Zoo, wo auch das Planetarium seine Heimat hat, angelegten Planetenweg. „Und dann helfen wir Matthias, im Umfeld der Kuppel Ordnung zu schaffen.“

Doch jetzt geht es erst einmal um die Ausgestaltung des Astronomietages. Der wurde auf Sonnabend gelegt, weil da Merkur, Mars und Jupiter gut am Abendhimmel zu sehen sind. Dafür geht es im Dunkeln auf den Krankenhausberg, kündigt Dirk Feitscher an und meint: „Ich habe mein ganzes Auto schon voller Technik.“ (mz)