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Der Lebensretter Hoymer Feuerwehrmann rettet durch Stammzellenspende 63-jährigem Australier das Leben

Der Hoymer Feuerwehrmann Richard Maaß hat mit seinen Stammzellen einem kranken Australier geholfen. Für ihn war das Ehrensache.

Von Regine Lotzmann 16.06.2024, 09:06
Richard Maaß, Feuerwehrmann aus Hoym, hat mit seiner Stammzellenspende Leben gerettet.
Richard Maaß, Feuerwehrmann aus Hoym, hat mit seiner Stammzellenspende Leben gerettet. (Foto: DSD)

Hoym/MZ - „Ich habe wohl das Helfersyndrom“, sagt Richard Maaß und lacht. „Seit 20 Jahren bin ich bei der Feuerwehr, habe als ganz kleines Kind da angefangen. Und Blut spende ich ja auch.“ Ganz bewusst Leben geschenkt habe der Hoymer aber zweimal: vor knapp zwei Jahren mit der Geburt seiner Tochter und nun mit einer Stammzellen-Spende, die einem 63-jährigen Australier das Leben gerettet hat.

Diese beiden Ereignisse bezeichnet der 28-Jährige als ganz besondere Momente, die er wohl nie wieder vergessen wird. Zumal er nun auch einer von 2.600 Lebensrettern ist, für die die Deutsche Stammzellspenderdatei (DSD) die Vermittlerin ist.

Typisierung mit 16

Typisieren lassen habe er sich schon als Jugendlicher. „Mein Lehrausbilder hatte bei Novelis eine solche Aktion ins Leben gerufen. Dessen Schwägerin war damals schwer erkrankt“, erinnert er sich und meint: „Ich muss so 16 gewesen sein.“ Dass er nun als Spender in Frage kam, war für ihn aber überraschend. „Ich kenne niemanden in meinem ganzen Umfeld, der schon einmal gespendet hat. Nur zwei kamen mal in die Vorauswahl.“

Als im November 2023 der Brief von der DSD kam, dass ein genetischer Zwilling auf seine Hilfe angewiesen sei und ob er noch als Spender bereitstehen würde, war das für ihn jedoch überhaupt kein Thema. „Dafür habe ich mich ja registrieren lassen und es ist selbstverständlich, wenn man so jemandem das Leben retten kann“, winkt er ab.

Dann ging alles seinen Lauf. „Ich bekam ein Paket mit Blutprobenröhrchen, die vom Hausarzt gefüllt werden mussten. Dazu kam ein Rundum-Gesundheitscheck“, berichtet Maaß. Am 7. Mai wurden ihm in Dessau die Stammzellen entnommen.

Unkompliziertes Verfahren

Wobei die Prozedur im Normalfall inzwischen nicht mehr so kompliziert wie früher ist, als das Knochenmark noch aus dem Beckenkamm entnommen werden musste. „Man kann sich das jetzt wie eine Blutspende vorstellen, nur dass man zwei Nadeln in den Armen hat – rechts und links“, berichtet der 28-Jährige. Fünf Tage vorher musste er sich ein Medikament spritzen. „Das hat sozusagen die Stammzellen aus dem Knochenmark herausgespült, rein ins Blut. Und wie bei einer Dialyse wurden die Zellen dann aus dem Blut herausgewaschen.“ Das könne bis zu acht Stunden dauern.

Bei dem Hoymer hatte alles gut geklappt und war schon nach 4,5 Stunden abgeschlossen. „Eine Stunde danach konnte ich schon wieder nach Hause fahren. Es war keine schmerzhafte Methode. Maximal ein kleines Hämatom an der Einstichstelle – und nicht mal das hatte ich“, freut sich Maaß über das problemlose Verfahren und dankt seinem Arbeitgeber Novelis, dass er ihn für die Untersuchungen und die Spende einfach freigestellt hat. Denn dort ist er als Industriemechaniker beschäftigt.

Zwei Jahre lang anonym

Wen genau er gerettet hat, kann der Feuerwehrmann noch nicht sagen. „Zwei Jahre lang bleibt das anonym, nur wenn beide wollen, können sie sich danach kennenlernen“, sagt Katja Kluger, die in der Deutschen Stammzellspenderdatei für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. „Wir laden die Pärchen dann zu einem Kennenlerntreffen ein, was superemotional ist. Es sind genau diese Momente unserer Arbeit, die sie wunderschön machen.“

Was Kluger dem Hoymer aber verraten konnte: Der Spender sei männlich, 63 Jahre alt, komme aus Australien und sei nun auf dem Weg der Besserung. „Aber für mich hat das keine Rolle gespielt – Mann, Frau, wie alt, woher. Das Wichtigste ist, dass es einem Menschen bei der Genesung hilft.“

Eine Einstellung, die er auch als Feuerwehrmann hat. Richard Maaß ist nach Opa und Vater nun schon die dritte Generation, die bei der Hoymer Wehr aktiv ist, ebenso wie seine Lebensgefährtin, die er tatsächlich dort auch kennenlernte.

Tolle Feuerwehrtruppe

Sein erster Einsatz war ein Wohnungsbrand, bei dem eine Familie in kürzester Zeit ihr Hab und Gut verlor, seine erste Verkehrstote ein 16-jähriges Mädchen. „Da war ich selbst erst 18. Das sind Dinge, über die man lange nachdenkt.“ Doch die Kameraden in Hoym würden sich in solchen Momenten gegenseitig stützen, füreinander da sein.

Und es sei schön, den Menschen auch helfen zu können. Die Stammzellspende sei aber noch etwas anderes. „Da habe ich mit meinem privaten Leben ein anderes privates Leben gerettet. Und das ist in der Summe ein sehr angenehmes Gefühl.“